Finanzen

Spekulanten greifen europäische Staatsanleihen an

Lesezeit: 1 min
25.11.2016 00:18
In Erwartung baldiger Interventionen der Europäischen Zentralbank haben Anleger europäische Anleihen gekauft. Die Renditen amerikanischer Papiere sinken derweil weiter.
Spekulanten greifen europäische Staatsanleihen an

Mehr zum Thema:  
Italien > EZB >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Italien  
EZB  

In der Hoffnung auf weitere Stützungskäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich Anleger am Donnerstag mit europäischen Anleihen eingedeckt, berichtet Reuters. Zehn Tage vor dem Verfassungsreferendum in Italien profitierten die Papiere dieses Landes ganz besonders von beschwichtigenden Worten der Währungshüter. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio betonte, die Zentralbank stehe bereit, um eventuelle Kursturbulenzen abzumildern. Die Italiener stimmen am 4. Dezember über Verfassungsänderungen ab. Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an den Ausgang der Wahl geknüpft.

Die Spekulationen um ein Eingreifen der EZB im Notfall drückte die Rendite der zehnjährigen italienischen Bonds auf bis zu 2,043 von 2,137 Prozent. Die vergleichbaren Titel aus Spanien und Portugal rentierten mit 1,506 und 3,572 Prozent ebenfalls niedriger als am Mittwoch. Sinkende Renditen zeigen an, dass sich die Einschätzung der Rückzahlungsfähigkeit des Schuldners am Markt verbessert.

Anlagestratege Peter Chatwell von der Mizhuo Bank wertete die Aussagen Constancios als Hinweis, dass die EZB bei ihrer Sitzung im Dezember die Verlängerung ihres Anleihe-Ankaufprogramms bekanntgeben wird. Bislang pumpt die Notenbank zur Ankurbelung der heimischen Konjunktur bis „mindestens März 2017“ monatlich 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. „Wenn die EZB wachsende Spannungen in der Euro-Zone sieht, beeinflusst dies die Inflation und die Wachstumserwartungen“, sagte Chatwell. „Dies signalisiert im Gegenzug, dass die Bank weitere Stimuli bereithalten muss.“

Die Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone sanken am Donnerstag in der Folge auf breiter Front, wie aus einer Aufstellung von pigbonds.info hervorgeht. Die Renditen zweijähriger deutscher Anleihen fielen um mehr als 5 Prozent – diejenigen fünfjähriger und zehnjähriger Papiere um jeweils über 13 Prozent.

Die Renditen von US-Staatsanleihen hingegen setzten ihren Aufwärtstrend fort. Viele Marktteilnehmer erwarten, dass es unter dem Präsidenten Donald Trump zu einem merklichen Anstieg der Inflation kommen könnte, wodurch die Zinserträge und die Rückzahlung der Anleihen in entwerteter Währung erfolgen würde – höhere Renditen stellen eine Absicherung dagegen dar.

Besonders die Ankündigung Trumps, massiv durch öffentliche Ausgaben in die Infrastruktur der USA zu investieren, erklärt die gestiegenen Inflationserwartungen. „Dies wird der Teuerung einen zusätzlichen Schub verleihen, welche ohnehin seit einiger Zeit anzieht, und es wird sich mit der Zeit auch in einer gestiegenen Renditekurve bemerkbar machen. Natürlich gibt es verschiedene Wege, wie die neue Infrastruktur finanziert werden kann und wenn es ordentlich gemacht ist, kann man sogar von den derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen profitieren“, zitiert CNBC einen Analysten des Vermögensverwalters BlackRock.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Italien > EZB >

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Deutschland
Deutschland Bund und Länder verhängen massive neue Corona-Einschränkungen

Bund und Länder haben sich bei ihrem Corona-Krisengespräch am Mittwoch auf vorübergehende massive Beschränkungen des öffentlichen...

DWN
Deutschland
Deutschland Psychotherapeuten-Vereinigung: "Die Bundesregierung muss umfangreich und differenziert aufklären und die Menschen beteiligen"

Die ständig schlechten Nachrichten sind eine massive Bedrohung für die psychische Gesundheit. Der Bundesvorsitzende der Deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt

Ökonomen schließen wegen der stark steigenden Corona-Positivtests und wegen der drohenden Gegenmaßnahmen einen Rückfall der deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland So verrückt sind manche Corona-Regelungen in Deutschland

Karneval ohne Schunkeln, Fußball ohne Fangesänge, Sex nur mit einem Partner: Eine Auswahl von interessanten Corona-Regelungen in den 16...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des Börsenbooms? Was der drohende Lockdown für Anleger bedeutet

Freitag letzter Woche veröffentlichten wir einen Artikel von Andreas Kubin. Angesichts der Ereignisse, die in den vergangenen drei Tagen...

DWN
Deutschland
Deutschland Ärzte-Verbände fordern Strategiewechsel in Corona-Politik

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Dutzende weitere Mediziner-Fachverbände fordern von Bund und Ländern einen Strategiewechsel in...

DWN
Deutschland
Deutschland Labor liefert reihenweise falsch positive Corona-Ergebnisse

Täglich werden in den deutschen Laboratorien abertausende Corona-Tests ausgewertet. Mitunter wird den Patienten ein falsch positives...

DWN
Politik
Politik Will die italienische Regierung das Militär gegen Anti-Corona-Demonstranten einsetzen?

In Italien droht offenbar ein Einsatz des Militärs im Inland, um die Anti-Corona-Proteste einzudämmen. Ein renommierter...

DWN
Deutschland
Deutschland Einzelhandel fürchtet Einbruch bei wichtigem Weihnachtsgeschäft

Wegen des drohenden zweiten Lockdowns droht den deutschen Einzelhändlern nach einem schlechten Jahr nun auch ein schlechtes...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Londoner Airport Heathrow verliert europäischen Spitzenplatz

Die Corona-Pandemie kostet den Londoner Flughafen seinen europäischen Spitzenplatz. Das Management kürzte für das kommende Jahr seine...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krisen-Profiteur Delivery Hero liefert jetzt mehr als nur Essen

Nachdem der Essenslieferdienst seinen Umsatz im dritten Quartal verdoppeln konnte, will er nun weitere Märkte erschließen. An der Börse...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin klettert auf höchsten Stand seit Anfang 2018

Die starken Kursgewinne des Bitcoin setzen sich fort. Erreicht die größte Kryptowährung noch vor Weihnachten ein neues Allzeithoch?

DWN
Marktbericht
Marktbericht Steigende Infektionszahlen drücken Dax unter psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten

Die deutschen Börsen werden weiter von der Pandemie belastet. Da konnten auch positive Nachrichten der Deutschen Bank nur wenig helfen,...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Exporteure fürchten verstärkte Corona-Maßnahmen

Die deutschen Exporteure blicken mit Sorge in die Zukunft, wie das Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Denn wichtige Handelspartner drohen...