Politik

Öl-Konzerne treiben kleine Bohr-Unternehmen aus dem Markt

Lesezeit: 2 min
08.07.2018 00:09
Seit 2015 haben zahlreiche Bohrunternehmen Insolvenz angemeldet. Die großen Ölgesellschaften vergeben aufgrund des Ölpreis-Verfalls nur wenige Aufträge an Bohrunternehmen.
Öl-Konzerne treiben kleine Bohr-Unternehmen aus dem Markt

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Norwegen  
Europa  
USA  
Energie  
Erdöl  

Die norwegische Firma Fred.Olsen Energy hat am Mittwoch angekündigt, dass sie ihre Gläubiger nicht mehr bedienen werde, um liquide zu bleiben. Die Aktien des Unternehmens gingen nach der Ankündigung um 19 Prozent zurück und entwickelten sich damit schlechter als der europäische Öl- und Gasindex, der um 0,6 Prozent zurückging. Damit liegen die Kursverluste von Fred.Olsen Energy seit Jahresbeginn bei über 70 Prozent. Bereit smm Montag fiel die Aktie um bis zu 27 Prozent, nachdem Olsen Energy keine Verlängerung der Kreditvereinbarungen erzielen konnte. Eine Reihe von Offshore-Bohrern, einschließlich Seadrill, einst das weltweit größte Bohrunternehmen aus Sicht der Marktkapitalisierung, mussten ihre Schulden umstrukturieren, nachdem die Nachfrage aufgrund des Abschwungs des Ölmarktes in den Jahren 2014 bis 2016 gesunken war.

Die Konsolidierung kleinerer Akteure könnte die Erholung des Bohrmarkts unterstützen, sagte Seadrills-Chef Anton Dibowitz am Dienstag dem englischsprachigen Dienst von Reuters. Jedes Unternehmen mit weniger als zehn bis 15 Bohranlagen müsse wahrscheinlich konsolidiert werden.

Fred.Olsen Energy hatte zuvor gemeldet, dass sie Eigenkapital- und Wertminderungsaufwendungen für ihre Bank- und Anleihenkredite benötige.

Ende 2017 hatte das Unternehmen 759 Millionen US-Dollar aus einer Kreditlinie mit einem Bankenkonsortium und ein Anleihekredit von umgerechnet 122 Millionen US-Dollar, der im Februar 2019 fällig wurde. Die erste Halbjahresrate von 95,5 Millionen wurde im ersten Quartal getilgt. Die nordischen Banken DNB, Danske und Nordea halten den Großteil von Fred.Olsen Energys Bankschulden. Das Unternehmen verfügt über sieben schwimmende Bohrinseln, von denen nur einer unter einem kurzfristigen Vertrag mit BP in Betrieb ist.

Bohrunternehmen melden Insolvenz an

Bohrunternehmen erzielen ihre Einnahmen nicht durch den Verkauf von Öl. Stattdessen werden sie von großen Ölgesellschaften bezahlt, wenn sie nach neuem Öl bohren müssen. Aufgrund der niedrigen Ölpreise wird weniger nach Öl gebohrt, da dies in den meisten Fällen wirtschaftlich nicht rentabel ist. Dadurch sinkt die Nachfrage der Ölgesellschaften für die Dienstleistungen von Bohrunternehmen. Eines der teuersten und lukrativsten Dienstleistungen von Bohrunternehmen sind Richtbohrungen („Directional Drilling”). Mit Richtbohrungen lassen sich Stellen unter dem Erdboden erreichen, die sich mit vertikalen Bohrungen nicht erreichen lassen. Ob der Nachfragerückgang schlussendlich zum Konkurs vieler Bohrunternehmen führen wird, bleibt noch unklar.

Jedoch sind zahlreiche Bohrunternehmen dazu übergegangen, ihre Mitarbeiter zu entlassen. Schlumberger, Halliburton, Baker Hughes und Weatherford, die als die „Big 4” der Bohrunternehmen umschrieben werden, haben einen Teil ihrer Belegschaft entlassen müssen, berichtet Forbes. Im Jahr 2015 kündigte Halliburton an, 6.400 Mitarbeiter entlassen zu wollen, so das US-Magazin Fortune. Im selben Jahr kündigte Baker Hughes an, 7.000 Stellen streichen zu wollen, so CNN Money. Weatherford kündigte die Entlassung von 8.000 Mitarbeitern an, führt Fortune aus. Das Magazin Chron berichtete im Januar 2018, dass Schlumberger in den vergangenen Jahren 70.000 Stellen gestrichen hat.

Nach Angaben der US-Kanzlei Haynes and Boone haben seit Anfang 2015 insgesamt 167 US-amerikanische und kanadische Bohrunternehmen Insolvenz angemeldet. die Entwicklungen in der Ölfeldservice-Restrukturierung verfolgt und berichtet. Einige der größten gemeldeten Insolvenzfälle betreffen Gesamtschulden in Höhe von etwa acht Milliarden US-Dollar (Seadrill Limited), 5,3 Milliarden US-Dollar (Odebrecht), 3,7 Milliarden US-Dollar (Ocean Rig), 3,4 Milliarden US-Dollar (CGG Holding), 3 Milliarden US-Dollar (Pacific Drilling) und 2,8 Milliarden US-Dollar (Vantage) ), 2,5 Milliarden Dollar (Paragon Offshore), 2,3 Milliarden Dollar (Tidewater) und 2,1 Milliarden Dollar (Tervita).

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Geldmenge sprengt alle Kategorien – Vorboten eines inflationären Jahrzehnts?

Die in den Vereinigten Staaten zirkulierende Geldmenge explodiert. Die Preise im Dollar-Raum dürften merklich anziehen, die Währung unter...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdogan und Biden holen zum Schlag gegen dezentrale Kryptowährungen aus

In der Türkei wurden im Verlauf von Razzien 62 Mitglieder einer Kryptowährungs-Handelsplattform festgenommen. Ihnen wird tausendfacher...

DWN
Deutschland
Deutschland Jetzt wird es ernst: Ab Samstag 0:00 Uhr greift die Bundes-Notbremse

Ab Samstag gelten in den meisten Landkreisen und Städten schärfere Corona-Beschränkungen. Damit betritt die Bundesrepublik in vieler...

DWN
Finanzen
Finanzen Auszug oder Umbau: Was tun, wenn Senioren das Haus zu groß wird?

Senioren haben auf dem Immobilienmarkt meistens ein anderes Problem als der suchende Rest: Ihnen steht nach Auszug der Kinder oder Verlust...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ausgerechnet jetzt: Banken verschärfen ihre Kreditvergabepolitik für den Mittelstand

Die deutschen Banken verschärfen ihre Kreditvergabepolitik – allerdings nur für den Mittelstand.

DWN
Politik
Politik Corona-Berichterstattung: Folgen die deutschen Medien bereitwillig der politischen Rhetorik?

Die Kritik an der einseitigen Corona-Berichterstattung seitens der Medien nimmt zu.

DWN
Politik
Politik Corona-Kriminalität: Wie professionelle Betrüger weltweit an der Pandemie verdienen

Überall auf der Welt versuchen professionelle Betrüger, aus der Pandemie Profit schlagen. Beispiele reichen vom Verkauf gefälschter...

DWN
Finanzen
Finanzen Selbst überfliegende Kryptowährungen sind nicht vor irdischen Problemen gefeit

In der bekanntesten Weltraumserie aller Zeiten dringt das Raumschiff Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat....