Finanzen

Blockchain hält Einzug in den Lebensmittel-Handel

Lesezeit: 2 min
22.01.2018 17:48
Das Handelsunternehmen Dreyfuss hat erstmals ein Geschäft auf Basis der Blockchain-Technologie abgewickelt.
Blockchain hält Einzug in den Lebensmittel-Handel

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Vor kurzem hat die Blockchain-Technologie erstmals Einzug in den Lebensmittelsektor gehalten. Auch in vielen anderen Branchen der Wirtschaft wird erwartet, dass die Technologie zahlreiche Abläufe revolutionieren wird.

So hatte die Louis Dreyfuss Co., einer der größten Lebensmittelhändler der Welt, im Dezember in Zusammenarbeit mit französischen und niederländischen Banken den ersten Handel mit Rohstoffen aus dem Lebensmittelsektor auf Grundlage der Blockchain-Technologie abgeschlossen. Der private Mischkonzern, der zu den 100 größten Unternehmen Frankreichs gezählt wird, nutzte eine Blockchain-Plattform für den Verkauf einer Ladung Sojabohnen aus den USA an die Shandong Bohi Industry Co. In China.

Die niederländischen Banken ING Groep NV und ABN Amro Bank NV zusammen mit der in Paris ansässigen Societe General SA unterstützten Louis Dreyfuss Co. (LDC) und Bohi dabei, digitale Handels-Dokumente, die auch Verträge, Kreditbriefe ebenso wie Papiere von Behörden und Zertifikate beinhalteten, zu verwenden. Wie LDC in einem Statement erklärte, konnte der zeitliche Aufwand für die Verarbeitung der Dokumente durch die automatische Anpassung der Daten in Echtzeit, die Vermeidung von Doubletten und Notwendigkeit manueller Überprüfungen auf etwa die Hälfte reduziert werden.

Wie der Chef der Abteilung weltweite Rohstoff-Handelsfinanzen bei ING, Anthony van Vliet, in einem Interview mitteilte, konnte auf diese Weise unter dem Strich die Zeit für die Transaktion von zwei auf eine Woche verkürzt werden. „Dabei war es das wichtigste Ziel etwas zu entwickeln, dass vom Markt angenommen wird. Es ist auch klar, dass eine solche alteingesessener Wirtschaftsbereich, die traditionell mit vielen Papier-Dokumenten arbeitet, ein wenig Upgrade auf digitalem Sektor benötigt“, wird van Vliet zitiert.

Im Grunde ist Blockchain ein dezentrales Protokoll für Transaktionen zwischen Parteien, das jede Veränderung transparent erfasst. Dezentral bedeutet hier, dass das Protokoll (eine riesige Datenbank) nicht auf einem Server oder bei einem Unternehmen liegt, sondern über viele Computer verteilt ist. Keine Person, Behörde oder Unternehmen hat die alleinige Macht über dieses Journal. Die Teilnehmer besitzen die gleichen Zugriffsrechte und Möglichkeiten. Blockchain ist ein neutrales System der Informationsverarbeitung, welches nicht zu manipulieren oder zu hacken ist.

Blockchain ist nicht auf finanzielle Transaktionen beschränkt, sondern kann für jede Art von Information genutzt werden. Innerhalb der Blockchain kann eine Information jederzeit nachvollzogen werden – auch für neue Teilnehmer. Das neue Verfahren ermöglicht Transaktionen direkt zwischen den Teilnehmern ohne Einbeziehung eines kostenpflichtigen Intermediärs wie einer Bank. Die Transparenz von Blockchain entsteht dadurch, dass das Journal ständig durch ein Netzwerk sogenannter Miner kontrolliert wird. Diese Miner verifizieren die hinterlegten Informationen Block für Block und teilen diese im Netzwerk, in dem jeder Teilnehmer Zugriff auf dieselbe Blockchain hat.

Rohstoffhändler und Handelsbanken, die die Sparte der Kreditgeber bei Geschäften auf dem Lebensmittelsektor dominieren, haben Blockchain als Weg entdeckt, um Kosten und Aufgaben der Verwaltung zu reduzieren, während gleichzeitig die Aufzeichnungen und die Sendungsverfolgung verbessert werden. Die großen Händler führen Jahr für Jahr tausende von Transaktionen im Wert von vielen Milliarden US-Dollar durch, wobei die Geschäfte typischerweise niedrige Margen aufweisen.

Karin Kersten, Leiterin der Abteilung weltweite Handels- und Rohstoff-Finanzen von ABN Amro erklärte jüngst: „Wir überprüfen nicht nur, ob Transaktion mithilfe von Blockchain technisch möglich sind, sondern auch, ob das Verfahren hält, was es verspricht. Ein solcher Handel erspart Arbeit und Zeit, verringert aber ebenso die Risiken von Betrug oder menschlichen Fehlern.“

Andere auf Rohstoffhandel fokussierte Banken und Erdöl-Händler haben ebenfalls die Blockchain-Technologie bei der Durchführung ihrer Geschäfte entdeckt. So hat bereits im vergangenen Jahr die Mercuria Energy Group Ltd. mit dem Firmensitz Genf unterstützt von ING und SocGen eine Blockchain-Plattform dazu verwendet, um afrikanisches Erdöl nach China zu verschicken. Inzwischen hat sich auch bereits ein entsprechendes Konsortium gebildet, das aus BP Plc., Royal Dutch Shell Plc., Statoil ASA, Handelshäusern wie Gunvor Group Ltd., Mercuria und Koch Supply & Trading, sowie Banken wie ING, ABN Amro und Socgen besteht. Van Vliet von ING erwartet, dass die Blockchain-Technologie schon bald auch im Bereich des internationalen Metallhandels Anwendung findet.

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