Finanzen

Banken nervös: US-Automarkt rutscht in eine Krise

Lesezeit: 3 min
30.05.2017 01:51
Der US-Automarkt rutscht wegen massivem Überangebot in die Rezession. Die Banken sind nervös.
Banken nervös: US-Automarkt rutscht in eine Krise

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Für US-amerikanische Autohersteller brechen schwere Zeiten an. Zahlreiche Indikatoren deuten inzwischen auf den Ausbruch einer Rezession in der Branche in den kommenden Jahren hin. Die Großbank Morgan Stanley hat dabei insbesondere den Markt für Gebrauchtwagen im Blick. Die anstehenden massiven Preissenkungen dort werden auch den Markt für Neuwagen nach unten ziehen. Damit werden die US-Autohersteller in eine ähnliche Lage geraten wie andere Unternehmen, und das auf vielen Märkten gleichzeitig.

Die Banken sind dementsprechend nervös: Die Financial Times meldet, dass US-Banken sich langsam aus den Autokrediten zurückziehen wollen. Sie fürchten eine Abwärtssprirale wie bei den Immobilienkrediten in der Subprime-Krise. Der Kreditmarkt in diesem Segment hat derzeit eine Größenordnung von 1,2 Billionen Dollar.

Einen wichtigen Grund für die Schwierigkeiten der gesamten Autobranche identifizieren die Analysten von Morgan Stanley im steigenden Angebot bei Gebrauchtwagen. In diesem Segment sind die Preise deswegen bereits deutlich gesunken – was zur Folge hat, dass immer mehr hochverschuldete Amerikaner zu Gebrauchtwagen greifen und Neuwagen links liegen lassen. Im Jahr 2002 lag das Angebot von Neuwagen in den USA bei knapp 3,5 Millionen Fahrzeugen. Nachdem es bis zum Jahr 2012 auf etwa 1,5 Millionen Stück abgesackt war, stieg es bis zum Jahr 2016 deutlich auf inzwischen über 3 Millionen an. Morgan Stanley erwartet, dass diese Zahl bis zum Jahr 2018 auf knapp 4 Millionen steigen wird.

Dazu kommt, dass die Bedingungen für Auto-Kredite praktisch noch nie so günstig waren, wie derzeit. Beispielsweise steigt die durchschnittliche Rückzahlungsspanne für Kredite seit Jahren an – von etwa 62 Monaten Ende 2009 bis auf aktuell 68 Monate bei Neuwagen. Auch bei Gebrauchtwagen zeigt sich das gleiche Muster mit einem Anstieg von 57 auf 63 Monate im selben Zeitraum. Immer mehr Autokredite werden zudem an einkommensschwache Kunden vergeben – ein Muster, das sich vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 auf dem US-amerikanischen Häusermarkt zeigte.

Die Bedingungen für Autokäufe auf Pump sind demnach im historischen Vergleich sehr günstigen und können kaum noch verbessert werden, um neue Kaufanreize zu schaffen. An diesem Punkt kommt die Zentralbank Federal Reserve ins Spiel, die ihre Geldpolitik in den vorausliegenden Jahren wieder normalisieren will. Steigen jedoch die Leitzinsen, dann verteuern sich auch die Rückzahlungskonditionen bei Autokrediten mit flexiblen Zinsraten.

Synchron zur Ausweitung des Angebots bei Gebrauchtwagen wurden in den vergangenen Jahren auch immer mehr Neuwagen auf den Markt gebracht, von denen ein erheblicher Teil als Lagerbestand auf Halde steht. Seit 2009 ist deren Umfang von unter 1,5 Millionen Stück auf derzeit rund 4 Millionen Autos gestiegen – was nichts anderes als den Aufbau eines Überangebots darstellt.

Letztendlich bietet Morgan Stanley drei unterschiedliche Szenarien an, was die Preise für Gebrauchtwagen und damit auch die Nachfrage nach Neuwagen in den USA betrifft. Das „optimistische“ Szenario geht von einer Stagnation der Preise bis zum Jahr 2021 aus. Beim leicht-negativen Szenario wird mit einem Preisrückgang um 20 Prozent gerechnet und beim negativen Szenario mit einem Preisverfall von 50 Prozent.

