Politik

Zara überflutet Markt mit Billigpreisen

Lesezeit: 2 min
16.11.2016 14:12
Zuletzt schrumpften im Wettbewerb mit Zara und Co die Umsätze des Familienimperiums &. Doch jetzt will dort den Trend umkehren.
Zara überflutet Markt mit Billigpreisen

Ketten wie Zara, Primark und H&M und überfluten den Markt mit modischen Kollektionen zu Billigpreisen. Der Online-Handel wächst und wächst. Und selbst Lebensmitteldiscounter wie Aldi oder Lidl gehen mit Designerkollektionen und Kaschmir-Pullovern auf Kundenfang.

Das ist auch an C&A, einem der bekanntesten Namen im deutschen Textilhandel, nicht spurlos vorübergegangen, so die dpa. «Nach einer langen Zeit des Wachstums sind unsere Umsätze in den vergangenen Jahren zurückgegangen», berichtete C&A-Europa-Chef Philippe Brenninkmeijer dem Branchenfachblatt «Textilwirtschaft». Ein ungewöhnliches Eingeständnis für das eigentlich äußerst verschwiegene Familienunternehmen.

Doch wollte der Unternehmer wohl ein Zeichen setzen. «Bisher konnten wir mit den Rückgängen umgehen, aber auf Dauer ist so etwas nicht nachhaltig», sagte Brenninkmeijer. «Deshalb sind wir entschlossen, den Trend umzukehren.»

Die Probleme bei dem Traditionsunternehmen sind zum Teil die Folge der radikalen Veränderungen im deutschen Textilhandel. Galt C&A früher ganz selbstverständlich als erste Adresse für den preiswerten Einkauf von Bekleidung für die ganze Familie, so tummeln sich im Billigsegment inzwischen immer mehr Wettbewerber - aus Sicht vieler Jugendlicher mit deutlich mehr modischem Anspruch, etwa Primark oder H&M. Und auch Mode-Outlets machen Jagd auf preisbewusste Kunden. Der Markt ist einfach härter geworden.

Teils sind die Probleme aber auch hausgemacht. Wie viele andere Händler habe C&A «die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der sich der Modehandel in Richtung Online-Umsätze verändert», räumt Brenninkmeijer ein. «Kein Zweifel, darauf hätten wir eher reagieren müssen.»

Um aus dem Abwärtstrend herauszukommen, will C&A in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro investieren. Im Online-Handel plant das Unternehmen, seine Umsätze innerhalb von vier Jahren zu verdreifachen. Und auch die Filialen sollen attraktiver werden. Bis Ende 2017 werde bereits ein Drittel der Geschäfte modernisiert sein, bis 2021 rund 80 Prozent, heißt es. Außerdem will C&A wieder verstärkt in Werbung investieren. Ziel sei es, «bis 2021 ein robustes Wachstum zu erzielen».

Doch ob das Ganze so funktioniert wie erhofft, ist eine andere Frage. Der Marketingexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU sieht jedenfalls große Hürden vor dem Familienunternehmen. «C&A hat kein klares Image. Die Kunden wissen nicht, wofür C&A steht», bemängelt er. Die Konkurrenz sei dem Unternehmen enteilt. Primark oder H&M seien als Marken stärker und böten modischere Kollektionen. Online gelte für Zalando das Gleiche.

Für den Marketing-Experten steht fest: C&A muss als Marke begehrenswerter werden und sein Sortiment aufmöbeln, um wieder Tritt zu fassen. Doch das ist kein einfaches Unterfangen. «Eine Marke zu erneuern, ist ein langwieriger Prozess. Das dauert mindestens fünf Jahre. C&A hat wirklich eine große Herausforderung vor sich», meint der Fachmann.

Dennoch spricht einiges für ein Comeback des Traditionsunternehmens, ist der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein überzeugt. Schließlich sei die Kapitalkraft der Familie Brenninkmeijer, die noch immer zu den reichsten Clans Europas zähle, ungebrochen. Und das Unternehmen sei bekannt dafür, einmal getroffene Entscheidungen konsequent umzusetzen. Heinemann betont: «C&A hat sich schon mehrfach neu erfunden und selbst aus dem Sumpf gezogen.»

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Ratgeber
Ratgeber Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdogan verbietet Zahlungen mit Kryptowährungen, Bitcoin-Kurs fällt um drei Prozent

Die Türkei hat Zahlungen mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen verboten.

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonom: Goldgedeckte Kryptowährungen könnten Fiat-Währungen ersetzen

Das internationale Währungssystem wird sich verändern. Das Fiat-Geldsystem befindet sich auf dem Rückzug. Stattdessen könnten nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues Währungssystem: IWF spricht von „Revolution“ beim digitalem Zentralbankgeld

Der IWF predigt eine regelrechte „Revolution“ bei digitalen Zentralbankwährungen. Als positives Beispiel wird die Einführung einer...

DWN
Technologie
Technologie Ein nationaler Stromausfall rückt immer näher: Deutschland schaufelt sich mit seiner radikalen Energie-Politik sein eigenes Grab

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine brisante Analyse der fehlenden Energiesicherheit unseres Landes.

DWN
Finanzen
Finanzen Darum sollten Sie Ihren Nachlass rechtzeitig regeln

Niemand denkt gerne an den eigenen Tod. Und doch ereilt er uns irgendwann alle. Vor allem, wenn man selbst Kinder hat, sollte man früh...

DWN
Politik
Politik Bis zu 15 Jahre Haft drohen: Gericht startet Prozess gegen Salvini wegen Boots-Flüchtlingen

Ein Gericht auf Sizilien hat die Eröffnung eines Prozesses gegen den Chef der Lega-Partei, Matteo Salvini, wegen seiner...

DWN
Politik
Politik Keine Masken, keine Polizei, keine Lockdowns: Wie DWN-Autor Christian Kreiß die Pandemie in Costa Rica erlebte

Um den Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland zu entfliehen, verbrachte Christian Kreiß drei Monate in Costa Rica. Der DWN-Autor liefert...

DWN
Politik
Politik Deutschland steuert mit voller Wucht auf Rot-Rot-Grün zu

Die Grünen und ihre politischen Ziele passen in das Konzept des Weltwirtschaftsforums. Das gilt auch für die SPD und die aktuelle Gestalt...