Wirtschaft

EU-Spitze weist Trump auf dem WEF in Davos zurecht: „Ein Abkommen ist ein Abkommen“

Die Zoll-Drohungen der USA nach der Grönland-Krise seien ein Fehler – und die Antwort der EU werde „unerschütterlich, geschlossen und verhältnismäßig“ ausfallen, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Rede in Davos.
Autor
avtor
21.01.2026 06:41
Lesezeit: 2 min

Von der Leyen warnt Trump: EU droht mit harter Antwort auf Zölle

In ihrer Ansprache betonte von der Leyen mit Nachdruck, dass Europa eine neue, starke strategische Eigenständigkeit aufbauen müsse. Sie sagte, Europa teile das Engagement der USA, die Sicherheit in der arktischen Region zu erhöhen, und verwies darauf, dass Finnland kürzlich Eisbrecher in die USA exportiert habe.

„Das zeigt, dass wir über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen, wenn es um Eisbrechertechnologie geht. Es zeigt, dass unsere nördlichen NATO-Mitglieder bereits jetzt über Kapazitäten verfügen, die für Einsätze in der Arktis bereitstehen – und vor allem, dass Sicherheit in der Arktis nur durch Zusammenarbeit erreicht werden kann“, sagte sie und fügte hinzu: „Deshalb sind die vorgeschlagenen zusätzlichen Zölle ein Fehler – insbesondere zwischen langjährigen Verbündeten.“

EU zieht rote Linie bei Grönland – und droht Washington mit Gegenmaßnahmen

Die EU-Spitze betonte, dass die Souveränität und territoriale Integrität Grönlands nicht verhandelbar seien – und dass EU und USA erst im Juli vergangenen Jahres ein Handelsabkommen vereinbart hätten. „In der Politik, wie auch in der Wirtschaft, gilt: Ein Abkommen ist ein Abkommen – und wenn Freunde sich die Hand geben, muss das etwas bedeuten“, sagte sie. „Unsere Reaktion wird daher unerschütterlich, geschlossen und verhältnismäßig sein.“

Über den Konflikt um Zölle hinaus werde die EU strategisch daran arbeiten, die Sicherheit in der Arktis zu stärken und die Investitionen in Grönland zu erhöhen, so die Kommissionspräsidentin. Sie sagte außerdem, die EU werde voraussichtlich in Kürze ein Freihandelsabkommen mit Indien unterzeichnen, das einen Markt von zwei Milliarden Menschen umfassen werde. „Direkt nach dem kommenden Wochenende reise ich nach Indien. Es gibt noch Arbeit zu erledigen – aber wir stehen an der Schwelle zu einem historischen Handelsabkommen“, sagte sie.

Mercosur-Abkommen steht: EU setzt auf Freihandel und neue Lieferketten

Sie hob zudem hervor, dass die EU inzwischen ein Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten in Südamerika unterzeichnet habe – was ihrer Ansicht nach ein starkes Signal an die Welt sende. „Wir entscheiden uns für fairen Handel statt Zölle, für Partnerschaften statt Isolation, für Nachhaltigkeit statt Ausbeutung – und wir zeigen, dass wir es ernst meinen mit der Risikoreduzierung in unseren Volkswirtschaften und der Diversifizierung unserer Lieferketten“, sagte sie.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Malin Rising

Malin Rising ist seit 20 Jahren Journalistin. Erfahrung sammelte sie als Reporterin, Korrespondentin, Redakteurin und Podcast-Produzentin für internationale Zeitungen. Sie war beispielsweise für The Wall Street Journal tätig und arbeitet nun als Europa-Reporterin bei der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...

DWN
Politik
Politik Olena Zelenska über den Krieg: Was die Ukraine heute zusammenhält
05.05.2026

Olena Zelenska steht im Ukraine-Krieg für eine Form von Widerstand, die weit über Politik hinausreicht und psychische Gesundheit,...