Deutschland

Draghi setzt sich durch: Bundesbank akzeptiert höhere Inflation

Lesezeit: 1 min
10.05.2012 10:52
Der harte Kern der Bundesbank ist geknackt. Die Inflation in Deutschland kann zukünftig auch über dem Durchschnitt der Eurozone liegen, so der Chefsvolkswirt der Bundesbank. Dies könnte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der am stärksten von der Krise gebeutelten Länder stärken.
Draghi setzt sich durch: Bundesbank akzeptiert höhere Inflation

Mehr zum Thema:  
EZB >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
EZB  

Aktuell

Dramatik in Spanien: Ministerpräsident Rajoy garantiert Sicherheit des Bankensystems

Lang hat man sich bei der Deutschen Bundesbank beim Thema Inflation nicht von den europäischen Partnern reinreden lassen. Im Ausland sprach man nur mehr über die „German Angst“ vor Inflation. Doch nun lenkt die Bundesbank tatsächlich ein. Bei einer Anhörung im Finanzausschuss des Bundestages signalisierte der Chefsvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Jens Ulbrich, dass Deutschland bald eine Inflationsrate aufweisen werde, die über dem Durchschnitt in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion liegt. Die Bundesbank sieht dies im Rahmen eines Wirtschaftsausgleichs, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit der am stärksten von der Krise getroffenen Länder.

„Reguläre Anpassungsprozesse“ würden dazu führen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit der finanzschwachen Euroländer gegenüber Deutschland verbessere. „Deutschland dürfte in diesem Szenario künftig eher überdurchschnittliche Inflationsraten aufweisen“, erklärte Jens Ulbrich. Bisher lag die deutsche Inflationsrate eher unter dem Durchschnitt der Eurozone. Derzeit liegt sie bei 2,2 Prozent und die der Eurozone bei 2,6 Prozent. Die höhere Inflation in Deutschland trage zu einer Senkung der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone bei, wenn die Peripherieländer wie Spanien und Portugal ihre Kosten senken oder zumindest stabil halten.

Im Zusammenhang mit der möglichen höheren Inflationsrate in Deutschland, erscheinen die jüngsten Tarifabschlüsse auch nicht mehr als unangebracht. Wolfgang Schäuble hatte dies womöglich schon im Hinterkopf, als er eine Erhöhung der Löhne als gerechtfertigt ansah (die Kritik folgte dennoch prompt – mehr hier).

Der internationale Druck auf die Deutsche Bundesbank und Jens Weidmann war in geldpolitischen Angelegenheiten in der Eurozone in den vergangenen Monaten immer wieder erhöht worden. Zuletzt wies der Internationale Währungsfonds in seinem aktuellen Deutschland-Bericht ausdrücklich darauf hin, dass das Land eine höhere Inflation in Kauf nehmen sollte (hier). Die Kritik der Bundesbank an den EZB-Tendern und dem niedrigen Leitzins wurde von der EZB und vor allem auch von Frankreich nicht gern gesehen. Der Schritt der Bundesbank, eine höhere Inflation zu akzeptieren, zeigt, dass sich Mario Draghi mit seiner EZB-Politik durchsetzt.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
EZB >

DWN
Politik
Politik Paukenschlag in den Tropen: Brasiliens Lula liest Scholz die Leviten

Nach dem Wunsch der Bundesregierung soll Brasilien Munition für die Ukraine bereitstellen. Präsident Lula denkt gar nicht daran – und...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlands Schulden steigen rasant, werden immer teurer – und in Geheimhaushalten versteckt

Der Bund der Steuerzahler weist in einem Report auf bemerkenswerte und besorgniserregende Vorgänge bei den deutschen Staatsschulden hin.

DWN
Politik
Politik China: USA haben Ukraine-Krise ausgelöst und fachen sie weiter an

Die chinesische Regierung sieht eine zentrale Verantwortung für die Ukraine-Krise bei der US-Regierung.

DWN
Politik
Politik Faeser will in Hessen an die Macht - Union fordert Rücktritt

Innenministerin Nancy Faeser will offenbar Ministerpräsidentin von Hessen werden, aber auch weiterhin in der Bundespolitik bleiben.

DWN
Finanzen
Finanzen Banken im Euro-Raum verschärfen Kreditvergabe beträchtlich

Der wirtschaftliche Abschwung und die gestiegenen Zinsen krempeln den Kreditmarkt um.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland verschifft so viel Rohöl wie zuletzt im Juni

Russlands Öl-Exporte auf dem Seeweg sind auf den höchsten Stand seit Juni gestiegen. Der Markt scheint sich effizient an die Sanktionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Galeria: Gläubiger müssen große Einbußen hinnehmen

Die ersten Details des Sanierungsplan des insolventen Warenhauses Galeria sind bekannt. Demnach will der Konzern die Gläubiger mit 50...

DWN
Technologie
Technologie Europas wertvollster Tech-Konzern beugt sich Bidens Export-Verbot

Europas wertvollster Tech-Konzern wird sich offenbar an einem von der US-Regierung geforderten Exportverbot gegen China beteiligen. Auch...