Finanzen

Yellen schickt versteckte Warnung an Trump, Dollar steigt

Lesezeit: 2 min
14.02.2017 16:46
Die Federal Reserve möchte noch nicht von ihren Plänen zur Zinserhöhung abrücken. Janet Yellen schickte mit einer entsprechenden Aussage den Dollar auf einen kurzen Höhenflug - vermutlich sehr zum Missfallen von Präsident Trump.
Yellen schickt versteckte Warnung an Trump, Dollar steigt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Fed-Chefin Janet Yellen sagte am Dienstag, dass es unklug wäre, zu lange mit einer Zinserhöhung zu warten. Zerohedge interpretiert die Aussage als Hinweis, dass Yellen bei der geplanten Zinserhöhung bleiben will. Die FT dagegen interpretiert Yellens Auftritt eher als Hinweis, dass Yellen "die Erwartungen auf einen Zinserhöhung gedämpft" habe.

Der Dollar reagierte dennoch stark - was für die ZH-Interpretation spricht und als kleine Warnung an Donald Trump verstanden werden kann.

Yellen sagte, die Fed werde die Lage weiter beobachten und eine Zinserhöhung vornehmen, wenn die neuen Daten zum Arbeitsmarktbedingungen eine günstige Entwicklung signalisieren und sich die Inflation weiter in Richtung von auf zwei Prozent entwickelt: "In den nächsten Sitzungen wird der Ausschuss prüfen, ob sich die Beschäftigung und die Inflation entsprechend diesen Erwartungen weiterentwickeln, wobei in diesem Fall eine weitere Anpassung des Zinssatzes angemessen wäre", sagte Yellen in einem vorbereiteten Statement für eine Anhörung im Senat.

Allerdings schickte Yellen - durchaus dialektisch - eine weitere Warnung in Richtung der neuen US-Regierung: Die künftige Finanzpolitik und andere Politikfelder seien unklar, woraus sich Risiken ergeben. Die Fed-Chefin betonte, dass die Zinsentscheidungen keinem vorgegebenen Pfad folgen, sondern von der Situation abhängig seien. Es sei jetzt noch zu früh um zu beurteilen, welche Veränderungen die US-Regierungen vornehmen werde.

Yellen zeigte sich skeptisch, ob die Pläne der neuen Regierung für Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben zu einer lockeren Fiskalpolitik und schnellerem Wachstum führen werden.

Der Dollar reagierte mit einem Sprung nach oben, die Wetten stiegen ebenfalls von 30 Prozent auf 36 Prozent, dass es im März zu einer Zinserhöhung kommt.

US-Präsident Donald Trump will einen weichen Dollar, um der US-Wirtschaft gegenüber dem Euro und dem Yuan einen Vorteil zu verschaffen. Er braucht, um sein Zoll-Konzept durchzusetzen, eine sehr lockere Geldpolitik und möglichst niedrige Zinsen.

Es wird allgemein erwartet, dass es früher oder später zu einer Konfrontation zwischen der Regierung der Fed kommen wird. Ein gewichtiges Wort wird hier jedoch der neuen Finanzminister Steven Mnuchin spielen.

Der US-Senat bestätigte den früheren Goldman-Bankenam Montagabend mit 53 zu 47 Stimmen. Bei der anschließenden Vereidigung nannte ihn Präsident Donald Trump einen "großen Vorkämpfer für die Bürger", der für Steuersenkungen, eine Finanzreform und die Sicherung von US-Steuergeldern stehen werde. Mnuchin steht in der Kritik, weil er einen Teil seines Vermögens mit Zwangsvollstreckungen nach dem Kollaps des US-Häusermarkts vor zehn Jahren gemacht hatte. International wird mit Sorge gesehen, dass die USA die nach der Finanzkrise global vereinbarte Bankenkontrolle lockern wollen.

Das Abstimmungsergebnis im US-Senat spiegelt die dortigen Mehrheitsverhältnisse wider: Nur ein Demokrat stimmte für Mnuchin, der wie Trump keine Regierungserfahrung hat. Er war bis 2002 Partner bei der Investmentbank Goldman Sachs und betätigte sich danach unter anderem als Filminvestor. Mit Partnern kaufte er außerdem 2009 ein Milliarden-Kreditpaket des in der Finanzkrise pleite gegangenen Immobilienfinanzierers IndyMac und brachte es in seine eigene OneWestBank ein. Mnuchins Institut wird vorgeworfen, säumige Immobilienbesitzer damals rücksichtslos aus ihren Häusern vertrieben zu haben.

