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Volkswagen will in den USA eine halbe Million Autos retten

Lesezeit: 3 min
12.04.2017 01:43
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Volkswagen muss in den USA hunderttausende Diesel-Fahrzeuge auf riesigen Flächen zwischenlagern, berichtet Bloomberg. Die Autos wurden betroffenen Kunden nach der Abgas-Affäre zurückgekauft und müssen repariert und hinsichtlich der aktuellen Emissionsstandards nachgerüstet werden. Ansonsten wird es nicht mehr möglich sein, die Autos als Gebrauchtwägen in den Handel zu bringen. Auch ein Export in Länder mit weniger restriktiven Emissionsgesetzen wie in den USA wird VW untersagt, schreibt Bloomberg.

Trotzdem will Volkswagen alles unternehmen, um die Fahrzeuge zu retten. Dies wäre auch die umweltschonendste Maßnahme, weil ein Fahrzeug am meisten Energie verbraucht, während es produziert wird. Die Autos also einfach zu verschrotten wäre umwelttechnisch die schlechteste Lösung.

Hunderttausende Fahrzeuge füllen nun riesige Flächen, bevor über ihr Schicksal entschieden wird. Dazu zählen ein verlassenes Stadium außerhalb von Detroit, in welchem früher die örtliche Football-Mannschaft gespielt hat. Auch auf einem aufgegebenen Luftwaffenstützpunkt in Kalifornien und im Hafen der Stadt Baltimore stauen sich Diesel-Wägen von VW.

Ein Sprecher des VW-Konzerns sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. „Wir sind insgesamt zufrieden mit den Fortschritten beim 2,0l-TDI-Vergleichsprogramm und der Anzahl der bis zum heutigen Tage abgeschlossenen Rückkäufe und Leasingrücknahmen. Das 2,0l-TDI-Vergleichsprogramm ist ein wichtiger Beitrag von Volkswagen im Sinne unserer Kunden und um das Vertrauen in der Öffentlichkeit in den USA wieder herzustellen. Das Vergleichsprogramm ist ohne Beispiel hinsichtlich Umfang und Geltungsbereich. Wir haben dafür eine signifikante Anzahl von Mitarbeitern zur Verfügung gestellt um sicherzustellen, dass der Ablauf so reibungslos wie möglich von statten geht. Sie sind außerdem Ausdruck des Engagements unserer unabhängigen Händler, die alles dafür tun, um die am Programm teilnehmenden Kunden zu unterstützen.“

Volkswagen hatte den US-amerikanischen Aufsichtsbehörden im Jahr 2016 zugesagt, rund 500.000 Diesel-Autos – in denen eine Software zur Täuschung bei Abgastests eingebaut wurde – von ihren Besitzern zurückzukaufen, falls diese nicht sofort nachgerüstet werden können. Bis dies geschieht, werden die Autos abgestellt. Das Unternehmen hat zur Behebung des Skandals in den USA rund 22,5 Milliarden Euro zurückgelegt. Darin inbegriffen sind etwa 10 Milliarden Euro, welche für die Rückkäufe verwendet werden. In den kommenden Monaten werden darüber hinaus wahrscheinlich rund 20.000 3-Liter-Dieselautos zurückgekauft.

Rund 15.000 Kunden würden täglich bei Volkswagenhändlern in den USA vorstellig werden, um ihre Autos zurückkaufen zu lassen, berichtet Bloomberg. Für die Kunden kann sich dies finanziell durchaus lohnen: Für einen VW Jetta aus dem Jahr 2009 erhalten sie rund 12.500 Dollar, während VW für einen Audi A3 TDI aus dem Jahr 2015 etwa 40.000 Dollar bezahlt muss. Bis zum 18. Februar hatten sich etwa 288.000 Besitzer von VW-Dieselfahrzeugen dafür entschieden, ihre Autos zurückzugeben. Davon wurden bereits 138.000 Fahrzeuge zurückgekauft, teilt Volkswagen mit. Etwa 52.000 Besitzer wollen ihren VW behalten, erwarten aber, dass er umgerüstet wird.

Dies gestaltet sich je nach Typ und Baujahr unterschiedlich schwierig. Die Umrüstung der neuesten Modelle ist einem Repräsentanten der Umweltorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) zufolge weniger schwierig. ICCT war jene Behörde, welche jene Studie zu Abgaswerten bei Autos in Auftrag gegeben hatte, welche den VW-Skandal auslöste. „Die 2015er Technologie wird am einfachsten umzurüsten sein, weil sie das aktuelle Design repräsentiert und das modernste Emissionskontrollsystem verwendet. Aber selbst hier muss VW das gesamte Abgasnachbehandlungssystem und den Partikelfilter ersetzen. Wenn sie das für die 2015er Modelle machen müssen, was müssen sie dann erst alles für die ‚erste Generation‘ machen?“, wird John German vom ICCT zitiert.

Der Sprecher sagte, man sei zuversichtlich, dass sich die Zahl der Verschrottungen in Grenzen halten wird: „Diese Fahrzeuge werden vorübergehend gelagert und routinemäßig gewartet, damit deren Funktionsfähigkeit und Qualität erhalten bleibt. Wir gehen davon aus, dass diese Fahrzeuge wieder in den Handel gebracht oder exportiert werden können, sobald wir von den Behörden eine Freigabe für die Emissionsmodifikationen erhalten. Fahrzeuge die aufgrund ihres Alters, Zustandes oder anderer Gründe nicht modifiziert werden, werden verantwortungsvoll recycelt. Dies geschieht in Übereinstimmung mit den Konditionen des Volkswagen Vergleichsprogramms mit den US-Umweltbehörden und den anderen Beteiligten. Volkswagen hat am 06. Januar 2017 die Freigabe von der EPA und CARB für eine zweistufig Emissionsmodifikation für 2.0 L TDI Fahrzeuge der Generation 3 erhalten. Wir haben uns auch eine behördliche Freigabe für den Start des Verkaufs der Fahrzeuge gesichert, die eine solche freigegebene Emissionsmodifikation erhalten haben.“

Es wird damit gerechnet, dass in den USA etwa 325.000 Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2014 in Betrieb sind, die noch das alte Emissionssystem benutzen. Möglich ist, dass die Kosten einer Umrüstung bei diesen Automobilen die Kosten einer Verschrottung übersteigen. German: „Alles ist möglich, aber wenn die Kosten  der Reparaturen die Kosten der Verschrottung übersteigen – besonders bei den älteren Autos, welche keinen hohen Marktwert mehr haben – wird VW diese vielleicht einfach entsorgen.“

Die US-Behörden haben Volkswagen eine Frist bis zum 30. Juni 2019 gesetzt, bis zu der mindestens 85 Prozent aller 2-Liter-Diesel zurückgekauft oder repariert werden müssen. Wird dies nicht eingehalten, muss VW dem amerikanischen Umweltministerium 85 Millionen Dollar für jeden Prozentpunkt bezahlen, der zu den 85 Prozent noch fehlt. Dazu kommen noch 13,5 Millionen Dollar für jeden fehlenden Prozentpunkt im Staat Kalifornien, die dem California Air Resources Board bezahlt werden müssen.

Die Vereinbarung wirkt sonderbar, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Präsident Donald Trump kürzlich erst eine Energiewende hin zu den umweltschädlichen fossilen Brennstoffen eingeleitet hatte.

 

 

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