Finanzen

Investoren ziehen sich zurück: Technologie-Blase könnte platzen

Lesezeit: 2 min
20.03.2017 00:15
Amerikas Technologie-Branche droht eine ungemütliche Phase: Die Anzeichen mehren sich, dass die neue Dotcom-Blase Ende schon bald platzen könnte.
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Nach Jahren des Aufschwungs steht die amerikanische Technologie-Branche des Silicon Valley vor einer ungewissen Zukunft. Wie der britische Guardian berichtet, mehren sich derzeit die Alarmzeichen, die für ein Platzen einer Blase sprechen.

Dazu gehört beispielsweise, dass viele Start-ups der Branche Mitarbeiter entlassen, weil Investoren misstrauisch werden und immer weniger Geld zuschießen. „Wir erhalten viele Bewerbungen von Software-Unternehmen, deren Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert und die keine Investitionen mehr bekommen. Also schließen sie oder entlassen Mitarbeiter“, wird ein Headhunter aus dem Großraum San Francisco vom Guardian zitiert. Offenbar seien die Geldgeber nicht mehr so leicht zu überzeugen wie noch vor einigen Jahren, weswegen sie ihr Geld in weniger und dafür gründlicher ausgesuchte Unternehmen stecken. „Die Anzahl der Investitionen in den Markt ist um etwa ein Drittel zurückgegangen, aber der Umfang der Gelder ist ungefähr derselbe geblieben. Hedgefonds haben sich aus dem Sektor zurückgezogen“, sagte ein Start-up-Förderer. „Dies geschieht seit ein paar Jahren. Die Investoren verlangen bessere Konditionen.“

Als Symptom des Niedergangs kann die rückläufige Zahl der Börsengänge von Unternehmen aus dem amerikanischen Software- und Technologieschwerpunkt Silicon Valley gelten. Deren Zahl nimmt seit der Krise von 2008 beständig ab. Der durch Börsengänge generierte Gesamtbetrag an Marktkapitalisierung ging im vergangenen Jahr verglichen mit 2015 um 60 Prozent zurück.

Auch der Anstieg sogenannter „down rounds“ weist auf strukturelle Probleme der Branche hin. Von „down rounds“ wird gesprochen, wenn eine Firma Gelder durch die Ausgabe neuer Aktien einnimmt, deren Wert tiefer liegt als der Wert der zuletzt der Öffentlichkeit angebotenen Aktien. „Früher gab es etwa 95 Prozent ‚up rounds‘, jetzt liegt die Anzahl der ‚down rounds‘ bei etwa 20 Prozent“, wird ein Beobachter des Marktes zitiert.

Ein großes Problem stellt zudem die Undurchsichtigkeit des Marktes dar. Zahlreiche hochbewertete Firmen können gar nicht im Hinblick auf fundamentale Geschäftszahlen untersucht werden, weil sie nicht an der Börse gehandelt werden. „Dann gibt es da noch die sogenannten ‚Decacorns‘ also Strat-ups, die mit zig Milliarden Dollar bewertet werden. Das sind etwa Airbnb, Uber oder Palantir, die von einigen Analysten als überbewertet eingestuft werden. Uber beispielsweise hat mehr als 16 Billionen Dollar an Fördergeldern eingenommen und wird insgesamt mit 69 Milliarden Dollar bewertet. Das ist mehr als Autofirmen wie General Motors und Ford. Doch Uber hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das Interessante wird sein zu sehen, wie lange Uber noch eine private Unternehmung bleiben kann. Sie nehmen Gelder wie eine Aktiengesellschaft ein, ohne aber jene Verpflichtungen und Offenlegungen der Finanzen wie Aktiengesellschaften leisten zu müssen“, sagt ein Analyst.

Ein Beispiel für die unverhältnismäßigen Bewertungen in der Branche ist das Unternehmen Snap, welches vor einigen Tagen an die Börse gebracht wurde. Snap ist erst fünf Jahre alt, hat ein faktisch kein Geschäftsmodell und macht seit seinem Bestehen nur Verluste. Obwohl die Aktien kein Mitspracherecht für die Investoren beinhalten, schoss der Kurs in die Höhe. Nachdem Analysten auf die enormen Risiken hingewiesen hatten, begann der Aktienkurs zu sinken.

Inzwischen fühlen sich viele Beobachter an die Zeit Ende der 1990er Jahre zurückerinnert, welche mit dem Platzen der sogenannten Dotcom-Blase gipfelte. „Wir sehen überbewertete Firmen, gefördert auf Grundlage von Hoffnungen, Träumen und Aspirationen und ohne gute Geschäftsmodelle. Unternehmen, die Nutzer und Zuschauer anstatt Profite zählen. Es gibt eine große Menge an Ähnlichkeiten zur damaligen Zeit“, wird ein Analyst zitiert.

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