Wirtschaft

Europas Automobilindustrie erholt sich: Nachfrage kehrt zurück

Die europäischen Neuzulassungen ziehen spürbar an und signalisieren eine langsame, aber stabile Erholung der Automobilindustrie. Doch reicht dieser Aufwärtstrend aus, um die Branche nachhaltig aus ihrer jahrelangen Schwächephase zu führen?
06.12.2025 08:41
Lesezeit: 3 min

Europas Automobilindustrie findet zurück in die Spur

Die Verkäufe neuer Pkw in Europa sind im Oktober im Jahresvergleich um 4,9 Prozent gestiegen. Es ist bereits der vierte Monat in Folge mit positivem Wachstum und deutet klar darauf hin, dass die Automobilindustrie in die lange erhoffte Erholungsphase eintritt. Auf dem europäischen Automarkt zeigt sich damit neues Leben.

Nach Angaben des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA wurden im Oktober 1,1 Millionen Neuwagen zugelassen, was einem Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders hervor sticht Deutschland, wo die Neuzulassungen um 7,8 Prozent zulegten. Insgesamt wächst der Absatz in Europa nun seit vier Monaten hintereinander, was als starkes Signal für eine Trendwende innerhalb der Automobilindustrie gilt.

Der Aufwärtstrend erfasst alle Fahrzeugsegmente. Betrachtet man die durchschnittliche Dynamik der vergangenen drei Monate, lagen die Daten per August bei einem jährlichen Nachfrageplus von 2,8 Prozent in der EU. In Deutschland, wo im Vergleich zum Mai 2024 erstmals wieder ein Zuwachs verzeichnet wurde, festigt sich diese Entwicklung mit einem Anstieg von 0,7 Prozent zusätzlich.

Große Autokonzerne profitieren vom Nachfrageanstieg in der Automobilindustrie

Trotz der aktuellen Belebung liegen die Verkaufsvolumina noch immer unter dem Vorkrisenniveau der Zeit vor der Pandemie. Einige Prognosen gehen sogar davon aus, dass eine Rückkehr auf das Niveau von 2019 eine ganze Dekade dauern könnte. Die jüngsten Entwicklungen sind dennoch als klar positives Vorzeichen zu werten.

Auch die Ergebnisse der großen europäischen Autokonzerne stimmen zuversichtlich. Die Neuzulassungen steigen bei den wichtigsten Gruppen spürbar: Volkswagen verzeichnet ein Plus von 6,5 Prozent im Jahresvergleich, Renault legt um 10,6 Prozent zu, Stellantis kommt auf 4,7 Prozent und BMW auf 6,4 Prozent. Eine Ausnahme bildet Mercedes-Benz, wo der Absatz im Oktober um 2,9 Prozent zurückging.

Kaufbereitschaft der Haushalte als wichtiger Treiber

Die Daten deuten darauf hin, dass der europäische Automarkt die schwierigste Phase hinter sich hat. Ein zentraler Treiber des Aufschwungs ist die wieder steigende Bereitschaft der Verbraucher, langlebige Konsumgüter zu erwerben, was auch der Automobilindustrie zugutekommt.

Umfragedaten von Eurostat zeigen, dass der Optimismus der Haushalte hinsichtlich größerer Ausgaben seit Jahresbeginn kontinuierlich zunimmt. Der entsprechende Indikator für die EU stieg um 0,9 Punkte von minus 14,7 auf minus 13,8. Zwar bleibt der Wert negativ, was bedeutet, dass weiterhin eine Mehrheit der Haushalte größere Anschaffungen eher aufschiebt. Entscheidend ist jedoch die Richtung der Veränderung.

Der Anstieg signalisiert eine relative Verbesserung der Stimmung. Es gibt weniger stark pessimistische Haushalte, während der Anteil jener zunimmt, die sich finanziell stabil genug fühlen, um größere Käufe konkret zu planen. Dies gilt als Vorbote eines sich regenerierenden Nachfrageumfelds, das sich zunehmend auch in der Automobilindustrie bemerkbar macht.

Polnischer Automarkt auf Rekordkurs

Die Belebung zeigt sich auch deutlich auf dem polnischen Markt. Zwar erlebte Polen nicht ein so tiefes Abbremsen wie viele Länder Westeuropas, doch der allgemeine Stillstand war auch hier zu spüren. In diesem Jahr legen die Zulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen jedoch um 7,1 Prozent zu, wobei die reinen Pkw Neuzulassungen um 7,6 Prozent steigen.

Der polnische Verband der Automobilindustrie hebt hervor, dass der Markt für Personenwagen in Polen „auf dem Weg ist, das beste Jahresergebnis der jüngeren Geschichte zu erreichen“. Damit bestätigt sich, dass sich die Erholung nicht nur auf die großen westlichen Märkte beschränkt, sondern in der Breite des Kontinents ankommt.

Elektroautos und Hybride setzen sich durch

Aus den ACEA Daten ergibt sich zudem ein klarer technologischer Trend. Rein batterieelektrische Fahrzeuge erreichen inzwischen einen Anteil von 16,4 Prozent an den Neuzulassungen, nach 13 Prozent im Vorjahr. Am stärksten verbreitet sind jedoch Hybridfahrzeuge, die inzwischen auf einen Marktanteil von 34,6 Prozent kommen.

Der wichtigste Faktor hinter dieser Verschiebung ist der Preis. Die Hersteller, auch die europäischen Marken, bringen zunehmend mehr Elektrofahrzeuge auf den Markt, die im Vergleich zu konventionell angetriebenen Modellen preislich attraktiver werden. Die Nachrichtenagentur Bloomberg betont, dass „Konsumenten mit einem immer breiteren Angebot günstigerer, rein elektrischer Modelle geködert werden“.

Harter Wettbewerb und technologische Fortschritte drücken die Kosten und stützen so den Absatz. Auf dem europäischen Automarkt ist diese Entwicklung immer deutlicher sichtbar und verstärkt den Strukturwandel der Branche, der die Automobilindustrie künftig noch stärker prägen wird.

Konsequenzen für Deutschland und seine Autohersteller

Für Deutschland als größten Automarkt und bedeutendsten Produktionsstandort in Europa hat diese Erholung weitreichende Bedeutung. Die wieder anziehende Nachfrage in der EU stützt die Auslastung der Werke deutscher Hersteller und ihrer Zulieferer und verschafft der stark exportorientierten Branche dringend benötigte Planungssicherheit.

Gleichzeitig erhöht der schnell wachsende Anteil von Elektrofahrzeugen und Hybriden den Druck auf deutsche Autokonzerne, ihre Modellpaletten konsequent zu elektrifizieren und die Kosten weiter zu senken. Wer im Wettbewerb mit günstigen Elektroautos aus dem Ausland bestehen will, muss Innovationen schneller in den Markt bringen und effizienter produzieren.

Die nun sichtbare Erholung des europäischen Automarkts eröffnet deutschen Unternehmen die Chance, diesen Wandel aus einer Position relativer Stärke zu gestalten, macht aber auch deutlich, dass Versäumnisse bei der Elektromobilität künftig kaum noch zu korrigieren sein werden.

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