Erste ernstzunehmende Warnzeichen sind bereits zu erkennen. So kündigte Ford vor wenigen Tagen an, rund 10 Prozent seiner Belegschaft in Nordamerika und Asien zu entlassen. 1.400 von 15.000 Jobs in diesem Bereich seien davon betroffen, teilte der zweitgrößte US-Autobauer mit. Das Unternehmen wolle dies über Vorruhestandsangebote und andere finanzielle Anreize erreichen. Einige Bereiche wie die Produktentwicklung und die Finanzsparte seien nicht davon betroffen. Zwei Drittel des Stellenabbaus seien in Nordamerika, der Rest in Asien geplant. Insidern zufolge soll damit auch der Aktienkurs angeschoben werden, der seit dem Antritt von Konzernchef Mark Fields vor rund drei Jahren um fast 40 Prozent gesunken ist. Weltweit beschäftigte Ford zuletzt rund 200.000 Mitarbeiter. Die Einschnitte sind Teil eines bereits vorgelegten Plans, die Kosten um drei Milliarden Dollar zu drücken. In Europa soll es keine Kürzungen geben. Hier hatte der Konzern im vergangenen Jahr Hunderte Stellen gestrichen, um jährliche Kosten von 200 Millionen Dollar einzusparen.

Auch der größere Rivale General Motors ist auf einen Sparkurs eingeschwenkt. Er hat seit November mehr als 4.000 Stellen in den USA abgebaut, seine defizitäre Europa-Sparte um die deutsche Tochter Opel an Peugeot verkauft und unrentable Geschäfte in Asien geschlossen. Zudem werde der schleppende Pkw-Verkauf in Indien nach rund zwei Jahrzehnten Ende 2017 eingestellt, teilte GM mit. Davon seien rund 400 Arbeitsplätze betroffen. In dem Werk in Talegaon werde künftig nur noch für den Export produziert, an dem Entwicklungszentrum in Bangalore werde festgehalten. Zugleich stoppt der Konzern den Autobau in Südafrika und verkauft seine dortige Chevrolet-Fabrik an den japanischen Hersteller Isuzu. Zudem würden Stellen in der Zentrale für das internationale Geschäft in Singapur gestrichen, wo derzeit rund 200 Menschen arbeiten. Mit dem Umbau will GM jährlich rund 100 Millionen Dollar einsparen, in einem Bereich, der 2016 einen Verlust von rund 800 Millionen Dollar eingefahren hat.

Zunächst fallen aber Restrukturierungskosten von einer halben Milliarde Dollar an. Das Unternehmen kam in Indien zuletzt auf einen Pkw-Marktanteil von weniger als ein Prozent. In Indien und Südafrika verkaufte der Konzern 2016 zusammen lediglich 46.000 Autos. GM hatte sich zuletzt vermehrt aus unrentablen Märkten zurückgezogen, um sich auf florierende Geschäfte etwa in China und Nordamerika zu konzentrieren. Im Zuge dessen vereinbarte GM auch den Verkauf seiner Europa-Sparte um die deutsche Tochter Opel an Peugeot.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die neue Völkerwanderung: Amerikaner verlassen in Scharen die Großstädte, um aufs Land zu ziehen

In den USA findet seit einiger Zeit eine starke Binnenwanderung statt. Viele Bürger verlassen die Städte, um in ländlichere Regionen zu...

DWN
Politik
Politik Putin und Assad machen türkisch-kontrollierten Schwarzmarkt in Nordsyrien dem Erdboden gleich

Russland und Syrien haben am Freitag einen Markt und eine Raffinerie in Brand geschossen, an denen geraubtes syrisches Erdöl gehandelt und...

DWN
Deutschland
Deutschland Bürgermeister in Bayern trotz Impfung infiziert – er bekam AstraZeneca

In Bayern wurde ein Bürgermeister mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpft. Trotzdem infizierte er sich mit dem Corona-Virus.

DWN
Finanzen
Finanzen Die lange Zutatenliste für den Inflations-Cocktail 2021

Mehrere Faktoren stehen bereit, um die Geldentwertung im laufenden Jahr anzufachen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen EZB-Chefin Lagarde mit wichtigen Versprechen an den deutschen Mittelstand

Angesichts der Corona-Krise hat EZB-Chefin Christine Lagarde dem deutschen Mittelstand versprochen, dass die Währungshüter den...

DWN
Politik
Politik Spahn schlägt zurück: Er will Namen aller Beteiligten an Masken-Deals öffentlich nennen

In den vergangenen Tagen hatten sich Konzern-Chefs, Bundestagsabgeordnete, Medien und sogar Fraktionskollegen auf Spahn wegen seines...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin schwächelt: Ende des Bullenmarkts oder Chance zum Einstieg?

Seit seinem Rekordhoch am 21. Februar befindet sich Bitcoin in einer Phase der Schwäche. Doch Analysten erwarten weitere Rekorde, sobald...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Volkswagen: Kunden sollen zu gläsernen Digital-Konsumenten werden

Im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie will VW das Geschäft mit Kundendaten vorantreiben. Wer im Auto zudem mehr digitale...