Politik

Macron verschärft Arbeitslosen-Versicherung

Lesezeit: 1 min
25.04.2018 17:07
Die französische Regierung wird am Freitag eine Verschärfung der geltenden Arbeitslosengesetze vorstellen.
Macron verschärft Arbeitslosen-Versicherung

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Hartz-IV-Reformen in Deutschland stehen Pate: Rund ein Jahr nach der Wahl von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron legt die Regierung in Paris am Freitag einen Gesetzentwurf zum Umbau der Arbeitslosen-Versicherung vor. Sie lehnt sich zwar an das deutsche Vorbild an, trägt aber auch eine eigene französische Handschrift.

Im Pariser Reformentwurf werden die Arbeitnehmerbeiträge zur Arbeitslosen-Versicherung von aktuell 2,4 Prozent des Bruttogehalts gestrichen. Dafür muss in Zukunft der Steuerzahler in die Bresche springen. Er wird über einen jüngst erhöhten allgemeinen Sozialbeitrag - kurz CSG - zur Kasse gebeten: „Ein Schritt, der auch bei Rentnern für Unmut sorgt“, erläutert Claire Demesmay von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

In Deutschland leisten Arbeitgeber und -nehmer ihre Beiträge paritätisch. „Eine steuerfinanzierte Streichung der Arbeitnehmerbeiträge hat es hierzulande nie gegeben“, so das Centrum für Europäische Politik (CEP) in Freiburg. Eine spezifisch französische Idee sei auch die Arbeitslosen-Versicherung bei einer Eigenkündigung, verbunden mit einer beruflichen Umorientierung.

„Die Zuwendungen sollen stärker als zuvor daran geknüpft werden, dass der Empfänger Bemühungen um einen neuen Arbeitsplatz nachweist“, so führende deutsche Wirtschaftsforscher. Sie haben Macrons Reformen in ihrem Frühjahrsgutachten unter die Lupe genommen. Die Maßnahmen seien aber weniger weitreichend als in Deutschland.

Das CEP verweist darauf, dass Arbeitslosengeldempfänger in Frankreich bislang nur selten Sanktionen fürchten müssen: Wer unentschuldigt nicht zu einem Termin im Arbeitsamt erschien, musste maximal mit einer Sperre von zwei Monaten rechnen. Der Reformentwurf sieht hier eine Verschärfung vor. Zudem sollen in den Arbeitsämtern mehr Sachbearbeiter eingestellt werden. Laut Regierung soll ihre Zahl bis 2020 verfünffacht werden.

Die Regierung will zudem die starren Regeln für die Zumutbarkeit eines Jobangebots neu ordnen. „Bisher orientierten sie sich an der Qualifikation und den beruflichen Kompetenzen des Arbeitslosen. Außerdem musste der Arbeitslose mindestens 95 Prozent seines vorherigen Gehalts verdienen beziehungsweise nach sechsmonatiger Arbeitslosigkeit mindestens 85 Prozent“, erläutert das CEP. Was als angemessenes Jobangebot gilt, soll das Arbeitsamt künftig jeweils im konkreten Fall festlegen.

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die versteckten Kosten der Globalisierungsverlangsamung
14.04.2024

Die Entstehung eines offenen multilateralen Handelssystems, das den Handel von der Geopolitik trennte, spielte eine entscheidende Rolle als...

DWN
Politik
Politik Dänemark verlängert Grenzkontrollen zu Deutschland
14.04.2024

Aus Sicherheitsgründen verlängert Dänemark die Grenzkontrollen zu Deutschland um sechs Monate. Neue Technologien wie Drohneneinsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Berufsunfähigkeitsversicherung – ebenso wichtig wie komplex
14.04.2024

Berufsunfähigkeit - das kann sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbstständige auf eine finanzielle Katastrophe hinauslaufen. Wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien vs. ETFs - welche Anlageprodukte eignen sich für welchen Anlegertyp?
13.04.2024

Die Auswahl des richtigen Anlageprodukts ist entscheidend für den Aufbau eines erfolgreichen Portfolios. Während Aktien direkten Zugang...

DWN
Politik
Politik Steinmeier fordert besseren Schutz von Kommunalpolitikern
13.04.2024

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einen besseren Schutz von Amts- und Mandatsträgern in den Kommunen gegen Anfeindungen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Riskant: Wirtschaftsexperten fordern eine Lockerung der Schuldenbremse
13.04.2024

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose sehen Top-Ökonomen die deutsche Wirtschaft an einem Tiefpunkt. Sie plädieren für einen radikalen Schritt:...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Inflation weicht zurück, Kreditnehmer hoffen auf Zinssenkung - bislang vergebens
13.04.2024

Die Inflation im Euroraum ist nach dem Preisschock infolge des Ukraine-Krieges wieder auf dem Rückzug. Das eröffnet der EZB Spielräume -...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Markus Merk im Interview: Eine Entscheidung ist nur so gut, wie das Umfeld sie wahrnimmt
13.04.2024

Jede Entscheidung hat einen Ort, eine Zeit und eine Bestimmung, sagt Markus Merk. Nicht nur auf dem Fußballfeld. Ein Gespräch über...