Politik

Trump prüft Aufspaltung großer US-Banken

Lesezeit: 2 min
02.05.2017 02:05
US-Präsident Trump prüft die Aufspaltung großer US-Banken. (Dieser Artikel ist nur für Abonnenten zugänglich)
Trump prüft Aufspaltung großer US-Banken

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Angaben die Aufspaltung großer Banken prüfen. "Ich schaue mir das gerade an", sagte er am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es gebe Stimmen, die zu dem "alten System" zurückkehren wollten, als das Kreditgeschäft für Privatkunden und das Investmentbanking voneinander getrennt gewesen seien. Dies werde jetzt geprüft, ergänzte Trump. Ein Sprecher des US-Präsidialamtes sagte später, Trump habe sich mit Finanzminister Steven Mnuchin über die Frage ausgetauscht. Zum jetzigen Zeitpunkt würden noch keine Details vorgelegt. Trumps Äußerungen hatten die US-Börsen vorübergehend leicht ins Minus gedrückt.

Die US-Regierung prüft die Wiedereinführung des im Jahr 1999 abgeschafften Trennbankensystems schon seit längerem.

In den USA hat der Dodd-Frank-Akt vor allem zu einer enormen Konsolidierung bei den Banken geführt: Es wurden kaum noch neue Banken gegründet, wohl aber verschwanden viele und die großen Banken wurden immer größer.

Das Trennbankensystem in den USA ging auf den sogenannten Banking Act oder auch Glass-Steagall Act aus dem Jahr 1933 zurück. Dieser verfügte eine strikte Trennung zwischen dem Geschäft mit Kundeneinlagen und Krediten und dem Geschäft mit dem Handel von Wertpapieren. Alle in den USA zugelassenen Banken mussten sich demnach entscheiden, ob sie als Geschäftsbanken im Sinne der Kunden Einlagen verwalten, Kredite vergeben und Zahlungen abwickeln wollten oder ob sie als Investmentbanken in Unternehmen investieren und mit Finanzinstrumenten handeln wollten.

Die Einführung eines Trennbankensystems war eine Reaktion der US-Regierung auf die schwere Finanzkrise der Jahre 1929 bis 1933, deren hohe Verluste für die Allgemeinheit nicht zuletzt deshalb möglich wurden, weil Banken sowohl das klassische Kundengeschäft als auch die Spekulation betrieben hatten.

Der Glass-Steagall Act wurde mehrfach überarbeitet, bevor er 1999 unter dem Einfluss der Finanzindustrie von US-Präsident Bill Clinton abgeschafft wurde. Zahlreiche Beobachter sehen in dieser Entscheidung rückblickend den Hauptgrund für die Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009, die durch den Handel der Universalbanken mit faulen Hypotheken-Verbriefungen ausgelöst wurde.

Als Reaktion auf die Finanzkrise hatte die Obama-Administration den sogenannten Dodd-Frank Act erlassen, welcher eine größere Transparenz bei Bankgeschäften, ein Ende der Rettung der Bankeigner und Gläubiger mit Steuergeldern und eine stärkere Überwachung durch die Aufsichtsbehörden anstrebte, die Vernetzung von Kundengeschäft und Spekulation jedoch nicht aufhob.

Trump kritisierte die Bestimmungen des Dodd-Frank Gesetzes jedoch bereits mehrfach und strebt Änderungen oder sogar eine Abschaffung des Regelwerks an. Trump unterzeichnete einen Erlass, wonach das Gesetz überprüft werden soll. „Ich habe so viele Freunde, die schöne Geschäfte haben, die aber kein Geld leihen können, weil die Banken ihnen wegen der Dodd-Frank-Bestimmungen keines leihen“, sagte Trump bei einem Treffen mit Unternehmern. „Wir werden alle Aspekte von Dodd-Frank angreifen. Wir werden um Unterstützung im Kongress und im Senat werben. Wir können vieles allein machen, aber je mehr Unterstützung wir haben, desto besser“, sagte Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn.

