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Syrien geht gezielt gegen Kommandeure von al-Nusra vor

Lesezeit: 5 min
27.09.2018 03:20
Syriens Außenminister Mekdad hat angekündigt, die gesamte Provinz Idlib militärisch oder politisch zurückerobern zu wollen.
Syrien geht gezielt gegen Kommandeure von al-Nusra vor

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Der syrische Vize-Außenminister Faisal Mekdad hat am Dienstag gesagt, dass die syrische Armee (SAA) die Provinz Idlib entweder durch friedlich oder militärische Mittel zurückerobern wolle. "Da wir in jedem Teil Syriens siegreich waren, werden wir in Idlib siegen und die Botschaft ist allen klar, die von dieser Angelegenheit betroffen sind: Wir kommen durch Krieg oder friedliche Mittel nach Idlib", zitiert der englischsprachige Dienst von Reuters Mekdad.

Dem syrischen Politiker zufolge diene das Idlib-Abkommen zwischen Russland und der Türkei dazu, "die Eskalation zu reduzieren", berichtet die Zeitung Al Hayat. Er fügte nach Angaben der Zeitung Al Alam hinzu, dass Russland im Kampf gegen den internationalen Terrorismus alle Resolutionen der internationalen Gemeinschaft umgesetzt habe. Die russische Führung habe im Kampf gegen den Terrorismus eine "konstruktive Rolle" gespielt.

US-Präsident Donald Trump hat signalisiert, dass er das Vorgehen von "chirurgischen Eingriffen" im Kampf gegen Terroristen unterstützt. Trump sagte bei einer Pressekonferenz in New York, dass er Russland, Syrien und dem Iran dafür Anerkennung zolle, dass es keine Großoffensive gegen Idlib gegeben habe. Die Staaten müssten jedoch gegen die zehntausenden "Terroristen" vorgehen, die sich in der Region aufhalten. Er lobte ausdrücklich die Rolle der Türkei: Die Türkei sei sehr hilfreich gewesen. Eine Frage, was die US-Regierung zur Unterstützung der Kurden unternehmen wolle, beantwortete Trump nicht. Er sagte lediglich, dass die Kurden "große Kämpfer" seien, die an der Seite der Amerikaner kämpfen und sterben.

Aus hochrangigen Kreisen der FSA geht hervor, dass in der Provinz Idlib in den vergangenen vier Monaten insgesamt 310 Kommandeure "dschihadistischer" Gruppen bei Attentaten ums Leben gekommen sind. Unter den Getöteten befanden sich insgesamt 78 Kommandeure der al-Nusra-Front (heute Hayat Tahrir al-Scham - HTS). Zuletzt wurden der HTS-Kommandeur Abu Talha Iraki in der Stadt Maraat an-Numan, die sich in Idlib an der Autobahn von Aleppo nach Hama (M5, Anm. d. Red.) befindet, und der Kommandeur der Gruppe Hurras al-Deen, Abu Sayyaf, im Dorf Kansafra (Idlib) getötet. Auffällig ist, dass bei den Attentaten hauptsächlich Mitglieder der Führungsriege von HTS und Hurras al-Deen getötet werden. Beide Gruppierungen, die international als Terrororganisationen eingestuft werden, hatten zuvor den Idlib-Deal zwischen Russland und der Türkei abgelehnt. Sie erklärten, ihren Kampf gegen die Regierung in Damaskus und gegen russische und türkische Truppen in Idlib weiterführen zu wollen.

CNN Türk führt aus, dass auch Mitglieder der FSA von Attentaten betroffen seien. Doch diese werden von "dschihadistischen" Gruppen und Al-Qaida-nahen Verbänden ausgeführt. Der Sender wörtlich: "Eine der aktivsten Gruppen in Idlib ist Dschund al-Aqsa. Dschund al-Aqsa ist ein Arm des IS. Die Verbände der Gruppe befinden sich in Idlib, Hama und Aleppo. Der Unterschied zu allen anderen Gruppen in Idlib liegt darin, dass sie komplett im Untergrund agiert und sich als Zellen organisiert. Die Zellen bestehen aus mindestens drei und maximal fünf Personen. Dschund al-Aqsa führt Attentate gegen die Führer und Kommandeure der Freien Syrischen Armee und anderer Oppositionsgruppen aus. Dabei setzt die Gruppe vor allem auf mit Sprengstoff ausgestattete Fahrzeuge und Motorräder, Unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung (Improvised Explosive Device - IED, Anm. d. Fed.) und nächtliche Häuser-Überfälle mit Schalldämpfern ausgestattete Waffen. Den jüngsten Geheimdienstberichten zufolge gibt es 600 Zellen (also maximal 3.000 Kämpfer, Anm. d. Red.) von Dschund al-Aqsa."

RFS Media Office, die als offizielle Nachrichtenagentur der Freien Syrischen Armee (FSA) auftritt, meldet, dass am Dienstag eine Reihe von russischen Soldaten den Sayeda Zeinab-Schrein in der syrischen Hauptstadt Damaskus besucht haben. Aus Bildern geht hervor, dass die Soldaten ihre Hände an den Schrein legten, um Gebete zu sprechen. Bei den russischen Soldaten, die als Militärpolizisten in Damaskus tätig sind, handelt es sich offenbar um Muslime.

