Politik

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad gestorben

Lesezeit: 2 min
28.01.2018 18:03
Der Gründer von Ikea, Ingvar Kamprad, ist tot.
Ikea-Gründer Ingvar Kamprad gestorben

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist tot. Er sei am Samstag im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit in seinem Haus im südschwedischen Smaland "friedlich eingeschlafen", teilte die schwedische Möbelkette am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Kamprad, der Ikea im Alter von 17 Jahren gegründet hatte, war einer der reichsten Menschen der Welt.

"Sein Vermächtnis wird noch viele Jahre lang bewundert werden", sagte Ikea-Chef Jesper Brodin. Kamprads Vision sei es gewesen, den Alltag für viele Menschen zu verbessern. Schwedens Regierungschef Stefan Löfven würdigte den verstorbenen Ikea-Gründer als einen "einzigartigen Unternehmer" mit großer Bedeutung für die Wirtschaft des skandinavischen Landes.

Kamprad war der Vater des "Billy"-Regals, mit dem Selbstbauprinzip revolutionierte er den Möbelverkauf. Seit den 70ern prägten die Produkte seines Konzerns Ikea auch den Einrichtungsstil in Deutschland. Nun starb der Unternehmensgründer im Alter von 91 Jahren in seiner Heimat Schweden. Der kauzige Möbelmogul zählte zu den reichsten Menschen der Welt und war für seine Sparsamkeit bekannt. Die Steuerpraktiken seines Konzerns und seine einstige Nähe zu Nationalsozialisten brachten ihm immer wieder Kritik ein.

Kamprad hatte sich schon als Kind im südschwedischen Smaland als Geschäftsmann versucht und unter anderem selbst geangelte Fische an die Nachbarn verkauft. Die Firma Ikea gründete er als 17-Jähriger - per Fahrrad lieferte er etwa Kugelschreiber und Bilderrahmen zu Niedrigpreisen aus.

Möbel kamen - damals noch fertig montiert - 1947 ins Ikea-Angebot. 1951 erschien erstmals ein Katalog. Kamprad verlegte sich komplett aufs Geschäft mit Möbeln. 1956 wurde mit dem Tisch "Lövet" erstmals ein Möbelstück zum Eigenbau angeboten. Ein Mitarbeiter hatte vorgeschlagen, die Tischbeine für den Transport abzumontieren, damit das Möbelpaket in ein Auto passt.

Ikea expandierte daraufhin rasch. Fünf Jahre nach Eröffnung des ersten Möbelhauses im südschwedischen Älmhult 1958 wurde in Oslo die erste Filiale außerhalb Schwedens gegründet. 1974 öffnete das erste deutsche Ikea-Haus in München, inzwischen betreibt der schwedische Konzern hierzulande mehr als 50 Einrichtungshäuser. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 190.000 Menschen in mehr als 400 Filialen.

Eine strenge Kostenkontrolle war stets zentraler Bestandteil von Kamprads Geschäftsstrategie. So verlagerte er die Möbelproduktion erst nach Dänemark und dann nach Polen, nachdem ihn einheimische Hersteller in den 60ern wegen seiner Preisvorstellungen boykottiert hatten. 2012 musste Ikea einräumen, dass auch politische Häftlinge und Strafgefangene in der DDR Möbel für das Unternehmen herstellen mussten.

Auch privat hielt Kamprad sein Geld zusammen, sein Hang zur Sparsamkeit war legendär. In den 70er Jahren zog er in die Schweiz, um Steuern zu sparen. Medienberichten zufolge fuhr er dort gern mit seinem alten Volvo zum Supermarkteinkauf und sammelte Treuepunkte. Auch im hohen Alter blieb er sich treu. Er trage vermutlich nichts, "das nicht auf Flohmärkten gekauft wurde", sagte er 2016 in einer Fernsehdokumentation.

Dabei hätte sich Kamprad so ziemlich alles leisten können. Sein Vermögen wurde zuletzt auf mehr als 37 Milliarden Euro geschätzt. Allerdings sind die finanziellen Verhältnisse privat wie geschäftlich undurchsichtig. Der Ikea-Konzern ist ein kompliziertes multinationales Geflecht - mindestens zum Teil aus steuerlichen Gründen. Das Steuergebaren des Unternehmens sorgte im Zuge des Luxleaks-Skandals 2014 für Negativschlagzeilen. Ende 2017 leitete die EU-Kommission wegen möglicherweise unzulässiger Steuerpraktiken Ermittlungen gegen Ikea ein.

1994 holte Kamprad außerdem seine Nazi-Vergangenheit ein. Eine schwedische Zeitung enthüllte, dass er als junger Mann während des Zweiten Weltkriegs Verbindungen zu schwedischen Nationalsozialisten hatte. Nach eigenen Angaben brach Kamprad den Kontakt zu der Gruppierung 1948 ab. Der Ikea-Chef versuchte, seine Nähe zu den Extremisten als "jugendliche Dummheit" abzutun. In einem Brief an seine Mitarbeiter sprach Kamprad vom "größten Fehler meines Lebens".

Ab 2010 zog sich der Unternehmensgründer nach und nach aus der Ikea-Führung zurück und übergab die Verantwortung an seine drei Söhne. Der Übergang verlief aber keineswegs reibungslos: Nach einem erbitterten Familienstreit zahlte Kamprad laut einem Buch 2013 mehrere Milliarden Euro an seine Söhne.

Der Patriarch kehrte schließlich 2014 aus der Schweiz zurück in seine schwedische Heimat. Dort starb Kamprad am Samstag im Alter von 91 Jahren.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...

DWN
Politik
Politik Blackwater-Gründer Prince spielte zentrale Rolle im Libyen-Krieg

Einem UN-Bericht zufolge spielte der Blackwater-Gründer Erik Prince eine wichtige Rolle im Libyen-Konflikt. Dass die UN erst jetzt auf...

DWN
Finanzen
Finanzen BÖRSE AKTUELL: Heftige Korrektur bei Bitcoin - jetzt wird der Einstieg vollends zum Vabanque-Spiel

Gestern vermeldeten wir den rapiden Kursverfall der Kryptowährung "Bitcoin". Heute liefert unser Börsen-Experte Andreas Kubin, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Anleger hoffen nach Powells Rede weiter auf Riesen-Konjunkturpaket aus den USA

Die Börsen entwickeln sich langsam weiter. Heute Nachmittag warten die Anleger auf wichtige Konjunkturdaten.

DWN
Politik
Politik E-Patientenakte: Merkel und Spahn haben den Datenschutz ausgehebelt, doch keiner hat es bemerkt

Die Bundesregierung hat durch ein neues Patientenakten-Gesetz den Datenschutz ausgehebelt. In der Akte sollen alle relevanten...

DWN
Deutschland
Deutschland Geduld des Handels ist am Ende: Klagewelle gegen Lockdown rollt

Obi, Media Markt, Breuninger und Co. wollen nicht länger auf Zugeständnisse der Politik warten. Immer mehr Händler versuchen, vor...