Finanzen

Ausländische Investoren verstärken Übernahmen in Deutschland

Lesezeit: 3 min
24.09.2018 01:33
Die Zahl der Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Investoren ist stark gestiegen.
Ausländische Investoren verstärken Übernahmen in Deutschland

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Übernahmeaktivitäten bei deutschen Unternehmen bleiben hoch, trotz eines spürbaren Sommerlochs. Wie aus Daten von Thomson Reuters zum Stichtag 17. September hervorgeht, erreichte das Gesamtvolumen angekündigter M&A-Transaktionen mit deutscher Beteiligung im bisherigen Jahresverlauf 216,9 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 137 Prozent gegenüber dem Vorjahr und geht insbesondere auf ein Allzeithoch bei innerdeutschen Transaktionen sowie Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Käufer zurück.

Das Volumen von Deals mit deutschen Zielunternehmen stieg bis Mitte September um 115 Prozent auf 128,1 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit den 1960er Jahren. Die innerdeutsche M&A-Tätigkeit hatte daran einen Anteil von 39 Prozent, während bei 61 Prozent ein ausländischer Käufer beteiligt war. Deals mit Zielen im Ausland summierten sich auf 77,2 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 282 Prozent. Das Volumen innerdeutscher Transaktionen erreicht mit 50 Milliarden Dollar ebenso ein Allzeithoch, wie das Volumen von Übernahmen deutscher Ziele durch ausländische Käufer. Dieses stieg bis zwei Wochen vor Ende des dritten Quartals um 90 Prozent auf 78,1 Milliarden Dollar.

Bemerkenswert: Trotz des Anstiegs beim Transaktionsvolumen mit deutscher Beteiligung wurden im bisherigen Jahresverlauf nur 1.606 Deals angekündigt – ein Rückgang von 10 Prozent gegenüber den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres und die niedrigste Anzahl seit 2013.

 

Weitere Schlaglichter aus den sogenannten "League Tables":

  • Mit Abstand die erfolgreichste Investmentbank in Deutschland in diesem Jahr bleibt auch nach neun Monaten Goldman Sachs, die bei 16 Deals in einem Gesamtvolumen von 144,9 Milliarden Dollar als Berater aktiv war. Auf dem zweiten und dritten Rang tauschten Morgan Stanley und die Deutsche Bank die Plätze: die Amerikaner liegen nun mit 14 Deals für rund 106 Milliarden Dollar hinter den Frankfurtern. Das größte deutsche Institut schob sich dank seiner Beteiligung an 13 Deals für rund 116 Milliarden Dollar einen Platz vor.
  • Weltweit konnte sich die Deutsche Bank zu Ende des dritten Quartals vom zwölften auf den neunten Platz vorarbeiten. Sie war an 99 Deals mit einem Volumen von rund 344 Milliarden Dollar als Berater mit an Bord. Angeführt werden die Top-Ten von Morgan Stanley mit Deals im Wert von 961 Milliarden Dollar, die Goldman Sachs vom ersten Rang verdrängten. Goldman landet mit 891 Milliarden Dollar auf dem zweiten Podestplatz. JP Morgan (708 Milliarden Dollar) verteidigte Rang drei.
  • In ihrem Heimatmarkt Deutschland besetzte die Deutsche Bank im Geschäft mit Anleihen und anderen Schuldpapieren (DCM) mit einem Marktanteil von 8,1 Prozent unangefochten den ersten Platz vor Unicredit, HSBC und JP Morgan. Das DCM-Volumen lag nach neun Monaten in Deutschland insgesamt bei rund 310 Milliarden Dollar.
  • Bei Kapitalerhöhungen, Platzierungen und Börsengängen (ECM) fiel die Deutsche Bank dagegen vom ersten auf den vierten Platz zurück. Eine leichte Verbesserung: denn Mitte des Jahres war sie sogar auf den siebten Platz abgerutscht. Ganz oben auf der Liste finden sich JP Morgan, Goldman Sachs und die Bank of America. Das ECM-Volumen lag in der ersten drei Quartalen bei 27 Milliarden Dollar.
  • In der Liste der zehn größten Übernahmen des Jahres hat das dritte Quartal keine Spuren hinterlassen. Hier bleibt das Ranking des ersten Halbjahres unverändert bestehen, trotz der milliardenschweren Übernahme des Caravan-Herstellers Hymer, die allerdings erst nach Abschluss der League Tables für das zurückliegende Quartal bekannt wurde.
  • Demnach ist und bleibt der bis dato größte Deal mit deutscher Beteiligung im laufenden Jahr die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters Sprint durch die Telekom-Tochter T-Mobile US, die sich inklusive Schulden auf 58,7 Milliarden Dollar summierte. Auf dem zweiten Platz steht weiterhin die Vereinbarung zwischen E.ON und RWE über einen Anteilstausch und die Zerschlagung der RWE-Ökostromtochter Innogy. Auf dem dritten Rang landet die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone.
  • "Das Marktumfeld ist – trotz jüngster makroökonomischer Unsicherheiten – weiterhin positiv für M&A-Transaktionen. Neben weiteren Konsolidierungstransaktionen, wie sie in dieser späten Phase des Zyklus zu beobachten sind, und dem anhaltenden Trend zu Vereinfachung von Konzernstrukturen durch Aufteilungen und Spin-offs, erwarten wir angesichts steigender regulatorischer Hürden etwa bei transatlantischen Transaktionen, dass auch grenzüberschreitende Zusammenschlüsse in Europa wieder vermehrt auf die Tagesordnung rücken werden", sagt Berthold Fürst, bei der Deutschen Bank Co-Leiter Corporate Finance für den deutschsprachigen Raum.
  • "Regulatorische Risiken machen Mega-Deals schwieriger, da zwischen Signing und Closing oft viel Zeit liegt und die Transaktionsrisiken zugenommen haben. Protektionismus kann sich bei kleineren bis mittelgroßen Transaktionen allerdings auch positiv auswirken, da Unternehmen zunehmend eine stärkere lokale Präsenz in einzelnen Märkten anstreben. Die Aktienkurse bewegen sich derzeit eher seitwärts und Übernahmeprämien gehen zurück - das kann als Katalysator für Transaktionen wirken", sagt der Investmentbank-Chef von JP Morgan in Deutschland, Christian Kames.
  • "Chinesische Käufer, vor allem staatliche Konzerne, sind wesentlich vorsichtiger bei Zukäufen in Deutschland geworden. Neben der etwas restriktiveren deutschen Gesetzgebung liegt das vor allem daran, dass in China große schuldenfinanzierte Akquisitionen nicht mehr so gerne gesehen sind. Bei vielen Staatskonzernen hat es Generationswechsel im Management gegeben und die neuen CEOs sehen oft mehr politische Risiken als Chancen bei Akquisitionen in Übersee", sagt der M&A Chef von Barclays in Deutschland, Heiko Mittelhamm.
Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Virus-Ticker: Sachsen will Corona-Schließungen bis Januar beibehalten

