Russland greift al-Nusra-Stellungen in Syrien an

 

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04.09.2018 21:32
Die russischen Luftangriffe vom Dienstag sollen al-Nusra-Stellungen gegolten haben. Israel nahm Stellungen bei Hama und Tartus unter Beschuss.
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Russland hat am Dienstag erstmals seit 22 Tagen erneut Luftangriffe gegen Söldner-Stellungen in Syrien geflogen. Es gibt mehreren Medienberichten zufolge um al-Nusra-Stellungen in der Umgebung von Idlib.

Die Times of Israel zitiert anonyme Analysten, die die Auffassung vertreten, dass dies noch nicht der Beginn der seit einiger Zeit angekündigten Offensive gegen die Söldner in Idlib sei. Noch bestehe eine gewisse Aussicht, dass eine volle Offensive vermieden werden könne.

Die Nachrichtenagentur der Freien Syrischen Armee (FSA), RFS Media, führt in einem Bericht aus, dass die russische Luftwaffe sich bei ihren Angriffen auf die ländlichen Gegenden von Idlib und Al-Ghab in Hama konzentriere. Die Agentur bestätigt, dass die Luftangriffen am Dienstag begonnen hätten. „Unser Korrespondent sagt, dass russischen Kampfflugzeuge vor allem Bereiche in der Landschaft der Stadt Dschisr al-Schugur bombardiert haben. In der Nähe eines türkischen Stützpunkts bei Ashturb wurden ebenfalls Luftangriffe ausgeführt.“

Die türkische Zeitung Aydinlik berichtet: „Es handelt sich nicht um eine Großoperation und findet weit entfernt von den bewohnten Gebieten statt. Eine Lebensgefahr für Zivilisten besteht nicht. Die syrische Armee hat ebenfalls damit begonnen, bestimmte Ziele in Idlib mit Artilleriefeuer unter Beschuss zu nehmen.“

US-Generalstabschef Joseph Dunford sagte nach Angaben des englischsprachigen Dienst von Reuters am späten Dienstagnachmittag während einer Reise nach Athen: „Wenn große militärische Operationen stattfinden, können wir eine humanitäre Katastrophe erwarten, und ich denke, wir alle wollen, dass das vermieden wird.“ Wie schon zuvor US-Präsident Donald Trump verzichtete auch Dunford auf eine militärische Drohung in Richtung Russlands oder Syriens.

Die türkische Zeitung Milliyet hat Fotos veröffentlicht, die die Folgen der Luftangriffe zeigen sollen. Aus den Fotos geht hervor, dass ländliche und unbesiedelte Gebiete bombardiert werden, wo sich offenbar Lager und Stellungen der Al-Nusra-Front befinden.

Der US-Analyst Charles Lister schreibt auf Twitter, dass die Kurden-Milizen (SDF), die unter US-Kontrolle stehen, die Offensive auf Idlib unterstützen werden. Sie werden gemeinsam mit der iranischen Revolutionsgarde und der Hisbollah kämpfen, meint er.

Der BBC-Journalist Riam Dalati tschreibt auf Twitter: „Alle SDF-Kämpfer werden in einer einzigen Kampfeinheit zusammengefasst. Die iranische Revolutionsgarde soll sie ausbilden, bewaffnen und ausrüsten, während Hisbollah Berater schicken soll, um sie durch den Kampf zu führen, die Koordination mit der syrischen Armee vorzunehmen, sowie Artillerie und Luftangriffe herbeizurufen.“

Nach einem Bericht der Zeitung The Daily Sabah sollen Teile der Kurden-Miliz der YPG nach Aleppo transferiert worden sein. Dabei soll es sich um 1.300 Kämpfer handeln, die offenbar an der Idlib-Offensive der syrisch-russischen Koalition teilnehmen werden.

Israel bombardiert Hama und Tartus

Israelische Kampfflugzeuge haben am Dienstag nach amtlichen syrischen Angaben Militärstellungen im Nordwesten Syriens angegriffen. Die Angriffe hätten Militäreinrichtungen in den Provinzen Tartus und Hama gegolten, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf Militärkreise. Allerdings habe die Luftabwehr mehrere Raketen abgefangen. Eine Sprecherin der israelischen Armee wollte sich zu den Berichten zunächst nicht äußern.

Die Times of Israel meldet unter Berufung auf britische Militärquellen mehrere Explosionen in Masjaf und Wadi al-Ujun bei Hama und nahe der Küstenstadt Tartus. Ins Visier genommen worden seien Regionen, in denen sich iranische Militäreinrichtungen befänden. Zudem sei auch erstmals der Küstenort Banijas unter Beschuss geraten. Dort seien zwei Raketen rund einen Kilometer von einer Öl-Raffinerie entfernt eingeschlagen. In einem Bericht des syrischen Fernsehens war von einer nicht näher bezeichneten "Aggression" die Rede. In Masjaf seien Krankenhausangaben zufolge ein Mensch getötet, in Banijas acht Menschen verletzt worden.

Türkische Truppen bei Hama

RFS Media, die Nachrichtenagentur der Freien Syrischen Armee (FSA), meldet in einer Mitteilung vom 3. September 2018: „Die türkische Armee hat ihren Kommandoposten in Murk im Norden von Hama mit Spezialeinheiten verstärkt. Der Militärkonvoi umfasste 30 Fahrzeuge, die von Dutzenden türkischen Soldaten begleitet wurden. Der Konvoi kam wenige Stunden, nachdem ein anderer Konvoi von der Kafr El-Hussein-Kreuzung am Sonntag eingedrungen war, in Hama an. Zuvor berichteten türkische Medien, dass die türkischen Spezialkräfte, die in der Provinz Hatay stationiert gewesen sind, heute Morgen an die syrische Grenze verlegt wurden.“

RFS Media zufolge wurde am 3. September 2018 Mohammed Salhab, ein Kommandant der Söldner, getötet. Es wird vermutet, dass er in einen Hinterhalt der syrischen Armee (SAA) geraten ist. Salhab führte eine Söldner-Truppe unter dem Namen „Löwen“ an, die im Jahr 2014 gegründet wurde. Sie war hauptsächlich in Tartus und in Latakia aktiv. Die syrischen Behörden übergaben sein Leichnam seinen Verwandten in Latakia.

