Finanzen

Polen fordert von Russland drastische Preissenkung bei Erdgas

Lesezeit: 2 min
07.08.2017 17:08
Polen will sich von russischem Gas unabhängig machen und fordert von den Russen drastische Preisnachlässe. Beobachter sind skeptisch, ob der Plan gelingen kann.
Polen fordert von Russland drastische Preissenkung bei Erdgas

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Die polnische Regierung möchte sich langfristig von Erdgas-Importen aus Russland unabhängig machen. Weil das Unterfangen nicht so einfach zu erreichen sein wird und Jahre in Anspruch nehmen könnte, fordert die Regierung in Warschau für Gaslieferungen über die wichtige Jamal-Pipeline einen deutlichen Rabatt vom russischen Anbieter Gazprom. Nur dann würde der Nutzungsvertrag für die polnische Sektion der Jamal-Pipeline über das Jahr 2020 hinaus verlängert, berichtet die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS.

Der Vertrag zur Nutzung der Jamal-Pipeline – über die Erdgas von Nord-Russland nach Polen und Deutschland transportiert wird – könnte nach Aussagen des polnischen Außenministers Witold Waszczikowski nach dem 01. Januar 2020 verlängert werden, wenn „Russland einen signifikant tieferen Preis als heute“ in Aussicht stelle, berichtet die TASS.

Waszczikowski betonte, dass es Ziel der Regierung in Warschau sei, ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. „In fünf Jahren werden wir zumindest unabhängiger von russischem Gas und eventuell sogar unabhängig sein. Wir können ein Drittel unseres Bedarfs aus eigenen Quellen bereitstellen und ein weiteres Drittel können wir durch Lieferungen von Flüssiggas (LNG) stillen. Den Rest können wir durch eine Pipeline aus Norwegen beziehen“, zitiert Tass Waszczikowski.

Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank, hält die Pläne für ambitioniert. Zur Frage, ob sich Polen komplett von russischem Erdgas abkoppeln könne, sagte er den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Das ist nicht einfach. Zum einen ist die Abhängigkeit derzeit extrem hoch. Zum anderen gibt es keine ausreichende Infrastruktur für eine Alternativversorgung. Auch ist die Preisgestaltung nicht geklärt. Außerdem existieren ja weiterhin langfristige ‚take-or-pay‘ Lieferverträge mit Russland, aus denen man nicht so einfach aussteigen kann. Aber als langfristige Alternative ist das US-LNG für Polen und Europa interessant.“

Es sei zudem schwierig abzuschätzen, ob die Russen die Preise senken wollen und könnten, da es bereits Verträge gebe, welche die Preise regeln. „Man wird diese nicht unnötig verändern, nur weil man einen Kunden an sich binden wird. Dann wird wohl der Kunde immer wieder Rabatte fordern. Auch andere Kunden werden das wohl verlangen. Gazprom ist dennoch gut beraten, seine Preisgestaltung genauso wie Holland oder Norwegen weiter zu überdenken und mehr marktorientiert und transparent (sprich Börsenpreise) zu gestalten. Deshalb argumentiert der Gaskonzern schon lange nicht mehr über die Preise, sondern über die Flexibilität und Zuverlässigkeit seiner Lieferungen.“

Weinberg zufolge wird sich der Markt für Flüssiggas in den kommenden Jahren in Europa allerdings beträchtlich erweitern, was potentiellen Kunden mehr Verhandlungsmacht und Diversifikationsmöglichkeiten gebe. Wenn es in wenigen Jahren wegen hoher LNG-Verfügbarkeit einen globalen Gasmarkt geben wird, dürfte es ihm zufolge völlig egal sein, ob Gas aus Russland, Norwegen und den USA kommt – genauso wie auf dem Ölmarkt die Raffinerien Rohöl aus vielen verschiedenen Quellen beziehen und immer die besten Lieferanten aussuchen können.

Hinter den Bestrebungen der polnischen Regierung steht nicht nur der Wunsch, sich vom geopolitischen Rivalen Russland unabhängiger zu machen, sondern auch, zu einem wichtigen Drehkreuz für Energietransfers in Europa aufzusteigen. Dies ist auch ein Grund für den Widerstand Polens gegen das deutsch-russische Pipeline-Projekt Nord Stream 2, welches die Position Deutschlands aufwerten würde.

Die Forderungen nach Rabatten gegenüber Gazprom soll offenbar die Bereitschaft der polnischen Regierung signalisieren, dass man bereit ist, zur Erreichung eigener Ziele mit Beschränkungen der europäischen Energieversorgungsinfrastruktur zu drohen.

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