Währungskrise: Zentralbanken starten Krisen-Interventionen

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
31.08.2018 17:19
Die Zentralbanken von Brasilien, Argentinien, der Türkei und Indonesien intervenieren, um eine Finanzkrise zu verhindern.
Währungskrise: Zentralbanken starten Krisen-Interventionen

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Mehrere Zentralbanken auf der ganzen Welt mussten in den vergangenen Tagen im heimischen Finanzmarkt intervenieren, um den möglichen Ausbruch einer Währungskrise zu verhindern.

Wie Bloomberg berichtet, hat die Zentralbank von Brasilien den Wechselkurs des Real zum Dollar am Donnerstag durch umfangreiche Dollar-Verkäufe gestützt. Der Wechselkurs erholte sich daraufhin am Freitag von 4,20 Real auf etwa 4,12 Real. Der Zentralbank zufolge hängt die Häufigkeit und Intensität künftiger Eingriffe vom Umfang möglicher weiterer Schwankungen im heimischen Finanzmarkt ab.

Auch Indonesiens Zentralbank hat am Freitag inmitten der türkischen Währungskrise massiv am Devisen- und Anleihenmarkt interveniert. Das sagte ein Vertreter der Notenbank des südostasiatischen Landes der Agentur Reuters. Die indonesische Rupiah lag am Freitag bei 14.730 Rupiah je Dollar und damit auf dem niedrigsten Stand seit 1998 und nahe ihres Allzeittiefs. Indonesien hatte bereits in den vergangenen Wochen mit Zinserhöhungen auf die schwache Landeswährung reagiert.

Die indische Rupie fiel am Freitag zum US-Dollar auf ein neues Rekordtief. Im Gegenzug mussten für einen Dollar bis zu 71 Rupien gezahlt werden, so viel wie nie zuvor. Wie der New Indian Express berichtet, erwarten Händler, dass die Reserve Bank of India Dollar verkaufen wird, um den Kurs der Rupie zu stützen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Zentralbank rund 26 Milliarden Dollar ihrer Devisenreserven zu diesem Zweck verkauft. Ausländische Investoren hatten Aktien im Wert von rund 455 Millionen Dollar und Anleihen im Gesamtwert von etwa 7,9 Milliarden Dollar verkauft.

Der Gouverneur der indischen Zentralbank, Urjit Patel, hatte die US-Notenbank Federal Reserve Anfang Juni in einem öffentlichen Aufruf davor gewarnt, die Leitzinsen weiter anzuheben. Dies führe zu einem erstarkenden Dollar und bringe die Währungen wichtiger Schwellenländer unter Abwertungsdruck und könnte eine weltweite Dollar-Knappheit auslösen.

Unter anhaltendem Druck stand auch der südafrikanische Rand. Er notierte am Freitag über dem Wert von 14,64 Rand zum Dollar und damit so tief wie zuletzt seit mindestens zwei Jahren nicht mehr. Auch hier sind politische Spannungen mit den USA wegen der durch Südafrika geplanten Enteignung weißer Farmer ausschlaggebend. „Der Rand wird von den anderen aufstrebenden Ländern heruntergezogen. Wir haben Argentinien in der Nacht explodieren sehen und dass hat zu breit angelegten Verkäufen geführt und es sieht so aus, als ob der Rand als Proxy-Absicherung genutzt wird“, wird ein Analyst von Reuters zitiert.

Die Zentralbank Argentiniens hatte ihren Leitzins am Donnerstag drastisch erhöht. Der Zins wurde von 45 auf 60 Prozent angehoben. Zuvor hatte der argentinische Peso innerhalb von zwei Tagen über zehn Prozent an Wert verloren. Damit büßte der Peso in diesem Jahr bereits 45 Prozent an Wert zum Dollar ein.

Die argentinische Regierung plant nach dem rasanten Verfall der Landeswährung Peso eine Reihe wirtschaftspolitischer Notmaßnahmen. Diese sollen am Montag vorgestellt werden, wie Finanzminister Nicolas Dujovne ankündigte. Demnach soll mit den Schritten das Haushaltsdefizit gesenkt werden, damit die Regierung weniger abhängig von den Kreditmärkten werde. Dujovne will am Montagabend nach Washington reisen, um sich mit Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu treffen und über eine vorzeitige Auszahlung von milliardenschweren Finanzhilfen zu verhandeln.

Grund für die Währungskrise in Argentinien ist vor allem eine Verunsicherung hinsichtlich der Entwicklung der Inflation. Im Juli betrug sie fast 20 Prozent, bis zum Jahresende könnten es 30 Prozent sein. Das Land steht außerdem am Rande einer Rezession und hat ein hohes Haushaltsdefizit. Am Freitag lag der Kurs des Peso zum Dollar bei rund 38,70 Peso und damit leicht unter dem Höchststand von 41 Peso vom Donnerstag.

Der Wechselkurs der schwer angeschlagenen türkischen Lira wertete am Freitag leicht auf. Ein Hauptgrund dafür dürfte die Erhöhung der Steuern auf Guthaben in Fremdwährungen sowie die Absenkung der Steuern für Guthaben in Lira sein, welche die Regierung bekanntgegeben hatte. Auf Sicht der vergangenen 12 Monate jedoch hat die Lira zum Dollar um etwa 90 Prozent abgewertet, ihren Wert also fast von etwa 3,50 Lira auf rund 7 Lira halbiert.

