Finanzen

Uber-Chef Kalanick tritt auf Druck der Investoren zurück

Lesezeit: 2 min
21.06.2017 09:57
Der Mitbegründer des Fahrdienstes Uber tritt von der Spitze des Unternehmens zurück, bleibt aber im Vorstand.
Uber-Chef Kalanick tritt auf Druck der Investoren zurück

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Im Skandal um sexuelle Belästigung und Diskriminierungen legt der wegen seines Führungsstils umstrittene Uber-Mitbegründer Travis Kalanick seinen Chefposten nieder. Der Schritt sei auf massiven Druck von Investoren des Fahrdienstvermittlers erfolgt, teilte ein Konzernsprecher am Mittwoch mit. Einem Bericht der "New York Post" zufolge soll Sheryl Sandberg, bisher bei Facebook für das Tagesgeschäft (COO) verantwortlich, neue Uber-Chefin werden.

"Ich liebe Uber mehr als alles andere", erklärte der 40-jährige Kalanick in einer Mail an die Mitarbeiter. "In dieser schwierigen Phase meines persönlichen Lebens habe ich der Bitte der Investoren entsprochen, Platz zu machen, damit Uber sich wieder auf das Aufbauen konzentrieren kann, statt durch einen weiteren Kampf abgelenkt zu werden." Dieser Aufbau soll dem Bericht der "New York Post" zufolge nun von der Facebook-Managerin Sandberg angeführt werden. Sandberg sei erste Wahl für den Posten zitierte das Blatt eine mit der Situation vertraute Person: "Das bedeutet aber nicht, dass sie sie bekommen."

Kalanick, der seinen Posten im Aufsichtsrat behält, hat das 2009 in San Francisco gegründete Unternehmen durch seinen streitbaren Führungsstil geformt. Der Mitfahrdienst, der inzwischen mit 68 Milliarden Dollar das wertvollste Startup-Unternehmen der Welt ist, hat weltweit die Taxibranche aufgeschreckt und insbesondere in Industrieländern zahlreiche Klagen auf sich gezogen. Doch dieses aggressive Geschäftsgebaren hat zuletzt zu einer Reihe von Skandalen geführt - von einer Firmenkultur, die von Diskriminierung und sexueller Belästigung geprägt ist, über Ermittlungen des US-Justizministeriums wegen Verstößen gegen Regulierungsvorschriften bis hin zu einer Klage der Google-Mutter Alphabet, welche die Pläne mit selbstfahrenden Autos gefährden könnte. Uber "ist die Definition einer toxischen Führungskultur", und Kalanick "hat den Ton vorgegeben", sagte Jason Hanold von der Personalberatung Hanold Associates.

Uber selbst hatte eine Untersuchungskommission unter Vorsitz des früheren US-Justizministers Eric Holder eingesetzt, um die Firmenkultur unter die Lupe zu nehmen. Eine frühere Mitarbeiterin hatte im Februar öffentlich erklärt, sie sei von ihrem Vorgesetzten sexuell belästigt worden und mit ihren Beschwerden in der Personalabteilung auf taube Ohren gestoßen. Die Kommission empfahl, die Befugnisse Kalanicks einzuschränken. Kalanick nahm daraufhin vergangene Woche eine Auszeit, die er auch mit dem Tod seiner Mutter Ende Mai begründete, und in der er an seinen Führungsqualitäten arbeiten wolle. "Uber konnte aber nicht glaubhaft machen, dass es sich wirklich ändern will, solange er in den Startlöchern stand und jederzeit zurückkommen konnte", sagte Erik Gordon, Firmenexperte bei der Universität von Michigan.

Letztlich waren es einem Insider zufolge einige der wichtigsten Geldgeber, die auf eine Wende bei Uber drängten und Kalanick in einem Brief zum Rücktritt aufgefordert hatten. Der Brief wurde einem Bericht der "New York Times" zufolge in Chicago an Kalanick übergeben. Der Uber-Aufsichtsrat nannte den Rücktritt Kalanicks gegenüber Reuters "eine starke Entscheidung", die dem "Unternehmen Raum gibt, um ein neues Kapitel in seiner Geschichte aufzuschlagen".

Der Abgang des Managers hinterlässt ein weiteres Loch in der Führung des Fahrdienstvermittlers. Erst vor einer Woche musste Direktor David Bonderman nach abfälligen Äußerungen über Frauen seinen Hut mit sofortiger Wirkung nehmen. Zudem wurden 20 Mitarbeiter wegen Fehlverhaltens entlassen. Uber hat mehr als 12.000 Mitarbeiter und kooperiert mit über 1,5 Millionen Fahrern.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Interview mit Angela Merkel: "Man kann auch etwas von mir lernen"

DWN-Autor Arno Luik hat im März sein Buch "Als die Mauer fiel, war ich in der Sauna. Gespräche über den Wahnsinn unserer Zeit"...

DWN
Deutschland
Deutschland Rheinmetall: Wandel durch Krieg

"Wandel durch Handel": Bis vor kurzem galt dieses Motto noch.

DWN
Deutschland
Deutschland Ernst Wolff: "Friedrichs Traum von der Freiheit"

Ernst Wolff hat ein neues Buch veröffentlicht, das wir an dieser Stelle besprechen.

DWN
Finanzen
Finanzen Bärenmarkt voraus: Was Anleger derzeit von professionellen Tradern lernen können

Investoren und Trader betrachten Märkte aus geradezu gegensätzlichen Perspektiven, die beide Erfolg haben können. Doch in einem...

DWN
Technologie
Technologie Steht die Atomkraft vor einer Renaissance? Teil 2

Lesen Sie den zweiten Teil der Atomkraft-Analyse von Nicolas Dvorak: Die Bundesregierung könnte den Ausstieg aus der Atomkraft...

DWN
Politik
Politik Widerstand wächst: Befreit sich Südamerika von der Knute der USA?

Lesen Sie die große Analyse von DWN-Autor Rüdiger Tessmann: Wie Südamerika zwei Jahrhunderte lang unter US-amerikanischer Herrschaft...

DWN
Politik
Politik Macron will die EU abschaffen

Kaum jemand bekam mit, welche Pläne der französische Präsident diese Woche verkündete.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Trotz Sanktionen: Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft steigen um 50 Prozent

Russlands Öl-Einnahmen sind dieses Jahr um rund 50 Prozent gestiegen, sagt die Internationale Energieagentur. Die Sanktionen gegen das...