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CCC: Manipulation der Bundestagswahl ist möglich

Lesezeit: 3 min
07.09.2017 12:55
Die Diskussion um eine mögliche Wahlmanipulation durch Hacker hat Deutschland erreicht.
CCC: Manipulation der Bundestagswahl ist möglich

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Das Computerprogramm für die Bundestagswahl ist nach Einschätzung des Chaos Computer Club (CCC) extrem anfällig für Manipulationen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet: Der CCC sei zu dem Ergebnis gekommen, die Software zur Erfassung und Auswertung der Ergebnisse könne leicht angegriffen werden, teilte der CCC am Donnerstag mit. Das Ergebnis der vom CCC vorgenommenen Sicherheitsanalyse sei "ein Totalschaden für das Software-Produkt".

Die festgestellten Mängel an dem Programm PC-Wahl erlaubten die Manipulation von Wahlergebnissen auch über die Grenzen von Wahlkreisen und Bundesländern hinweg, teilte der CCC weiter mit. "Elementare Grundsätze der IT-Sicherheit werden in dieser Software nicht beachtet", sagte Linus Neumann vom CCC. "Die Menge an Angriffsmöglichkeiten und die Schwere der Schwachstellen übertraf unsere schlimmsten Befürchtungen."

Die Software kann den Angaben zufolge bereits zur Erfassung der Auszählungsergebnisse in Wahllokalen und zu deren Übertragung an die jeweiligen Gemeinden verwendet werden. Auf Ebene der Kreiswahlleiter wird dieselbe Software verwendet, um die Ergebnisse zusammenzurechnen und dann wiederum an den Landeswahlleiter zu übermitteln. Auch dort kommt in einigen Bundesländern erneut PC-Wahl zum Einsatz.

Das Programm sei so schlecht, dass es „nie hätte eingesetzt werden dürfen“, sagte CCC-Sprecher Linus Neumann der Zeit. In dem Programm werde „keine richtige Verschlüsselung, sondern nur eine Maskierung“ verwendet. Jeder, der Zugriff auf das Programm habe und die Verschlüsselung brechen könne, bekomme damit auch Zugriff auf die Passwörter und könnte so manipulierte Wahldaten weiterschicken.

Volker Berninger, der Entwickler von PC-Wahl, bestritt in dem Artikel die Behauptung der Forscher, die Bundestagswahl könne manipuliert werden. „Bei dem schlimmsten Szenario würde jemand damit Verwirrung stiften. Dann würden zwar irgendwelche falschen Ergebnisse im Internet stehen, aber auf dem Papier wären noch immer die richtigen vorhanden. Das gibt Ärger und Verwirrung, hat aber keine Relevanz.“

Der Landeswahlleiter von Hessen räumte in einem Schreiben an die Kreiswahlleiter laut dpa ein, dass "ein Versuch einer Einflussnahme oder Störung der Wahldatenübermittlung nicht ausgeschlossen werden kann". Er ordnet an, dass die Wahlhelfer am 24. September sämtliche übermittelten Ergebnisse nach dem Versenden auf der Webseite des Statistischen Landesamtes überprüfen, wo sie aufgelistet werden. Bei jeder Auffälligkeit sollen sich die Wahlhelfer telefonisch melden.

Die Zeit hat mit dem Informatiker Martin Tschirsich einen Selbstversuch zu dem Programm gemacht und kam zu dem Ergebnis: „Wenn aber Martin Tschirsich und die Hacker vom CCC in der Lage sind, die in Deutschland eingesetzte Wahlsoftware zu knacken – dann können es Angreifer aus Russland ebenso.“

Russland wird von vielen westlichen Ländern seit langem beschuldigt, Wahlen beeinflusst zu haben. In den USA untersucht ein Sonderermittler die Rolle Russlands bei den Präsidentschaftswahlen. Beweise für ein russisches Hacking wurden bisher nirgendwo vorgelegt. Die US-Geheimdienste haben mehrere Berichte veröffentlicht, in denen sie zwar keine Beweise vorlegen, aber zu Protokoll geben, dass sie es für sehr wahrscheinlich halten, dass die Russen gehackt haben.

Auch bei der französischen Präsidentschaftswahl gab es ein spektakuläres, wenngleich zu spät publiziertes Hacking. Die französischen Medien berichteten über die Inhalte eines Macron-Dossiers allerdings nicht, um die Wahl nicht zu beeinflussen. Nach der Wahl lieferte lediglich die linksliberale Liberation eine Analyse des Leaks. Es stellte sich außerdem heraus, dass das Hacking von US-Websites – angeblich Neonazis – erfolgte und nicht von den Russen.

In den Niederlanden war der gesamte Wahlvorgang auf Papier abgewickelt worden, eine Diskussion über Manipulationen fand nicht statt.

Die Aufklärung von Cyber-Attacken ist ausgesprochen schwierig: Wikileaks demonstrierte mit einer Enthüllung der CIA-Techniken, dass der US-Geheimdienst in der Lage ist, die Identität des Angreifers vollständig zu verschleiern oder aber einem Angriff eine andere Identität zu unterschieben. Auch die Russen oder Chinesen dürften zu solchen Praktiken in der Lage sein. Während jedoch russische und chinesische Aktivitäten in Deutschland verboten sind, agieren die Five-Eyes-Geheimdienste in Deutschland vollständig legal: Sie genießen nach geltender Rechtslage völlige Handlungsfreiheit.

Im Bundestagswahlkampf haben Hacker-Attacken bisher keine Rolle gespielt. Das dürfte sich in der heißen Phase allerdings ändern, wie ein Vorfall vom Sonntag zeigt: Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner gab an, ihre Internetseite sei gehackt worden. Sie sprach am Sonntag auf Twitter von massiven Angriffen und schrieb: „... mit Grüßen aus Russland. Ob das was mit der Wahl zu tun hat“.

Wie ein Sprecher des CDU-Landesverbands der Deutschen Presse-Agentur sagte, gingen seit dem Mittag rund 3000 E-Mails ein, mit denen Unbekannte Zugriff auf die Administratorenrechte erhalten wollten. «Noch läuft die Homepage stabil.» Die dpa schreibt ohne Angabe von Belegen, der CDU-Sprecher „gehe davon aus, dass die Mails von einem russischen Server aus verschickt wurden“. Wer hinter dem Angriff stand, ist bis heute völlig unklar. In der Regel ist es nach übereinstimmender Ansicht von Fachleuten so gut wie unmöglich, die Urheber von Hackings zweifelsfrei auszumachen. Auch Experten sind dazu in der Regel nicht in der Lage. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hatte das Internet erst vor wenigen Jahren als „Neuland“ bezeichnet.

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