Lage in Syrien

Die Söldner-Truppen, die ohne unmittelbare Hilfe ausländischer Soldaten auskommen müssen, haben nur noch die Kontrolle über ein Gebiet im Nordwesten des Landes, so Reuters. Es umfasst den Großteil der Provinz Idlib sowie einige kleinere benachbarte Regionen der Provinzen Latakia, Hama und Aleppo. Die schlagkräftigste Gruppierung ist HTS, berichtet das Middle East Center für Reporting and Analysis (MECRA). Die UN, die USA, Russland, Syrien und die Türkei stufen die Gruppe als Terrororganisation ein. Die Türkei hat aus mehreren anderen größeren Söldner-Truppen eine rivalisierende Allianz geschmiedet, die sich Nationale Befreiungsfront (NLF) nennt.

Im Gebiet an der Grenze zur Türkei lebten ursprünglich etwa drei Millionen Menschen, von denen inzwischen nach UN-Angaben etwa die Hälfte auf der Flucht ist. In der Region halten sich auch mehr als eine halbe Million Menschen aus anderen ehemaligen Söldner-Hochburgen auf. Unter massivem militärischen Druck gingen sie auf Vereinbarungen mit der Regierung ein, nach denen sie mit Bussen nach Idlib evakuiert wurden statt in Gebiete unter der Kontrolle der Regierung zurückzukehren.

Die Türkei, Russland und der Iran beschlossen vor einem Jahr, Idlib zu einer “Deeskalationszone” zu machen, um die Kämpfe zu reduzieren, so Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL). Die Türkei drang 2016 und 2018 auf syrisches Territorium vor, um dort Söldner-Truppen zu unterstützen. Nach und nach wurde so ein Landstreifen entlang der Grenze geschaffen, der von Afrin im Westen bis zum Euphrat im Osten reicht. Die Türkei half der Freien Syrischen Armee (FSA) beim Aufbau von Kommunalverwaltungen und Polizei und richtete Schulen und Krankenhäuser ein. Außerdem weitete die Türkei ihr eigenes Postsystem und andere öffentliche Dienste dorthin aus.

Obwohl die FSA-Gruppen in dem Gebiet Assad ablehnen, haben sie die Regierung seit Beginn des türkischen Einmarsches nicht mehr direkt bekämpft. Auch in dieser Region haben ebenso wie in Idlib Kämpfer und Zivilisten aus anderen ehemaligen Söldner-Hochburgen wie Ost-Ghuta Zuflucht gefunden.

USA in Al-Tanf

Das US-Militär richtete 2016 gemeinsam mit der Söldner-Truppe Machawir al-Thaura (MaT) einen Stützpunkt in Al-Tanf ein, tief in der Wüste nahe den Grenzen zu Jordanien und dem Irak. Die Basis liegt in der Nähe der Autobahn von Damaskus nach Bagdad. Die US-Truppen haben eine weite Pufferzone darum gezogen und greifen jeden Verband an, der die Straße benutzen will oder sich dem Camp nähert, berichtet die Washington Post. Am 31. Mai 2018 zerstörte die Gruppe im Südosten Syriens eine Stellung des IS. Dabei fanden die Söldner von MaT in einem Lager des IS 300.000 Fenetyllin-Tabletten im Wert von 1,4 Millionen Dollar. Fenetyllin ist auch unter dem Handelsnamen Captagon bekannt. The Middle East Eye führt aus: "Captagon, ein Amphetamin, das normalerweise in Pillenform vorkommt, ist im Laufe des Syrienkrieges in den Vordergrund getreten. Es wurde während des siebenjährigen Krieges von Kämpfern ausgiebig genutzt. Die Droge betäubt die Sinne und kann ihre Benutzer tagelang wach halten, was nach Meinung der Kämpfer auf dem Schlachtfeld nützlich ist. Überwiegend in Syrien hergestellt, haben Nachbarländer wie der Libanon begonnen, einen Anstieg von Captagon innerhalb ihrer Grenzen zu beobachten. Das Amphetamin wird auch in Syrien und anderswo als Partydroge verwendet. Im Jahr 2015 wurde ein saudischer Prinz, Abdel Mohsen Bin Walid Bin Abdulaziz, zusammen mit vier anderen Personen gefangen genommen. Sie hatten versucht, zwei Tonnen Captagon vom Beiruter Flughafen zu schmuggeln."

Syrische Demokratische Kräfte (SDF)

Die kurdische YPG-Miliz übernahm 2012, als die Regierungstruppen in den Kampf gegen die Söldner im Westen zogen, die Kontrolle über weite Gebiete im Nordosten Syriens. 2014 stellte sich die YPG mit anderen Gruppen der Terror-Miliz IS auf deren Vormarsch entgegen und erhielt dafür auch Unterstützung der USA. Daraus bildeten sich die Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF).

Die SDF kontrollieren heute fast ein Viertel von Syrien östlich des Euphrats, darunter die frühere IS-Hauptstadt Rakka und Teile der wichtigsten Ölfelder des Landes. Die Kämpfer nahmen 2016 auch die Gegend um Manbidsch ein, die westlich des Euphrats liegt. Dies ist ein großer Streitpunkt mit der Türkei, weil die YPG und die SDF beide Ableger der PKK sind. Die PKK wird in der EU und in der Türkei als Terrororganisation eingestuft.

Terror-Miliz IS

Die Terror-Miliz IS kontrollierte zeitweise einen Großteil Ostsyriens, verlor durch Gegenoffensiven der Regierung und der SDF 2016 und 2017 aber fast ihr komplettes Territorium. Heute hält der IS noch einen schmalen Streifen Landes am Nordufer des Euphrats und einige Flecken in der Wüste in Zentralsyrien.

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