Angeführt werden die Wechselkursverluste von Argentinien, dessen Peso seit Jahresbeginn über 50 Prozent seines Werts zum Dollar eingebüßt hat. Danach folgen die türkische Lira mit über 40 Prozent, der brasilianische Real mit 20 Prozent, der südafrikanische Rand und der russische Rubel mit jeweils etwa 16 Prozent sowie die indische Rupie und der chilenische Peso mit rund 10 Prozent.

Der Hauptgrund für den breiten Abverkauf von Schwellenlandwährungen ist aus Sicht vieler Beobachter die Anhebung des Zinsniveaus durch die US-Zentralbank Federal Reserve. Verbunden mit der Schrumpfung der Bilanz – welche ab Oktober etwa 50 Milliarden Dollar monatlich umfassen wird – bewirken die Leitzinsanhebungen einen starken Kapitalabzug aus der Welt und einen Rückfluss in den Dollar-Raum, weil hier nun höhere Renditen locken.

Jene Staaten und Unternehmen, welche die in den vergangenen 10 Jahren herrschenden niedrigen Zinsen dazu genutzt hatten, in hohem Umfang Dollar-Schulden aufzunehmen, geraten nun in Bedrängnis, weil sich die Zinskosten erhöhen und weniger Dollar-Mittel zur Ablösung alter Kredite durch neue bereitstehen.



DWN
Politik
Politik Trotz Sanktionen: Deutschland liefert medizinische Geräte in den Iran

Deutschland hat im Rahmen des Zahlungsvehikels Instex medizinische Geräte in den Iran geliefert. Mit Instex sollen die US-Sanktionen gegen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank ist gegen Corona-Bonds und fordert den Einsatz des Euro-Rettungsschirms ESM

Die Bundesbank plädiert dafür, eventuelle Finanzhilfen für von der Virus-Krise hart getroffenen Länder über den Euro-Rettungsschirm...

DWN
Finanzen
Finanzen Liquiditätskrise hinter den Kulissen? Die seltsame Entwicklung eines wichtigen Zinses wirft Fragen auf

Obwohl die Zentralbanken die Finanzmärkte mit billigem Kreditgeld fluten, deutet ein wichtiger Indikator auf eine sich verschärfende...

DWN
Politik
Politik Erstmals seit 1945: Zahl der Arbeitslosen in Österreich steigt auf über eine halbe Million

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 52 Prozent gestiegen. Erstmals seit dem Jahr 1945 liegt...

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Corona-Krise: Winterreifen müssen dieses Jahr länger am Auto bleiben

Von Oktober bis Ostern sollen die Winterreifen eigentlich am Auto bleiben. Dieses Jahr dürfte es deutlich länger werden.

DWN
Deutschland
Deutschland Studie: Deutschland Schlusslicht bei Höhe des Kurzarbeitergelds

Bei der Höhe des gesetzlich gezahlten Kurzarbeitergeldes ist Deutschland nach einer aktuellen Studie Schlusslicht unter den europäischen...

DWN
Finanzen
Finanzen BlackRock verwaltet deutsche Vermögen und wettet gleichzeitig gegen sie

Der weltgrößte Vermögensverwalter sahnt gleich mehrfach ab. Aktien, die ihm zur Geldanlage anvertraut werden, verleiht er teilweise an...

DWN
Deutschland
Deutschland Bauern fehlen Saisonarbeiter: „Keiner weiß, wer's machen soll“

Normalerweise kommen jedes Jahr rund 300.000 Saisonarbeiter auf Deutschlands Felder. Doch wegen der Ausbreitung des Coronavirus sind die...

DWN
Politik
Politik US-Magazin beruft sich auf Ratschläge des Propheten Mohammed zur Corona-Bekämpfung

Das US-Magazin Newsweek berichtet, dass der islamische Prophet Mohammed bereits vor 1.300 Jahren gepredigt hat, was in Zeiten einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Ifo: Viruskrise kostet Europa über 800 Milliarden Euro

Die Kosten für die Bekämpfung der Corona-Krise in Europa belaufen sich auf über 841 Milliarden Euro, so das Ifo-Institut.

DWN
Politik
Politik Warum sich die Corona-Daten des Robert-Koch-Instituts und der John Hopkins University unterscheiden

Das Robert-Koch-Institut erklärt, warum sich seine Corona-Daten von den Corona-Daten der John Hopkins University unterscheiden.

DWN
Finanzen
Finanzen Anteilsscheine: Immobilienkonzerne halten Verluste in Grenzen

Im allgemeinen Abwärtssog an den Märkten haben sich Anteilsscheine aus der Immobilienbranche am Mittwoch noch mit vergleichsweise milden...

DWN
Deutschland
Deutschland Die Corona-Krise beendet den Immobilien-Boom, fallende Preise erwartet

Angesichts der Corona-Krise rechnen Investoren mit sinkenden Verkäufen und fallenden Preisen am Immobilienmarkt.

DWN
Finanzen
Finanzen Faktencheck: Von Bargeld geht keine Corona-Infektionsgefahr aus

Ein renommierter Virologe und die Bundesbank bestätigen, dass von Bargeld keine Corona-Infektionsgefahr ausgeht.

celtra_fin_Interscroller