Angesichts der sehr hohen Zahl an Neuinfektionen in Sachsen fährt Sachsen jetzt einen harten Kurs. Gastronomie und Hotels sollen bis in...

DWN
Politik
Politik Großbritannien erteilt Zulassung für Corona-Impfstoff von Biontech

Bereits in der kommenden Woche sollen in Großbritannien die Impfungen beginnen. Das Impfkomitee entscheidet, welche Menschen zuerst...

DWN
Deutschland
Deutschland Streit um Rundfunkbeitrag droht Koalition in Sachsen-Anhalt zu sprengen

Wegen der Blockade durch CDU und AfD in Sachsen-Anhalt kann der Rundfunkbeitrag voraussichtlich nicht erhöht werden. Daher droht nun auch...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Spahn rechnet mit Impfbeginn um den Jahreswechsel herum

Um den Jahreswechsel sollten die Dosen zur Verfügung stehen, sagte Spahn. Die Impfzentren sollten bereits Mitte Dezember einsatzbereit...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirecard-Skandal verändert Dax dauerhaft

Die Deutsche Börse stockt den Dax auf 40 Mitglieder auf. Das ist nur eine Folge der Wirecard-Pleite. Die Zusammensetzung des Dax soll...

DWN
Politik
Politik Trumps Truppenabzug aus dem Nahen Osten und Afghanistan sorgt für Unbehagen

Donald Trumps Plan, die Stärke der US-Truppen in Afghanistan und im Irak bis zum 15. Januar 2021 auf jeweils 2.500 Mann zu reduzieren,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Streit im Opec-Kartell: Analysten sehen Risiken für den Ölpreis

Zwischen den Ölnationen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein offener Streit entbrannt. Experten zufolge könnte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bundesregierung präsentiert Zeitplan für Normen und Zertifizierung von künstlicher Intelligenz

Der Einsatz künstlicher Intelligenz verspricht ein gigantisches Wachstum für Deutschland. Jetzt hat die Bundesregierung einen wichtigen...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB erwägt Verlängerung der Krisen-Anleihenkäufe PEPP

Die Europäische Zentralbank prüft derzeit eine Verlängerung ihres Pandemie-Notfallkaufprogramm PEPP (Pandemic Emergency Purchase...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff

Biontech und Pfizer haben bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung ihres Corona-Impfstoffs beantragt. Sollte die Behörde...

DWN
Finanzen
Finanzen EU-Staaten treiben europäische Bankenunion mit ESM-Reform voran

Die Euro-Staaten haben eine Reform des ESM in die Wege geleitet. Dieser soll künftig als "letzte Verteidigungslinie" bei drohenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Robuste China-Daten und Impfstoff-Anträge beflügeln deutsches Leitbarometer

Die deutschen Börsen sind heute Morgen mit Gewinnen in den neuen Tag gestartet. Es gab sehr positive Nachrichten.

DWN
Deutschland
Deutschland Autofahrer tötet zwei Menschen in Fußgängerzone von Trier

Der Fahrer sei festgenommen worden, teilte die Polizei per Twitter am Dienstag mit. Bürgermeister Wolfram Leibe zeigte sich erschüttert:...

DWN
Politik
Politik Wahlbetrug? US-Richter lässt Stimmenzähl-Maschinen in Georgia „einfrieren“

Ein Bezirksrichter im US-Bundesstaat Georgia hat drei Wahlmaschinen „einfrieren“ lassen. Es soll offenbar eine forensische Inspektion...