Trump sagte, Mnuchin werde die Steueransprüche der USA in der Welt und die US-Arbeitsplätze gegen alle verteidigen, die die USA betrügen und bestehlen wollten. Mnuchinsagte, er werde sein Amt dafür einsetzen, mehr Jobs zu schaffen und die Terror-Finanzierung zu bekämpfen. Trump hat bereits verfügt, dass das sogenannte Dodd-Frank-Gesetz auf den Prüfstand kommt. Darin hatten die USA 2010 mit strengeren Kapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken, einer Stärkung der Aufsicht und dem weitgehenden Verbot von Spekulationen auf eigene Rechnung für Geschäftsbanken ihre Lehren aus der Finanzkrise gezogen.

In der Senatsanhörung ließ Mnuchin durchblicken, dass ihm vor allem die Einschränkungen beim spekulativen Eigenhandel von Geschäftsbanken zu weit gehen. Damit liegt er auf Trumps Linie, der kritisiert hatte, des Dodd-Frank-Gesetz gebe der Aufsicht so viel Macht, dass die US-Banken nicht mehr richtig funktionierten und ausreichend Geld an die US-Wirtschaft verleihen könnten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Es wird knallen: In der Euro-Zone erhebt sich ein großer Berg aus faulen Krediten

In der Euro-Zone werden zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen aufgrund der Corona-Krise untergehen. Das Problem ist nur, dass...

DWN
Politik
Politik Corona-Lockdown: Wie aus einer angeblichen „Fake News“ bittere Realität wurde

Am 14. März 2020 teilte das Bundesgesundheitsministerium mit: „! Achtung Fake News ! Es wird behauptet und rasch verbreitet, das...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaftsweise: Gefahr von Insolvenzen mit Dominoeffekten ist groß

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht die Pläne der Bundesregierung kritisch, die Insolvenzmeldepflichten für coronageplagte Betriebe...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nicht normal: Am Tag des „Sturms auf das Kapitol“ gab es Kursgewinne an den US-Börsen

Wenn von einem „Sturm auf das Parlament“, einem „Sturm auf das Kapitol“ oder einem „Putschversuch“ die Rede ist, krachen die...

DWN
Finanzen
Finanzen „Jeder vierte Selbstständige von Berufsunfähigkeit betroffen“

Selbstständige müssen noch mehr als Angestellte eine Berufsunfähigkeit fürchten, da sie in der Regel wenig Anspruch auf staatliche...

DWN
Politik
Politik Ursprung des Corona-Virus: China zeigt mit dem Finger auf „Fort Detrick“ in den USA

Das chinesische Außenministerium fordert, dass das US-Biolabor „Fort Detrick“ geöffnet wird, um den Ursprung des Corona-Virus...

DWN
Technologie
Technologie Durchbruch: Uni Bayreuth entwickelt neue Theorie zur Entstehung des Sonnensystems

Forscher der Uni Bayreuth haben gemeinsamen mit Forschern der University of Oxford, der LMU München, der ETH und der Universität Zürich...

DWN
Politik
Politik Ost-Ukraine: Kriegsparteien werfen sich gegenseitig Bruch der Waffenruhe vor

Im Osten der Ukraine kommt es zum Bruch des Waffenstillstands. Die Ukraine und pro-russische Kräfte werfen sich gegenseitig vor, den...

DWN
Politik
Politik Russischer Sicherheitsdienst FSB verhindert Anschlag auf Polizeibeamte

Der russische Bundessicherheitsdienst (FSB) hat einen Terroranschlag auf Polizeibeamte vereitelt und einen russischen Staatsbürger...

DWN
Politik
Politik Handlanger fremder Interessen: Die Wissenschaften auf Irrwegen

Nicht nur die Geisteswissenschaften, sondern längst auch die Naturwissenschaften bringen der Menschheit keine Fortschritte mehr, sondern...

DWN
Technologie
Technologie Wissenschaftler von Elite-Uni warnen vor Lockdown: Massive Folgeschäden wahrscheinlich - doch Studie wird ignoriert

Eine Gruppe von Professoren einer der weltbesten Universitäten kommt in einer am 5. Januar dieses Jahres veröffentlichten Studie zu dem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Großkonzerne profitieren von Corona-Krise, während der Mittelstand ausblutet

Während der Mittelstand in Deutschland vor dem Aus steht, haben Großkonzerne während der Corona-Krise sogar profitiert.

DWN
Deutschland
Deutschland Chaos am BER: Angestellte bekommen seit Wochen Stromschläge

Drei Monate nach der Eröffnung des Chaos-Flughafens wird von sonderbaren Defekten berichtet.

DWN
Politik
Politik Jetzt geht's wieder los: Syrien-Krieg nimmt an Fahrt auf

In Syrien kommt es erneut zu beunruhigenden Entwicklungen. Die Terror-Milizen IS und HTS sind wieder zurück. Die Lage in Idlib steht vor...