Politik

Nach Air Berlin-Pleite: Eurowings bereitet Streiks vor

Lesezeit: 2 min
16.08.2017 15:47
Die Billig-Airline der Lufthansa erwartet flächendeckende Arbeitskämpfe, weil die Lufthansa billige Air Berlin-Mitarbeiter übernehmen könnte.
Nach Air Berlin-Pleite: Eurowings bereitet Streiks vor

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die seit April laufende Schlichtung im Tarifkonflikt bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings ist nach Angaben der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO gescheitert. Die Geschäftsleitung von Eurowings habe keine Lösung erarbeitet, teilte UFO am Mittwoch mit. Grund dafür sei die Insolvenz des Lufthansa-Rivalen Air Berlin, durch die der Konzern billig an Flugzeuge und Personal kommen könne. "Mit dieser neuen Situation sind flächendeckende Arbeitskämpfe zu erwarten", kündigte die Gewerkschaft an. Als Schlichter hatte der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, fungiert. Von Eurowings war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Tarifstreit bei Eurowings köchelt bereits seit drei Jahren. Im Kern geht es um die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der 400 Eurowings-Flugbegleiter in Deutschland. Lufthansa will mit ihrer Billigtochter den Rivalen Ryanair und Easyjet mehr Konkurrenz machen und verhandelt derzeit über eine Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin.

Die Bundesregierung wird den Überbrückungskredit an Air Berlin nach Ansicht von Kanzlerin Angela Merkel wieder zurückbekommen. "Wir können mit großer, großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass der Steuerzahler das nicht bezahlen muss", sagte die CDU-Chefin am Mittwoch in einem Interview auf Youtube. "Dies ist relativ gering, sonst hätten wir diesen Überbrückungskredit oder Brückenkredit gar nicht geben dürfen." Die EU-Kommission müsse dies schließlich noch genehmigen. "Air Berlin stellt ja noch Werte dar in Form von Landerechten und vielem anderem mehr." Die Bundesregierung könne nicht Zehntausende Reisende im Stich lassen, deren Ticket möglicherweise verfallen wären.

Ryanair-Chef Michael O'Leary wirft Deutschland und der Lufthansa ein unfaires Vorgehen nach der Insolvenz von Air Berlin vor. "Das ist ein völlig abgekartetes Spiel", sagte O'Leary am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Es geht nur darum, Ryanair daran zu hindern, in Deutschland weiter zu wachsen, aber das wird uns nicht aufhalten." Mit einer Übernahme der Nummer zwei unter den deutschen Fluggesellschaften könne die Lufthansa nach seinen Berechnungen ihren Marktanteil bei Inlandsflügen auf 95 von 68 Prozent ausbauen, insgesamt käme sie damit in Deutschland auf 60 statt wie bisher 47 Prozent. "Das würde jede bekannte Kartellgrenze in Deutschland und der EU verletzen", sagte O'Leary.

Air Berlin verhandelt mit der Lufthansa und der britischen Easyjet über eine Übernahme von Unternehmensteilen. Das Bundeswirtschaftsministerium hält dies für kartellrechtlich unproblematisch. Ryanair hat aber Beschwerde dagegen eingelegt.

Eine Chance, selbst Teile von Air Berlin zu übernehmen, rechnet sich Ryanair nicht aus. Die Transaktion werde dafür zu schnell über die Bühne gehen. Ryanair würden nur unattraktive Start- und Landerechte (Slots) angeboten. "Wir werden weiter wachsen, wir kaufen immer mehr Flugzeuge. Aber wir haben Schwierigkeiten, Slots zu bekommen, um mehr Maschinen an Flughäfen wie Frankfurt, Berlin und München stationieren zu können."

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die Rückkehr des „Bail in“: Denkfabriken erwarten eine neue Euro-Krise im kommenden Jahr

Mehrere Denkfabriken befassen sich konkret mit Vorbereitungen für eine neue europäische Schulden- und Bankenkrise. Dabei könnte die 2013...

DWN
Deutschland
Deutschland Virus-Ticker: Ständige Impfkommission wird zunächst nur mRNA-Impfstoff zulassen

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erwartet keine parallele Zulassung von anderen Impfstoffen. Lesen Sie allen...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Ombudsfrau rügt Deal zwischen BlackRock und EU-Kommission, doch ohne Konsequenzen

Die Europäische Ombudsfrau hat einen Auftrags-Deal zwischen der EU-Kommission und dem US-Finanzgiganten BlackRock wegen möglicher...

DWN
Politik
Politik Studie: China soll die Welt wegen des Corona-Virus entschädigen

Das chinesische Corona-Virus hat alleine in der G7-Staatengruppe bis zum April 2020 einen Schaden von 3,62 Billionen Euro verursacht. Nun...

DWN
Politik
Politik Trump hält seine bisher „wichtigste Rede“, wirft politischen Gegnern schweren Wahlbetrug vor

Am Mittwochabend hat US-Präsident Donald Trump eine sehr emotionale Rede gehalten. Er beharrte auf seinem Vorwurf des Wahlbetrugs....

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Technologie
Technologie Schweizer Notenbank hält digitales Zentralbankgeld für machbar

In einer Studie kommt die SNB zu dem Schluss, dass digitales Zentralbankgeld technisch und rechtlich realisierbar ist. Eine Entscheidung...

DWN
Deutschland
Deutschland Ski-Verbot im Allgäu: 20 Bürgermeister richten Brandbrief an Merkel und Söder

In einem Brandbrief haben sich die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller und zwanzig Bürgermeister aus dem Allgäu gegen das...

DWN
Deutschland
Deutschland Krankenkassen: Corona hat bisher keine Auswirkungen auf den Krankenstand

Die Auswertung der Krankenkassen zeigt, dass nur ein verschwindend geringer Teil der diesjährigen Fehlzeiten vom Beruf direkt auf Covid-19...

DWN
Politik
Politik Mannheim führt nächtliche Ausgangssperren ein

In Mannheim wird ab morgen Abend eine achttägige nächtliche Ausgangssperre gelten.

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Taxibranche am Abgrund, Uber wird sich freuen

Die Lage in der Taxibranche spitzt sich nach Verbandsangaben wegen des Teil-Lockdowns in der Corona-Krise dramatisch zu. Das dürfte vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Post/ DHL Group: "Unser Unternehmen war noch niemals zuvor in besserer Verfassung"

Solche selbstbewussten Worte, wie sie derzeit über die Lippen der Vertreter der Deutschen Post/ DHL Group kommen, hört man in Zeiten der...

DWN
Technologie
Technologie Riesiges Weltraum-Teleskop von Arecibo in sich zusammengestürzt

Das riesige Teleskop im puerto-ricanischen Arecibo ist am Dienstag zusammengebrochen.

DWN
Finanzen
Finanzen Verlängerung des Teil-Lockdowns belastet die deutschen Märkte - Daimler will Wachstumsschwung ins Jahr 2021 mitnehmen

Der Dax gerät derzeit ins Stocken. Die Nachricht, dass Bund und Länder den Teil-Lockdown verlängert haben, bedrückt die Stimmung der...