Politik

Russland und die Türkei wollen ohne die USA Frieden in Syrien

Russland und die Türkei haben eine Waffenstillstand für Syrien vereinbart, den sie auch ohne die USA durchsetzen wollen.
28.12.2016 17:55
Lesezeit: 2 min

Russland und die Türkei haben sich nach Angaben der Regierung in Ankara auf einen gemeinsamen Plan für einen Waffenstillstand in Syrien geeinigt. Die Texte für eine entsprechende Syrien-Resolution seien fertig, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch in Ankara. Die russische Regierung gab keine Stellungnahme ab. Cavusoglu erklärte, die Türkei halte an einem Amtsverzicht des syrischen Präsidenten Baschar al Assad fest. Auch Russland hat schon oft gesagt, dass der Verbleib Assads nicht das Ziel der russischen Intervention sei. Russland lehne allerdings den Sturz von gewählten Regierungen in fremden Staaten ab.

Cavusoglu erklärte, der Resolutions-Entwurf könnte jederzeit in Kraft gesetzt werden. Mit Blick auf Assad betonte er, für die syrische Opposition sei auch eine Übergangszeit mit ihm an der Spitze untragbar. Gespräche zwischen Vertretern der Söldner-Milizen und der türkischen Regierung sollten aber diese Woche fortgesetzt werden, berichtet Reuters. Reuters spricht von der "Opposition", ohne nähere Angaben zu machen, um wen es sich handeln soll.

Die Initiative ist auch eine Niederlage für die US-Regierung, die das Heft des Handelns in Syrien längst an die Geheimdienste abgegeben hat. Die CIA bestätigte erst vor wenigen Tagen, in Syrien militärisch mitzumischen. Russland und die Türkei haben auch keine anderen Westmächte einbezogen, weil diese nach russischer Auffassung Terror-Gruppen unterstützen, anstatt sich auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren.

Die Russen haben die US-Regierung allerdings wohl nicht ausgeschlossen, um einen Affront zu erzeugen: Vielmehr ist Moskau frustriert, weil es vor einigen Monaten nicht gelungen war, einen Waffenstillstand durchzuhalten. Ein irrtümlicher Angriff der US-Koalition gegen die syrische Armee hatte zu einer neuen Offensive des IS geführt. Seither haben es die Russen aufgegeben, gemeinsame Initiativen mit den USA zu lancieren.

Nach Reuters-Angaben eines anonymen Söldner-Vertreters besteht Russland darauf, die ländliche Umgebung von Damaskus aus der Waffenruhe auszunehmen. Nach der Niederlage der Söldner in der Großstadt Aleppo haben Truppen Assads in dieser Gegend eine Offensive gestartet. Ein anderer anonymer Rebellen-Vertreter erklärte Reuters, die Söldner hätten einer Feuerpause noch nicht zugestimmt. "Die Details einer Waffenruhe müssen erst noch den verschiedenen Fraktionen offiziell vorgestellt werden", sagte er.

Die Söldner werden von westlichen Geheimdiensten und den mit dem Westen verbündeten Golfstaaten unterstützt.

Nach russischen Angaben befürwortet der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura die Initiative von Russland, der Türkei und dem Iran. Außenminister Sergej Lawrow habe darüber telefonisch mit de Mistura beraten, teilte das Außenministerium in Moskau mit. In Berlin warnte das Auswärtige Amt indirekt vor Alleingängen. Bemühungen der drei Staaten für Friedengespräche könnten nicht darüber hinwegtäuschen, "dass natürlich die ganz zentrale Rolle weiterhin bei den Vereinten Nationen liegt", sagte ein Ministeriumssprecher. Grundsätzlich werde aber jeder Beitrag "zur Beendigung des syrischen Bürgerkrieges" begrüßt. Er verwies laut Reuters darauf, dass de Mistura am 8. Februar zu neuen Syrien-Gesprächen in Genf eingeladen habe.

In Nord-Syrien meldete die Türkei Erfolge beim Kampf um die Stadt Al-Bab. Demnach wurden 44 IS-Kämpfer getötet und 117 verwundet. Die Türkei unterstützt im Norden Syriens Rebellengruppen in ihrem Kampf gegen Assad. Zudem startete die Türkei auch eine Offensive, um den IS und vor allem die syrische Kurdenmiliz YPG von ihrer Grenze zu vertreiben.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...