Finanzen

Inflation zieht in Deutschland kräftig an

Lesezeit: 2 min
30.01.2017 22:32
Die Inflation ist in Deutschland im Januar überraschend deutlich gestiegen. Die Sparer geraten wegen der niedrigen Zinsen in die Falle.
Inflation zieht in Deutschland kräftig an

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Inflation in Deutschland ist so stark wie seit Juli 2013 nicht mehr. Im Januar legten die Verbraucherpreise auf das zurückliegende Jahr bezogen um 1,9 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Im Dezember lag die Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent.

Insbesondere der anziehende Ölpreis sorgte dafür, dass sich die Lebenshaltungskosten hierzulande erhöhten. Energie verteuerte sich im Januar zum Vorjahr um 5,8 Prozent. Auch Nahrungsmittel erwiesen sich als Kostentreiber: Die Verbraucher mussten dafür 3,2 Prozent mehr aufwenden als vor Jahresfrist. Die Wohnungsmieten stiegen um 1,6 Prozent.

Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent in den Staaten der Währungsgemeinschaft an. Dass der Wert nun in der größten Volkswirtschaft des Euroraums annähernd erreicht wurde, ist Wasser auf die Mühlen der Gegner einer lockeren Geldpolitik. Bundesbankchef Jens Weidmann hat mit Blick auf die anziehende Inflation bereits laut über eine Abkehr von der laxen geldpolitischen Linie der EZB nachgedacht. Die EZB will damit die Konjunktur beflügeln und die unerwünscht niedrige Inflationsrate nach oben treiben. Analysten rechnen mit einer Teuerung von 1,6 Prozent.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny rechnet vorerst jedoch noch nicht mit einem Eindämmen des Anleihe-Kaufprogramms der EZB. Die EZB werde das sicherlich noch nicht bei der Vorlage ihrer neuen Wirtschaftsprognosen im März diskutieren, sagte Nowotny. „Aber ich denke, dass wir bei der Prognose zur Jahresmitte, der Juni-Prognose, mit Sicherheit eine Diskussion zur weiteren Entwicklung haben“, sagte Nowotny. Eine Entscheidung über ein Herunterfahren der Käufe werde dann jedoch noch nicht gefällt. „Ich gehe nicht davon aus, dass im Sommer irgendwelche Beschlüsse gefasst werden, wie es weiter geht“, sagte der Notenbanker.

Nowotny zufolge gibt es einen klaren Ablauf, wie Geldpolitik neu ausgerichtet werden kann. Die Notenbank würde erst damit beginnen, ihre Anleihekäufe abzuschmelzen, sagte Österreichs Notenbankchef. „Und erst dann zu einem späteren Zeitpunkt würden Maßnahmen zur Zinspolitik sinnvollerweise zu setzen sein.“ So hätten es die USA bei ihrer Geldpolitik vorgemacht. „Das Modell würde auch auf europäischer Ebene fortzusetzen sein.“

Eine dauerhaft stärkere Inflation in Deutschland und der Eurozone würde die EZB zum Handeln veranlassen. Beobachter sind geteilter Ansicht darüber, ob die Zentralbank noch in diesem Jahr ihre expansive Geldpolitik einschränken wird. „Wir hatten eine Inflationsrate mit einer Zwei vor dem Komma erwartet. Das zeigt, wie träge Preise reagieren und dass noch ein Stück Weg vor uns liegt, bis die Preissteigerungsraten in der Breite ihre Normalniveaus wieder dauerhaft erreichen. Das gilt für den gesamten Euroraum noch mehr als für Deutschland alleine. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass die EZB derzeit an ihrer Geldpolitik festhält. Die konjunkturellen Zeichen stehen auf Grün. Das sollte früher oder später auf die Inflation durchschlagen und Deflationsängste dann endgültig zerstreuen“, meint Jörg Zeuner von der KFW Bankengruppe.

„Die Inflationsrate verfehlt nur knapp die Zwei-Prozent-Marke. Der im Jahresvergleich deutlich höhere Ölpreis schlägt nun voll zu Buche. Im Unterschied zur restlichen Eurozone ist aber auch die Teuerung unter Herausrechnung der Energiepreise in Deutschland auf einem höheren Niveau. Die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich also auch in der Teuerungsrate wider. Der Spagat für die EZB wird größer. Um aber ein weiteres Auseinanderdriften zwischen Deutschland und den übrigen Staaten des Währungsraumes zu verhindern, wird Mario Draghi zum Jahresende einen sanften Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik in Aussicht stellen.“, erwartet hingegen Thomas Gitzel von der VP Bank.