Vor diesem Hintergrund hatte das Mises Institut schon vor einigen Wochen gefordert, lieber gleich das Trennbankensystem einzuführen, als komplizierte Änderungen am Dodd-Frank Act vorzunehmen. Dem Institut zufolge, dass der Österreichischen Schule anhängt, hätten die Bestimmungen von Dodd-Frank aufgrund der „Berge an Regularien und Bestimmungen“ zu einer starken Zentralisierung mit zahlreichen Fusionen im amerikanischen Bankensektor geführt.

„Eine Wiedereinführung von Glass-Steagall würde das Problem der Verflechtung zwischen Politik und Finanzbranche nicht lösen, aber es würde die Geschäftsbanken von den riskanten Investmentbanken trennen. Die vielleicht wichtigste Folge in Kombination mit einer Abschaffung von Dodd-Frank wäre ein Aufschwung bei Neugründungen kleiner, regionaler Kreditinstitute. Da Regionalinstitute zur Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen (die oft von der Wallstreet vernachlässigt werden) unabdingbar sind, würde dies die Wirtschaft außerhalb New Yorks, Washingtons und des Silicon Valleys anschieben“, schreibt das Institut in seiner Analyse.

Die Wiedereinführung des Trennbankensystems ist eines der Hauptziele von Trumps Chefstratege Steven Bannon. „Darüber hinaus denke ich, müssen wir wirklich dazu zurückkehren und dafür sorgen, dass Banken das tun, was sie tun: Geschäftsbanken leihen Geld, und Investmentbanken investieren in Unternehmen. Wir müssen weg von diesem Handel – Weg von dieser Hedge-Fonds-Verbriefung“, sagte Bannon vor einigen Jahren auf einer Konferenz im Vatikan, bei der es um die moralische Verantwortung für die Finanzkrise ging.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Weniger Administration, mehr Fokus: Mit digitaler bAV-Verwaltung den nächsten Schritt gehen

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Deutschland
Deutschland Sachsen-Anhalt: Kohleausstieg bis 2030 bedeutet Import von Atom- und Kohlestrom

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erschüttert die energiepolitischen Träumereien der Ampel-Koalition.

DWN
Deutschland
Deutschland Autozulieferer straucheln, während Autokonzerne Rekordgewinne machen

Weniger als ein Viertel der Autozulieferer ist finanziell solide aufgestellt. Sie kommen weitaus schlechter mit der aktuellen Krise zurecht...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Inflation springt auf 5,2 Prozent: Höchster Wert seit 1992

Die deutsche Inflationsrate hat erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom eine 5 vor dem Komma. Doch EZB-Direktorin Isabel Schnabel erwartet...

DWN
Finanzen
Finanzen Verzerrte Statistik: „Die Inflation könnte derzeit bei 8 bis 10 Prozent liegen“

Im November stieg die Inflationsrate auf ein 29-Jahres-Hoch von mehr als fünf Prozent. Kritische Ökonomen äußern indes Zweifel an den...

DWN
Deutschland
Deutschland Strengere Corona-Maßnahmen im Saarland, vor allem für Ungeimpfte

Im Saarland werden Ungeimpfte aus erheblichen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen, und auch im privaten Raum unterliegen sie...

DWN
Deutschland
Deutschland Kampf gegen das Klima beschert der Bauindustrie massiv Aufträge

Die Reduzierung des CO2-Ausstoßes macht erhebliche bauliche Investitionen notwendig. In der Folge sieht die Allianzversicherung...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Auto-Exporte im dritten Quartal stark eingebrochen

Die deutschen Autobauer haben im dritten Quartal 17,2 Prozent weniger exportiert als im Vorjahreszeitraum. Auch die Importe sind...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Toyota produzierte im Oktober rund ein Viertel weniger

Toyota hat im Oktober wegen des Chipmangels und anderer fehlender Komponenten deutlich weniger produziert. Dennoch konnte Toyota seine...