Die SAA zerstörte am 3. September 2018 in der nördlichen und nordwestlichen Landschaft der Provinz Hama nahe der Verwaltungsgrenze der Provinz Idlib eine Reihe von militärischen Fahrzeugen der Al-Nusra-Front, die mittlerweile den Namen Hayat Tahrir al-Scham (HTS) trägt. Am Stadtrand von Al-Ziyara wurden zudem Stellungen der Islamischen Partei Turkestan (TIP) angegriffen und zerstört, meldet die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA. Die TIP ist eine Söldner-Truppe aus China, die in China als Terrororganisation eingestuft wird. Unklar bleibt, ob chinesische Militärberater die SAA bei ihren Offensiven gegen die TIP unterstützen. Zudem führt die SAA einen Angriff gegen eine Stellung der Al-Nusra-Front in Al-Latamneh aus. Dabei kamen zahlreiche Söldner ums Leben. Unter den Getöteten soll sich auch Abdo Hamad al-Habinb, ein bekannter Söldner, befinden.

In der südsyrischen Stadt Suweida laufen währenddessen Minenräumungsarbeiten. Die SAA konnte am Montag Minen am Khalkhala-Flughafen in der nördlichen Landschaft von Suweida unschädlich machen, so SANA. Die Söldner präparieren Minen in jenen Gebieten, aus denen sie sich zurückziehen.

Nach Informationen des israelischen nachrichtendienstlichen Portals DEBKAfile soll es in Syrien Differenzen zwischen dem iranischen General Qassem Soleimani, der für die iranischen Operationen im Nahen Osten verantwortlich ist, und dem Chef der Hisbollah-Miliz, Hassan Nasrallah, geben.

DEBKAfile enthüllt einige der trotzigen Schritte, die Nasrallah in den vergangenen Wochen unternommen hat: Ohne ein Wort an den iranischen General, zog er etwa 5.000 Hisbollah-Truppen aus der syrischen Kriegsfront in den Libanon zurück und beraubte Soleimani über mehr als die Hälfte der ihm zur Verfügung stehenden fähigen Kampfkraft in Syrien. Die pakistanischen und irakischen Milizkämpfer haben niemals die Kampfstandards der Hisbollah erreichen können. Nasrallah hat Soleimanis Befehl ignoriert, mindestens die Hälfte der Hisbollah-Truppen nach Syrien zurückzuschicken. Nasrallah kritisiert nach Angaben von DEBKAfile die Taktik von Soleimani in Syrien.

DEBKAfile führt aus: „Er tadelte die Entscheidung des Generals, eine große Anzahl von Al-Quds-Kämpfern (iranische Revolutionsgarde, Anm. d. Red.) und schiitischen Milizen im ganzen Land zu zerstreuen, und behauptete, dass die massive US-amerikanisch-israelische Luftwaffe sie bald zu Staub reduzieren würde. Er schimpfte auch über die minderwertige Qualität der schiitischen Milizen (aus dem Irak, Pakistan und Afghanistan, Anm. d. Red.), von denen Soleimani abhängig ist, und sagte, sie seien im Kampf unzuverlässig (...) Die zerbrochenen Bande zwischen dem obersten Chef des Irans und seinem führenden Nahost-Strategen tauchten in den vergangenen zwei Wochen auf, als der iranische Verteidigungsminister Amir Hatami und Außenminister Muhammed Javad Zarif, die wichtige Besuche in Damaskus durchführten, Abstecher nach Beirut und Kontakte zu Hisbollah-Führern ausließen.“

Türkei und USA

Am Dienstag hat der türkische Verteidigungsminister den US-Sondergesandten für Syrien, James Jeffrey, in Ankara empfangen. Die Zeitung Yeni Şafak berichtet: „Bei einem Treffen unter Ausschluss der Öffentlichkeit drückte Akar das Unbehagen der Türkei über die Anwesenheit der YPG / PKK in Syrien aus und sagte, dass die Terrorgruppe die Region verlassen müsse. Er vermittelte auch die Absicht der Türkei, weiterhin ihre Sicherheits- und regionalen Interessen im Einklang mit dem Völkerrecht zu schützen, sowie die Notwendigkeit, die Region vollständig von der terroristischen Organisation zu befreien.“ Ob das Thema Idlib besprochen wurde, bleibt unklar.

Die Zeitung Aydinlik führt dazu aus: „Der US-Sondergesandte für Syrien, James Jeffrey, hat sich sofort nach seiner Ernennung in die Region aufgemacht. Der als 'Mann für Operationen' bekannte Jeffrey verfolgt das Ziel, einen Keil zwischen Russland, der Türkei und dem Iran zu treiben, um den Astana-Prozess zu zerstören. Jeffreys dringlichstes Anliegen betrifft Idlib.“

Zuvor war Jeffrey in Israel und Jordanien. „Wir kennen Jeffrey. Er war zuvor Botschafter in Ankara. Er spricht auch ein gutes Türkisch. Es ist durchaus angebracht, dass er zum Sondergesandten ernannt wurde“, zitiert die Nachrichtenagentur Anadolu den türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu.


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