Am deutlichsten unter den gegenwärtigen Zuständen leiden die Sparer. Nicht nur werden ihre Ersparnisse durch die höheren Inflationsraten schneller entwertet als in den vergangenen Jahren. Mit jedem Monat, den die EZB zögert, eine Normalisierung der Geldpolitik mit höheren Leitzinsen und wieder steigenden Guthabenzinsen einzuleiten, gehen ihnen zudem Zinseinnahmen verloren.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögenserhalt trotz zweiter Welle und deren wirtschaftlichen Folgen

Unser Partner "Money Transfer System" informiert: Die zweite Welle im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist bereits eingetroffen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der IWF plant die Einführung eines neuen Geldsystems – mit einem globalen Herrscher

Der Internationale Währungsfonds bereitet die Einführung eines neuen Geldsystems vor - und niemand merkt es.

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen CO2-Abgabe: Die Gaspreise werden im kommenden Jahr deutlich steigen

Verbraucher in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr auf höhere Gaspreise einstellen. Grund sind der Start des CO2-Preises sowie...

DWN
Politik
Politik China und USA auf Konfrontationskurs: Was tut Deutschland im Falle eines Krieges?

Die Spannungen zwischen China und den USA nehmen unentwegt zu. Bei den militär-strategischen Überlegungen der beiden Supermächte spielt...

DWN
Finanzen
Finanzen Serie „So werde ich zum Anleger“: Das Depot

Einsteiger verzweifeln oft, wenn sie in Fonds, ETFs oder Aktien investieren wollen. Wir erklären Ihnen Schritt für Schritt, auf welche...

DWN
Politik
Politik Verzerrte Statistiken, verschleierte Tatsachen: Wie die deutschen Medien Schwedens Corona-Politik verunglimpfen

Die Berichterstattung vieler deutschen Medien über Schwedens Umgang mit der Corona-Pandemie ist unzureichend und fehlerhaft. Das findet...

DWN
Finanzen
Finanzen Aufstieg und Fall: Corona schafft an der Börse eine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Die aktuelle Krise schafft Gewinner und Verlierer, auch an der Börse. Welche Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen und wie man...

DWN
Politik
Politik Russland will eine geopolitische Katastrophe entlang seiner Grenzen verhindern

Die westlichen und südlichen Grenzen Russlands weisen wegen des Konflikts um Berg-Karabach und der Unruhen in Weißrussland Anzeichen...

DWN
Technologie
Technologie Smartphone-Chips aus Holz sollen Umweltbelastung senken

Unterhaltungselektronik führt jährlich zu Millionen von Tonnen an Elektromüll. Forscher aus den USA haben eine Methode gefunden, wie...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der grüne Eifer wird zum Bumerang: Wie die Begeisterung fürs Holz den Wald gefährdet

In seiner äußerst detaillierten und tiefschürfenden Analyse zeigt DWN-Kolumnist Ronald Barazon, warum deutscher und europäischer Wald...

DWN
Finanzen
Finanzen Spekulanten setzen auf Inflation und auf Joe Biden: Die eine Wette ist sicher - die andere hochriskant

Die großen Akteure im US-Anleihemarkt ändern zunehmend ihre Strategie: Sie wetten jetzt auf steigende Anleihe-Renditen. Die Märkte...

DWN
Finanzen
Finanzen Gazprom: Steuer-Querelen ärgern die Aktionäre

Die russischen Börsen sind auch für die deutschen Anleger von besonderem Interesse, weil hier mit Gazprom, Lukoil und Rosneft Unternehmen...

DWN
Politik
Politik China dominiert, die Agenda lautet "grün": So sieht die Welt im Jahr 2030 aus

Harvard-Professor Joseph S. Nye entwirft fünf Szenarien, wie das internationale Staatensystem in zehn Jahren beschaffen sein könnte.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dunkle Wolken am Konjunktur-Himmel: KfW-Studie deckt verheerende Folgen des Lockdowns auf

Eine aktuelle Studie der KfW zeichnet ein düsteres Bild der Lage, in der viele kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland stecken....

DWN
Politik
Politik Nach Mord in Dresden: „Abschiebepflichtige Gefährder und schwere Straftäter dürfen wir nicht nach Syrien abschieben“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius beschwichtigt in der nach dem islamistischen Mord von Dresden aufgekommenen Debatte um eine...