Finanzen
"Grenze der Belastbarkeit touchiert"

Niedersachsens Sparkassen müssen Reserven zur Rettung der NordLB anzapfen

Zur Stabilisierung der Stabilisierung der NordLB müssen die Sparkassen über 300 Millionen Euro beitragen. Manche Institute geraten dadurch in existentielle Nöte.
29.08.2019 09:36
Aktualisiert: 29.08.2019 09:36
Lesezeit: 1 min

Die milliardenschwere Rettung der NordLB bedeutet für so manche Sparkasse in Niedersachsen einen existenziellen Kraftakt. "Bei der diesjährigen Stützungsmaßnahme mussten dafür einige Häuser ihre Reserven angreifen, einige wenige haben sogar die Grenze ihrer maximalen Belastbarkeit touchiert", sagte der Präsident des niedersächsischen Sparkassenverbands, Thomas Mang, am Dienstagabend in Hannover.

In den vergangenen 15 Jahren habe die Landesbank die 42 Institute insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro gekostet. Zur aktuellen Kapitalspritze aller Eigner von 3,6 Milliarden Euro steuern die Sparkassen aus Niedersachsen rund 325 Millionen Euro zu. Nach einer bisher äußerst konstruktiven Kooperation mit der Aufsicht erwartet Mang, "dass die EU-Kommission das Verfahren ebenfalls positiv begleiten wird".

Der scheidende EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger hatte sich jüngst positiv zum Umbau der NordLB geäußert und eine Entscheidung der Brüsseler Behörde zur Neuausrichtung der Bank möglichst bis Ende Oktober in Aussicht gestellt. Derzeit nimmt die EU-Kommission das künftige Geschäftsmodell der NordLB unter die Lupe. Mang signalisierte, dass die Brüsseler Behörde in einigen Teilen noch eine "Präzisierung" fordere.

Die NordLB soll kleiner und regionaler werden - ohne aber beim Geschäft der Sparkassen zu wildern. "Die Landesbank darf nicht zu einer Großsparkasse mutieren", sagte Mang. Die Zahl der Vollzeitstellen soll bis 2024 von rund 5250 auf 2800 bis 3000 fallen. "Das löst Schmerzen aus, muss aber getan werden", sagte der erste stellvertretende Aufsichtsratschef der NordLB. Personaleinsparungen seien nötig, um die Kosten der Bank "drastisch" zu senken. "Wichtig für uns ist, dass die NordLB gut überleben kann und uns keine Sorgen mehr macht."

Neben der NordLB spüren die Sparkassen vor allem den Niedrigzins. Im Gesamtjahr 2019 dürfte das Betriebsergebnis vor Bewertung auf 700 bis 750 Millionen Euro sinken nach rund 860 Millionen Euro im Vorjahr. Mang kritisierte die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die nun in der Konjunkturabkühlung kaum noch Pulver zu verschießen habe. "Wenn man mit viel Tempo in eine Sackgasse fährt und da ist kein Wendekreis, dann hat man ein Problem."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Berkshire Hathaway-Aktie: Was sich unter Greg Abel im Portfolio ändern könnte
01.05.2026

Berkshire Hathaway steht vor einer Jahreshauptversammlung, die Anlegern erstmals klare Hinweise auf den Kurs unter Greg Abel geben dürfte....

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Energyfische im Rhein: Wie Schwarmkraftwerke von Energyminer Strom in Flüssen produzieren
01.05.2026

Unsichtbar unter der Wasseroberfläche könnten Energyfische eine neue Ära der Stromerzeugung einläuten. Das Konzept der...

DWN
Politik
Politik Historikerin Anne Applebaum warnt vor Trump: Europa muss eigenständiger werden
01.05.2026

Die Historikerin und Autorin Anne Applebaum warnt vor neuen Manipulationsversuchen Donald Trumps bei den kommenden US-Wahlen und vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Effizienz in der Fertigung: Wie Unternehmen Produktionskosten senken
01.05.2026

Produktionskosten entscheiden in der Industrie zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit und Margen. Doch wie können Unternehmen mithilfe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die Infrastruktur-Falle: Wenn der Standort Deutschland zum Geschäftsrisiko wird
01.05.2026

Deutschlands industrielle Basis verliert ihre Verlässlichkeit. Was jahrzehntelang als staatliche Standortgarantie galt – stabile Energie...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 18: Die wichtigsten Analysen der Woche
01.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 18 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Immobilien
Immobilien 95 Jahre Empire State Building: Eine Ikone feiert Jubiläum
01.05.2026

Seit Jahrzehnten prägt das Empire State Building die Skyline von New York. Millionen Besucher strömen jedes Jahr dorthin. Zum 95....

DWN
Politik
Politik Tankrabatt startet am 1. Mai: Das sparen Autofahrer wirklich
01.05.2026

Am 1. Mai sinken die Steuern auf Benzin und Diesel. Dann gilt der Tankrabatt, mit dem die Bundesregierung die Steuern auf Kraftstoffe...