Politik

In Syrien nehmen die Besatzungszonen Gestalt an

Lesezeit: 3 min
01.10.2018 23:12
In Syrien verfestigen sich die Linien, anhand derer das Land künftig geteilt werden könnte.
In Syrien nehmen die Besatzungszonen Gestalt an

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Die US-Denkfabrik RAND, die dem Pentagon nahe steht, führt in einer aktuellen Studie aus, dass Syrien faktisch in Zonen aufgeteilt wurde. RAND wörtlich: "In den vergangenen Monaten wurden mehrere solcher Zonen konsolidiert. Im Nordosten wird die US-geschützte Zone von den kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrolliert. Im Norden um die Stadt Dscharabulus herum befindet sich eine türkisch geschützte Zone, die das kurdisch kontrollierte Gebiet und einen zweiten kurdischen Kanton im Nordwesten, Afrin, trennen soll. Im Südwesten, angrenzend an die israelisch besetzten Golanhöhen, befindet sich eine Zone, die von Israel, Jordanien und den USA gesponsert wird. Und als Ergebnis der Gespräche in Astana wurden mehrere Deeskalationszonen im Landesinneren, insbesondere in Ghouta und Homs, eingerichtet. Diese Zonen haben keine externen Protektoren. Sie (Söldner in den Zonen, Anm. d. Red.) werden wahrscheinlich unter die Kontrolle der Regierungstruppen fallen, oder aber sich zu den Bedingungen der Regierung in Damaskus versöhnen. Problematischer ist das Gebiet um die Stadt Idlib, das von der Al-Qaida nahestehenden Oppositionsgruppe Hayat Tahrir al-Scham (HTS) dominiert wird (...) Die Zukunft dieses Gebiets hängt von der Orientierung der Türkei ab. Die derzeitige Entwicklung deutet auf eine allmähliche Erosion der oppositionellen Kontrolle durch eine Kombination aus Regime- und türkischem Druck hin."

Wie lange die extern gesponserten Zonen fortbestehen werden, hängt nach Angaben der RAND Corporation in erster Linie von Entscheidungen ab, die in Washington, Moskau, Ankara, Amman und Jerusalem getroffen werden. Die syrische Regierung, die vom Iran unterstützt wird, will die Zonen schließen und die Kontrolle über das gesamte syrische Territorium wiederherstellen. Die Kurden werden ihre Autonomie nicht freiwillig aufgeben, aber sie werden wahrscheinlich fortgesetzte Unterstützung der USA benötigen, um die Zone der PKK/PYD aufrechtzuerhalten. Ankara wird weiterhin als Hindernis zwischen den östlichen und westlichen kurdischen Enklaven entlang der türkisch-syrischen Grenze agieren. Israel ist entschlossen, zu verhindern, dass iranische oder iranische Stellvertreter (Hisbollah) seine Grenzen erreichen.

Es sei völlig unklar, wie lange die US-Präsenz in Syrien andauern werde. Schließlich könnte eine Militärpräsenz der USA im Osten Syriens, auch nach einem Sieg über den IS, nützlich sein, um den iranischen Einfluss auszubalancieren und einen Hebel in den Verhandlungen über die längerfristige syrische Zukunft zu setzen, so die RAND Corporation. Washingtons arabische und israelische Verbündete werden die Vereinigten Staaten auffordern, in diesem Teil Syriens zu bleiben, um die Ausdehnung des iranischen Einflusses dort zu verhindern, aber die rechtlichen und innenpolitischen Gründe für eine längerfristige US-Militärpräsenz in Syrien werden nach der Zerschlagung des IS problematischer sein.

Eine Aufteilung Syriens durch die externen Konfliktparteien rückt näher.

HTS bleibt unberechenbar

Am vergangenen Sonntag haben Söldner der al-Nusra-Front (heute Hayat Tahrir al-Scham - HTS) das al-Khalidiya-Viertel und die al-Nil-Straße in der Stadt Aleppo mit Raketen und Mörsergranaten angegriffen, meldet die Nachrichtenagentur SANA. Betroffen waren die Gebiete al-Rashedeen und Jamiet al-Zahraa. Der Angriff führte lediglich zu materiellen Schäden.

Die Türkei geht im Inland gegen Personen vor, denen Unterstützung oder Mitgliedschaft von HTS vorgeworfen wird, berichtet die Zeitung Vatan. In der Provinz Hatay nahmen türkische Sicherheitskräfte den syrischen Staatsbürger M.D. fest. Er soll als Mitglied von HTS als "Richter" fungiert haben. Sein letzter Wohnsitz befand sich in der Stadt Arsuz (Bezirk Nergizlik).

Diversen Berichten zufolge sollen die Söldner der Organisation Faylaq al-Scham haben am Sonntag damit begonnen, sich aus dem Gebiet zwischen Wadi Abid und Tall Bajir nach Idlib zurückzuziehen. Wadi Abid und Tal Bajir befinden sich beide in dem Gebiet, das von Russland und der Türkei zur entmilitarisierten Zone erklärt wurde. Nach Angaben des Middle East Eye (MEE) verfügt Faylaq al-Scham über 8.500 bis 10.000 Kämpfer.

Doch die Gruppe meldete in einer Erklärung, dass sie sich nicht zurückgezogen habe. "Wir bestreiten kategorisch, dass sich Faylaq al-Scham von einigen seiner Positionen im südlichen und westlichen Aleppo zurückgezogen hat", zitiert The Daily Sabah einen Sprecher der Nationalen Befreiungsfront (NLF). Der Dachverband NLF wird von der Türkei kontrolliert. Faylaq al-Scham ist ein Mitglied der NLF. Die falsche Information über einen angeblichen Rückzug wurde von der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) in Umlauf gebracht.

Die NLF lehnt es ab, dass in der entmilitarisierten Zone am Rande von Idlib russische Militärpolizisten stationiert werden, berichtet der türkischsprachige Dienst von euronews. Die Türkei habe zugesagt, dafür zu sorgen, dass dort keine Russen stationiert würden, sagte der NLF-Sprecher Nadschi Mustafa.

Kurden trainieren für Häuserkampf

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die sich aus Kämpfern der PKK/PYD zusammensetzen und von den USA kontrolliert werden, haben in der syrischen Tabqa-Region bisher sieben Militärakademien gegründet, meldet die Pressestelle der SDF. In der Region befindet sich auch die geostrategisch wichtige Tabqa-Talsperre. Derzeit gilt die Märtyrer-Akademie "Juma al-Nazzal" als die wichtigste Akademie. Am vergangenen Wochenende wurde in "Juma al-Nazzal" der erste Kurs zur Ausbildung von Spezialkräften durchgeführt. Aboud Duschka, der Leiter der Juma al-Nazzal Academy, sagt, dass die SDF-Kämpfer an leichten und mittleren Waffen trainiert werden. Es werden Trainingseinheiten für den Häuserkampf und Überfälle durchgeführt. Unklar ist, warum die SDF-Kämpfer ausgerechnet für den Häuserkampf und Überfälle ausgebildet werden, zumal die Terror-Miliz IS in Syrien fast vollständig besiegt ist und sich nicht mehr in urbanen Gebieten, sondern in den Wüstenregionen befindet.

Den letzten Häuserkampf führte die PKK/PYD ab dem 8. August 2015 in den türkischen Städten Sur, Cizre und Nusaybin durch. Unter hohen Verlusten konnten die türkischen Sicherheitskräfte die Städte unter Kontrolle halten. Bei den Gefechten wurden 714 türkische Soldaten, Polizeieinheiten und kurdische Dorfschützer entweder getötet oder schwer verletzt. Auf Seiten der PKK/PYD wurden 2.544 Kämpfer entweder getötet oder verletzt. Im Mai 2016 verkündete die PKK/PYD, dass sie sich aus den Kampfgebieten zurückziehe, berichtet CNN Türk.

Das türkische regierungsnahe Blatt Takvim berichtete im März 2016, dass die PKK-Kämpfer sich aus der Türkei in den Nordosten Syriens zurückziehen würden. Seitdem hat es in der Türkei keine Anschläge gegeben.

 

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