Unternehmen

Neue Unternehmensform EU Inc: EU will Firmen-Registrierung in 48 Stunden möglich machen

Firmengründer sollen neue Unternehmen in der EU künftig innerhalb von 48 Stunden online anmelden können. Das kündigt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an. Die neue Unternehmensform "EU Inc" soll in allen EU-Staaten einheitlich sein. Ein Gamechanger gerade für die Startups in Europa?
21.01.2026 08:23
Lesezeit: 2 min

EU Inc: Brüssel will Firmen-Registrierung in 48 Stunden

"Wir brauchen ein einziges und einfaches Regelwerk, das nahtlos überall in unserer Union gilt. Damit Unternehmen viel einfacher in allen Mitgliedstaaten tätig sein können", sagte von der Leyen. Der konkrete Vorschlag der Kommission für die neue Unternehmensform "EU Inc" soll im März vorgestellt werden.

Parlament will Vorschlag beeinflussen

Das Europäische Parlament ist grundsätzlich für ein solches Vorgehen. Es verabschiedete mit großer Mehrheit eine Reihe von Empfehlungen. Eine von ihnen sieht vor, eine neue Rechtsform für nicht börsennotierte Gesellschaften mit beschränkter Haftung zu schaffen. Die sogenannte Einheitliche Europäische Gesellschaft (S.EU) solle künftig komplett digital innerhalb von 48 Stunden registriert werden können, mit einem Mindeststammkapital von einem Euro.

Für börsennotierte Unternehmen besteht mit der Europäischen Gesellschaft (Societas Europaea, SE) bereits eine Rechtsform, die alternativ zu nationalen Regelungen genutzt werden kann.

"EU Inc" soll Start-ups von Bürokratie befreien

Europas Start-up-Branche hat bisher ein Problem: Die Unternehmensgründung ist kompliziert, die Kapitalbeschaffung schwierig, internationale Investoren zu gewinnen, mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. Größter Knackpunkt: Die unterschiedlichen Rechtsvorschriften in den Mitgliedsstaaten. Verena Pausder, Chefin des deutschen Start-up-Verbandes, bringt es auf den Punkt: „Gründer müssen sich in 27 verschiedene Rechtssysteme einarbeiten, wenn sie in Europa skalieren wollen.“

Doch damit soll Schluss sein. Gründer, Verbände und Investoren hatten die Initiative EU Inc. gestartet – mit mehr als 13.000 Unterstützern aus ganz Europa, die eine entsprechende Petition unterzeichnet haben, wie das Handelsblatt im Oktober 2025 berichtete. Darunter etwa auch die Gründer der international agierenden Start-ups Revolut und Bolt. Ziel ist es, dass überall in der EU innerhalb von kürzester Zeit ein Unternehmen gegründet und angemeldet werden kann – vollständig digital, ohne Notartermin, ohne Mindestkapital und EU-weit einheitlich. Ihre Vorschläge wurden jetzt von der EU-Kommission geprüft.

Unterstützer hoffen auf „echten Durchbruch“

Mit ihrer Initiative erhöhte die Gründerszene den Druck auf die EU, die beim Thema Start-ups im Wettbewerb immer weiter hinter die USA und China zurückfällt. Der ehemalige Zentralbankchef Mario Draghi zog eine bittere Bilanz: Die europäischen Regierungen hätten „den Ernst der Lage nicht begriffen“, sagte der Ökonom.

Die Grundidee der neuen gesetzlichen Regelungen ist eine Vereinfachung: Unternehmen sollen von Behördengängen entlastet werden, da das Einmalprinzip für die Registrierung und digitale Verfahren dem derzeitigen Kampf mit nationalen Formularen in verschiedenen Sprachen, Papiernachweisen und Vor-Ort-Terminen ein Ende bereiten sollen.

EU Inc. wiederum soll Klarheit und Rechtssicherheit in allen Mitgliedstaaten für in der EU registrierte Unternehmen schaffen.

Erste EU Inc. Firma bereits 2028?

Die EU-Kommission will ihre konkreten Pläne zur EU Inc. im März vorstellen. Im besten Fall könne dann 2028 bereits die erste Firma in der neuen Gesellschaftsform gestartet werden, hofft einer der EU-Inc-Hauptinitiatoren, der frühere Gründer und heutige Investor Andreas Klinger.

Allerdings gab es auch Widerstand aus einigen Mitgliedsländern, die keine Kompetenz abgeben wollen oder besorgt sind, dass sich Unternehmen nationalem Recht entziehen. Ob die Europäische Kommission daher mit einem konkreten Gesetzesvorschlag kommt, der die Bedenken entkräften kann und gleichzeitig den Zielen gerecht wird, bleibt abzuwarten.

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