Chinesischer Staatsfonds kauft deutsche Immobilien

 

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26.10.2016 00:00
Chinas Staatsfonds ist in den deutschen Immobilienmarkt eingestiegen. Es geht um ein Portfolio mit tausenden Wohnungen.
Chinesischer Staatsfonds kauft deutsche Immobilien
(Grafik: MERICS)
Foto: sirius

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Der chinesische Staatsfonds CIC steigt Finanzkreisen zufolge in den deutschen Wohnungsmarkt ein. Ein fast 1,2 Milliarden Euro schweres Portfolio aus 16.000 Wohnungen geht an einen von der US-Investmentbank Morgan Stanley aufgelegten Fonds, wie der bisherige Eigentümer BGP Holdings mitteilte. Mit Abstand größter Investor in den geschlossenen Fonds sei CIC, sagten zwei mit der Transaktion vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Der Fonds stach damit unter anderem große börsennotierte Wohnungsgesellschaften wie Vonovia und Deutsche Wohnen aus, die sich ebenfalls für den Bestand interessiert hatten. CIC war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Ein Verkauf des BGP-Portfolios an die österreichische Conwert Immobilien war vor gut einem Jahr gescheitert. BGP hatte die Investmentbank Lazard mit dem Verkauf beauftragt, aber auch einen Börsengang für die Wohnungen geprüft. Sie liegen in Berlin, Kiel, Rendsburg und Köln. Große Wohnungsbestände, die zum Verkauf stehen, sind in Deutschland inzwischen Mangelware.

Mit dem Verkauf hat BGP seinen riskanten Ausflug in den europäischen Immobilienmarkt endgültig beendet. Seit 2005 hatte das Unternehmen, das ursprünglich den australischen Investoren Babcok & Brown und GPT gehörte, in zwölf Ländern Immobilien für 4,5 Milliarden Euro gekauft, in 250 Zweckgesellschaften verpackt und überwiegend mit Schulden finanziert.

Nach dem Zusammenbruch von Babcock & Brown und GPT 2009 wurden die Anteile an mehrere Groß- und 58.000 Privat-Investoren verteilt, die seither um ihren Einsatz bangen. Sie bekommen mit dem Verkauf nun rund 600 Millionen Euro zurück. „Die Transaktion ist das Ende einer langen und zeitweise schwierigen Reise, um das BGP-Portfolio wieder werthaltig zu machen“, sagte BGP-Chef Rod McGeoch.

Seit einigen Jahren setzen chinesische Investoren verstärkt auf ausländische Immobilien. Zwischen 2009 und 2014 sind die chinesischen Investitionen im ausländischen Immobiliensektor von 0,6 Milliarden auf 15 Milliarden Dollar gestiegen, wie ein neuer Bericht von Knight Frank zeigt. „Der ausschlaggebende Punkt für chinesische Investoren sind neben politischen Gründen, der zurückgehende Markt in China selbst und der Abruf höherer Gewinne in Märkten aus Übersee“, sagte Neil Brookes von Knight Frank. Der Trend in ausländische Immobilienmärkte zu investieren, wird sich dem Bericht zufolge fortsetzen. Mittlerweile erwägen allein 40 Prozent der chinesischen Versicherungen, ein derartiges Investment zu tätigen.

„Eine neue Ära chinesischen Kapitals ist angebrochen: Im Zuge der wirtschaftlichen Liberalisierung und eines fundamentalen Wandels des Wachstumsmodells wird China in der nächsten Dekade von einem „Niemand“ zu einer treibenden Kraft globaler Investitionsströme“, heißt es in einer Studie des Mercator Instituts für China Studien (MERICS) aus dem vergangenen Jahr. „Plausible Prognosen sagen voraus, dass Chinas globale Vermögenswerte sich bis 2020 von derzeit 6,4 Billionen USD auf fast 20 Billionen USD verdreifachen.“

Bis Mitte der 2000er Jahre lag das jährliche Investitionsvolumen chinesischer Unternehmen in den Mitgliedstaaten der EU noch nahe null. Seitdem stieg es rasant an, zuletzt auf 14 Milliarden Euro 2014.

„Deutschlands Kapazitäten im Bereich der modernen industriellen Fertigung waren die wichtigsten Ziele für chinesische Investoren in diesem Zeitraum“, so die Autoren der Studie. „Der Automobil-Bereich sowie die Industrie- und Anlagentechnik machen mehr als 65 Prozent der chinesischen Investitionen seit 2000 in Deutschland aus.

Die neuerlichen Übernahmen von Kuka und Osram in diesem Jahr zeigen das weiterhin ungebrochene Interesse chinesischer Investoren. Die deutsche Regierung geht davon aus, dass dieses Interesse weiter anhalten wird und bereitet Gegenmaßnahmen vor. Machnigs Dokument will weitreichende Verbotsrechte der nationalen Regierungen und der EU bei Unternehmenskäufen, die Investoren aus dem Nicht-EU-Ausland betreffen. Sollte der Käufer mehr als 25 Prozent der Stimmrechte (Grenze der Sperrminorität) erreichen, soll den Regierungen das Recht eingeräumt werden, den Kauf von Unternehmensanleihen zu verbieten, zitiert die Welt aus dem Dokument. Das gilt, wenn hinter dem Kauf ein Staat involviert ist, wenn es sich also um eine staatliche Subventionierung des Käufers, eine Übernahme durch ein (teil-) staatliches Unternehmen, eine Direktinvestitionen aus Ländern oder eine industriepolitisch beeinflusste Investition handele.

In diesem Zusammenhang ist auch das neuerliche Eingreifen der Bundesregierung bezüglich der Übernahme von Aixtron zu sehen. Das Bundeswirtschaftsministerium widerrief am Montag die am 8. September erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung und will die Übernahmepläne nochmals unter die Lupe nehmen. Kurz zuvor hatte China in der Stahl-Krise Zweifel an der Verlässlichkeit der EU als Handelspartner äußert.

„Die meisten Investitionsdeals in Deutschland waren keine „mega merger“, sondern kleine und mittelgroße Übernahmen“, so die Studie. In Deutschland seien dabei häufiger chinesische Staatsbetriebe beteiligt gewesen als in anderen europäischen Ländern.

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