Finanzen

Cyber-Sicherheit: Wie Unternehmen von Sicherheitslücken profitieren

Lesezeit: 3 min
12.08.2017 23:30
Die Gefahr eines Angriffs durch Hacker steigt seit Jahren. Unternehmen, die Sicherheitslösungen anbieten, machen gute Geschäfte.
Cyber-Sicherheit: Wie Unternehmen von Sicherheitslücken profitieren

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Immer mehr Nachrichtenmeldungen befassen sich mit Verbrechen in der virtuellen Welt. Denn eines ist dabei offensichtlich: Ein einzelner und geschickter Hacker kann für einen Schaden in Milliardenhöhe sorgen. Diese Entwicklung hat die Bildung eines Marktes für Sicherheitslösungen angestoßen.

Ursache für Fälle der Cyber-Kriminalität sind meist die veralteten Sicherheitssysteme der Unternehmen. Für viele Entscheider in den Führungspositionen ist dieses Thema jedoch mehr als Neuland. Privathaushalte sind in der Masse natürlich noch anfälliger. Deshalb verbreiten sich Viren auch derart rasant. Schließlich ist fast die gesamte Welt bereits vernetzt. Facebook alleine hat seit diesem Sommer monatlich zwei Milliarden Nutzer – Whatsapp und Snapchat etwa 1,3 Milliarden.

Nur wer online ist, kann leicht attackiert werden. Das machen sich Cyber-Kriminelle zu Nutze. Es gibt kaum einen Computeranwender, der dadurch noch nie ein Problem hatte oder zumindest eine Viruswarnung auf seinem Bildschirm gesehen hat. Doch es muss nicht immer nur Milka, die Deutsche Post oder Metro sein, die gehackt werden. Hier entsteht schließlich „nur“ wirtschaftlicher Schaden. Entscheidend wird es, wenn wie 2009 sogenannte Malware (schädliche Software) in Waffen- und Rüstungslager eingreift.

Damals hatte ein Code des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA Schaden angerichtet. Die Stuxnet-Malware sorgte dafür, dass sich im Iran einige Hundert Zentrifugen mit radioaktiven Materialien so lange beschleunigten, bis sie sich selbst zerstörten. Damals wurde ein neues Zeitalter der Kriegsgeräte eingeläutet. Besonderer Knackpunkt: Es ist unmöglich, derartige Waffen abzurüsten oder permanent zu entsorgen.

Doch nicht nur diese Industrie wächst. Vielmehr boomt die Cyber-Sicherheit, also die Sicherheit und der Schutz vor derartigen Angriffen. Vor dem Internet waren die Unternehmen offline und brauchten in erster Linie Sicherheitskräfte, die direkt am Standort Gefahren abwehren. Diese Vorstellung wirkt nahezu lächerlich im Vergleich dazu, was heutzutage mit einem Laptop von einem Coffee-Shop aus angerichtet werden kann.

Firmen, die dies verstanden haben, investieren in die Datensicherheit. Das freut wiederum Startups, die die Gunst der Stunde zu nutzen wussten und sich auf die Verteidigung solcher Angriffe spezialisiert haben. Mit dabei ist die Sophos Group PLC aus Oxford in Großbritannien. 1985 gegründet kann das Unternehmen auf über 30.000 Partner in 150 Ländern bauen. Laut ihrem aktuellen Bericht für Investoren schätzen sie ihren gesamten Markt auf ein Volumen von 39 Milliarden US-Dollar. Doch damit nicht genug. Laut ihrer Prognose wird diese „zukunftssichere“ Branche in den nächsten Jahren weiterhin um rund sechs Prozent jährlich wachsen. Andere Quellen reden von Gesamtausgaben im Bereich in Höhe 1 Billion US-Dollar in den nächsten fünf Jahren.

Schätzungen gehen davon aus, dass Firmen jährlich rund 100 Milliarden US-Dollar investieren müssen, um keinen größeren finanziellen Schaden zu erleiden. Das Geschäftsmodell dieser Sicherheitsfirmen beruht auf Kundenbindung. Kommt es zu einem Deal und wird das Unternehmen vor Schaden bewahrt, wird der Vertrag verlängert. Vermutlich kann dem Kunden auch eine Preiserhöhung verkauft werden, schließlich steigen die Gefahren auch von Jahr zu Jahr. So lukrativ kann das Geschäft mit digitaler Sicherheitstechnologie sein.

Das Magazin Forbes hatte 2016 berichtet, dass 2017 das Jahr des Cyberkriegs sein wird. Rüstungsfirmen reiben sich die Hände. Der US-Rüstungsriese Raytheon spielt hier natürlich auch ganz oben mit. Unter dem Firmennamen „Forcepoint“ sorgen sie dafür, dass unter anderem die Regierungscomputer der USA gesichert sind.

Ganz unterschiedlich sind die Bereiche, in denen die einzelnen Firmen vor Attacken schützen. So hat sich exemplarisch Mimecast darauf spezialisiert, Cyberangriffe beim E-Mail-Verkehr abzuwehren. Mit Erfolg – wie der Aktienkurs beweist. Der Aktienkurs des Konzerns aus Großbritannien zeigt einen Bilderbuchverlauf. Investoren sind deshalb auch noch gewillt, die vergleichsweise teuren Preise für die Aktien von Mimecast zu zahlen.

Wie stark dieser Trend auf Seiten der Anleger befeuert wird, zeigt ein kurzer Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie. Die Berechnung ist dabei Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie. Wenn der KGV also bei zehn liegt, müsste der Konzern zehn Jahre lang den momentanen Gewinn erwirtschaften, um den Aktienkurs an sich zu rechtfertigen.

Um das alles in Relation zu setzen – DAX-Unternehmen wie BMW oder Münchner Rück haben derzeit einen KGV von 11, Daimler sogar von nur 9. Am anderen Ende liegt Beiersdorf mit knapp 29. Je höher der Wert, desto eher ist die Firma überbewertet. Dazu noch zwei Zahlen aus den USA: 2016 hatte Apple ein KGV von 13,5 – Facebook „nur noch“ 32,3. Ein Jahr nach dem Börsenstart von Facebook lag der KGV übrigens bei satten 88,1.

Kommen wir zurück zu Mimecast. 2015 wird hier das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 87 angegeben. Ein Jahr später waren es 223. Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Für 2017 wird ein enormer Wert von 496 erwartet! Hier erkennen Investoren ein extrem starkes Indiz dafür, dass es sich um einen Hype handelt. Irgendwann wir der Aktienkurs von Mimecast auch auf den Boden der Tatsachen zurückankommen. Doch bis dahin haben nicht nur hier die Anleger ihre wahre Freunde am Cyber Warfare.

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