Finanzen

Aktien-Rückkäufe treiben US-Börsen

Lesezeit: 2 min
23.07.2018 17:16
US-Unternehmen kaufen in immer größerem Umfang eigene Aktien zurück. Leitende Angestellte und andere Insider jedoch verkaufen seit Wochen.
Aktien-Rückkäufe treiben US-Börsen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der Umfang der angekündigten Aktien-Rückkäufe in den USA ist stark gestiegen. Wie das Analyseportal TrimTabs berichtet, hatten sich die angekündigten Käufe eigener Aktien im zweiten Quartal massiv auf rund 436 Milliarden Dollar ausgeweitet. Damit wurde der bislang gültige Quartalsrekord aus dem ersten Quartal 2018 von rund 242 Milliarden Dollar fast um das Doppelte übertroffen.

In der ersten Jahreshälfte beliefen sich die Rückkäufe damit auf etwa 680 Milliarden – was auf Sicht eines Jahres einen nie erreichten Höchststand von etwa 1,3 Millionen Dollar bedeuten würde. Zu Beginn des laufenden Jahres erregte die US-Großbank JP Morgan noch Aufsehen, als sie den Gesamtumfang der im laufenden Jahr zu erwartenden Rückkäufe mit etwa 840 Milliarden Dollar beziffert.

Das Wall Street Journal berichtet, dass im S&P 500-Index gelistete Unternehmen im laufenden Jahr eigene Aktien im Wert von rund 800 Milliarden Dollar zurückkaufen werden und damit den bislang gültigen Höchststand von etwa 590 Milliarden Dollar aus dem Vorkrisenjahr 2007 übertreffen.

„Die historische Kaufserie durch Rückkäufe hat Sorgen bei Beobachtern genährt, dass die Unternehmen ihre Aktien zu viel zu hohen Preisen kaufen und zudem am Höhepunkt des Wirtschaftszyklus, welcher immerhin schon neun Jahre alt ist. Andere warnen, dass die zig Milliarden Dollar nun für Kapitalinvestitionen wie den Bau neuer Fabriken oder die Erforschung neuer Technologien fehlen und dadurch langfristiges Wachstum unterbleibt“, schreibt das Wall Street Journal.

„Die Mehrheit des in Rückkäufe investierten Kapitals geht direkt an die Aktionäre zurück und wird nicht in den laufenden Betrieb reinvestiert. Wenn das das einzige ist, auf das sich die Firmen verlassen, dann wird das schlimm enden“, wird ein Analyst von Fortuna zitiert.

Bemerkenswert ist, dass die Rückkäufe eigener Aktien durch Unternehmen mittlerweile den letzten verbliebenen Treiber für die Aktienmärkte darstellen. Aus Daten der Bank of America geht hervor, dass die Unternhemen in den ersten 6 Monaten des Jahres die einzigen verbliebenen Netto-Käuffer von Aktien waren, während Hedgefonds und institutionelle Anleger zu den Netto-Verkäufern gehörten.

Besonders ausgeprägt ist die Rückkauf-Aktivität demzufolge im Technologiesektor – was die starke Leistung von Technologie-Aktien vor dem Hintergrund zahlreicher Risiken wie eines globalen Handelskrieges oder einer Abschwächung der Weltwirtschaft erklären könnte.

Bank of America zufolge bildeten Aktien-Rückkäufe im ersten Halbjahr den größten Kaufimpuls in den Bereichen Banken (10,6 Milliarden Dollar), Technologie (10,5 Milliarden Dollar), Gesundheit (6,5 Milliarden Dollar), Industrie und Großhandel. „Die Nettokäufe im Technologiesektor im ersten Halbjahr stammen netto alle von Aktien-Rückkäufen“, schreibt die Bank.

Ebenso bemerkenswert ist, dass die Unternehmen zwar in großem Stil Aktien kaufen, leitende Angestellte diese jedoch seit Wochen abstoßen. Wie CNN berichtet, stießen Insider im Mai mit ihrem eigenen Geld erworbene Aktien der eigenen Unternehmen im Gesamtumfang von 8,4 Milliarden Dollar ab und im Juni im Umfang von etwa 9,2 Milliarden Dollar. „Sie schaufeln die Aktien quasi zur Vordertür in das Unternehmen hinein und verkaufen diese dann durch die Hintertür wieder. Das ist so, als ob man im Fernsehen Tipps git, welche Aktien man mag und diese dann heimlich verkauft“, wird der Präsident von Cumberland Advisors von CNN zitiert.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik Genug ist genug: Wider den Antisemitismus auf Deutschlands Straßen

Schon wieder hat es die Politik verpasst, jüdische Gotteshäuser rechtzeitig zu sichern. Attacken auf Synagogen, Hassparolen auf...

DWN
Technologie
Technologie 50 Gigawatt stehen zur Disposition: Geplante Stilllegung von Kraftwerken gefährdet Deutschlands Stromversorgung

Die Regierung plant die Stilllegung von Atom- und Kohlekraftwerken - woher der dann fehlende Strom kommen soll, weiß niemand.

DWN
Politik
Politik Le Pen und das Militär gegen das Establishment: Frankreichs Kulturkampf spitzt sich zu

Die verfeindeten Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Doch im Grunde genommen kämpft jeder gegen jeden - die französische...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der...

DWN
Politik
Politik Indien: Von Gebirgen geschützt, auf dem Meer herausgefordert

In Folge vierzehn der großen geopolitischen DWN-Serie befasst sich Moritz Enders heute mit Indien. An wohl keinem anderen Beispiel lässt...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum die Kritik an den Zentralbanken scheinheilig ist

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sind in einer Reihe von Artikeln sehr kritisch mit den Zentralbanken umgegangen. Jetzt nimmt DWN-Autor...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeldabschaffung nimmt immer konkretere Formen an: Nach neuem EU-Vorschlag drohen Verhältnisse wie in Schweden

DWN-Gastautor Hansjörg Stützle analysiert, wie die Abschaffung des Bargelds schrittweise voranschreitet. Zum Schluss zeigt er auf, wie...

DWN
Technologie
Technologie Biotreibstoff-Verband: Klima-Kritik an Grünem Diesel ist Unfug!

Verbraucherorganisationen behaupteten, dass der Grüne Diesel schädlicher als der Treibstoff aus Erdöl sei. Im exklusiven Interview mit...