Politik

Mord an Botschafter: Putin und Erdogan suchen die Hintermänner

Lesezeit: 1 min
22.12.2016 02:54
Russland und die Türkei haben mit der Ausforschung der Drahtzieher des Attentats auf den russischen Botschafter in Ankara begonnen. Die Türkei verdächtigt die Nato und die Gülen-Bewegung, die Russen tippen eher auf die al-Nusra-Front.
Mord an Botschafter: Putin und Erdogan suchen die Hintermänner

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

In Bezug auf die Drahtzieher des Attentats auf den russischen Botschafter in Ankara, Andrej Karlow, gibt es verschiedene Thesen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu ist der Ansicht, dass die Gülen-Bewegung hinter dem Attentat stecke, berichtet CNN Turk. „Sowohl die Türkei als auch Russland wissen das“, so der Außenminister. Ein hochrangiger türkischer Sicherheitsbeamter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass es „sehr starke Hinweise“ dafür gebe, dass der Attentäter Mevlüt Mert Altıntaş in Verbindung mit der Gülen-Bewegung stehe.

Der Erdogan-nahe türkische Journalist Abdülkadir Selvi hingegen sagte CNN Turk, dass der Attentäter in Verbindung mit der Al-Nusra-Front stehe. „Wir wissen, dass der Attentäter aus der Stadt Aydın/Sökeli stammt. Er hat während des Attentats ein Slogan der Al-Nusra-Front benutzt. Es gibt eine Verbindung zur Al-Nusra-Front. Diese Alternative wird in Betracht gezogen“, so Selvi.

Allerdings werden auch in Russland verschiedene Alternativen zur Urheberschaft der Tat genannt.

Der Sprecher des russischen Präsidenten,  Dmitri Peskow sagte am Mittwoch, dass es noch zu früh sei, um zu sagen, wer hinter dem Attentat stecke. Derzeit untersuchen russische Ermittler gemeinsam mit ihren türkischen Kollegen den Anschlag, berichtet die AFP.

Die staatlichen russischen Nachrichtenagenturen Russia Today und Sputnik bieten zwei Alternativen an. Nach Angaben von Sputnik soll die Söldner-Allianz Dschaisch al-Fatah, zu der auch die Al-Nusra-Front gehört, das Attentat in Auftrag gegeben haben. Die Allianz verfügt über US-Panzerabwehrwaffen und wird von der CIA unterstützt, berichtet die New York Times.

Sputnik beruft sich bei dieser These auf ein Online-Bekennerschreiben von Dschaisch al-Fatah. Das Bekennerschreiben wurde von unabhängiger Seite noch nicht verifiziert.

Die Geheimdienste eines NATO-Landes stecken „höchstwahrscheinlich“ hinter der Ermordung von Botschafter Andrej Karlow, zitiert Russia Today den russischen Senator Franz Klintsevich, Vizevorsitzender des Verteidigungs- und Sicherheitskomitees der russischen Oberkammer: „Es war eine geplante Aktion. Jeder wusste, dass er diese Fotoausstellung besuchen wollte. Es kann ISIS oder die kurdische Armee sein, die versucht, Erdogan Schaden zuzufügen. Aber vielleicht – und es ist sehr wahrscheinlich – stecken Vertreter ausländischer Nato-Geheimdienste dahinter. Was geschehen ist, ist eine Provokation, eine Herausforderung. Es ist eine Herausforderung für Russland.“

Die Nato war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Gissur Simonarson, Kurator bei Conflict News, der in Oslo lebt, meldet über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass das Bekennerschreiben ein Fake sei. Russische und türkische Medien hätten das Schreiben in Umlauf gebracht. Wer genau hinter der US-Webseite Conflict News, ist unklar. Sie versorgt die internationale Presse mit detaillierten Informationen direkt aus Konfliktgebieten. Ihre Mitarbeiter sollen alle ehrenamtlich tätig sein.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen EZB betritt gefährliches Neuland: Manipulation der Renditespannen

Die EZB eskaliert die Manipulation des Anleihemarktes. Mit verstärkten Wertpapierkäufen will sie die Renditen zwischen guten und...

DWN
Deutschland
Deutschland Regierung: Bürger können bald Corona-Tests für zuhause kaufen

Die Deutschen sollen bald Zugang zu Heimtests bekommen. Das Bundesgesundheitsministerium plant eine entsprechende Änderung der...

DWN
Finanzen
Finanzen Miese Corona-Laune der Manager bremst deutsches Leitbarometer aus

Der Dax kommt heute Morgen gar nicht in die Gänge. Der Grund: Der ifo-Geschäftsklima-Index hat sich wegen der Pandemie zu Jahresanfang...

DWN
Politik
Politik US-Flugzeugträger sorgt für neue Spannungen mit China

China hat die Entsendung des US-Flugzeugträgers «USS Theodore Roosevelt» in das umstrittene Südchinesische Meer kritisiert. Doch auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Konkurrenz zum Bargeld: EU-Pläne zu digitalem Euro werden konkret

Die EU-Kommission unterstützt die Pläne der Europäischen Zentralbank zur Einführung eines digitalen Euros. Wirtschaft und Finanzwesen...

DWN
Finanzen
Finanzen Ausgabe "grüner" Anleihen erreicht neues Rekordniveau

Grüne Anleihen sind gefragt wie nie. Nach der Rekordemission im letzten Jahr wird auch für 2021 ein neuer Rekord erwartet.

DWN
Politik
Politik Hanoi ganz in Rot: Kommunistischen Partei stellt Weichen bis 2025

In Vietnam beginnt das einwöchige Treffen der Kommunistischen Partei des Landes. Das aufstrebende Land kommt - ähnlich wie China - bisher...

DWN
Politik
Politik Die Corona-Krise führt zum Zusammenbruch der Nationalstaaten

Die Corona-Maßnahmen haben die Staatsschulden der Nationen und die Schulden der Unternehmen in astronomische Höhen schnellen lassen. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Amtsgericht Weimar: „Corona-Kontaktverbot verfassungswidrig, Lockdown katastrophale politische Fehlentscheidung“

Das Amtsgericht Weimar hat in einem bahnbrechenden Urteil entschieden, dass die Corona-Kontaktverbote in Thüringen verfassungswidrig sind....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Verrückte Ideen, knallhartes Kalkül: Wie ein Mann unsere Lebensweise verändert - und dabei zum Super-Milliardär aufsteigt

DWN-Kolumnist Ernst Wolff zeichnet den Weg eines Mannes nach, der es ganz nach oben gebracht hat. Dank ungezügelter Fantasie, brachialer...

DWN
Politik
Politik DWN-SPEZIAL: Gewaltsame Anti-Corona-Unruhen in zehn Städten der Niederlande

In Niederlanden sind am Sonntag gewaltsame Proteste gegen den Corona-Lockdown ausgebrochen. Es wurden zahlreiche Personen festgenommen.

DWN
Politik
Politik Bundesregierung gefährdet mit Corona-Einreise-Verordnung Obst und Gemüse-Versorgung

Der Deutsche Fruchthandelsverband sieht die Versorgung mit Obst und Gemüse aus dem Ausland gefährdet. Grund sei die Verschärfung der...

DWN
Politik
Politik Ramelow über Corona-Konferenz: „Die einen spielen Sudoku, die anderen spielen auf ihren Handys Schach oder Scrabble, und ich spiele Candy Crush“

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow teilt mit, dass er sich bei den oft stundenlangen Ministerpräsidentenkonferenzen mit...

DWN
Politik
Politik Zwischen Grandeur und Bedeutungslosigkeit: Frankreichs Hoffnung liegt in Afrika

In der neunten Folge der großen geopolitischen DWN-Serie wird analysiert, wie Frankreich seine Machtposition in Europa, im Mittelmeer-Raum...