Diesel-Skandal gelöst: Kunden sollen neue Autos kaufen

 

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03.10.2018 00:38
Die Folgen des Diesel-Skandals müssen in Deutschland im wesentlichen die Autobesitzer tragen.
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Die Folgen für den Diesel-Skandal müssen in Deutschland weitgehend die Autobesitzer zahlen. Das Ergebnis eines Diesel-Gipfels der Bundesregierung besteht darin, dass die Regierung den Auto-Herstellern empfiehlt, ihren geschädigten Kunden Angebote zum Kauf eines neuen Autos zu unterbreiten. Besitzer älterer Diesel in Regionen mit besonders schmutziger Luft sollen neue Angebote zum Kauf sauberer Wagen und für Hardware-Nachrüstungen bekommen. Das geht aus dem Beschlusspapier der Koalitionsspitzen hervor.

Vorgesehen sind diese beiden Möglichkeiten zum einen bezogen auf 14 "besonders betroffene Städte" mit hohen Grenzwertüberschreitungen bei der Luftbelastung mit Stickstoffdioxid. Zum anderen geht es um weitere Städte, in denen demnächst Fahrverbote kommen könnten. Betroffen sind aktuell: München, Stuttgart, Köln, Reutlingen, Düren, Hamburg, Limburg an der Lahn, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Backnang, Darmstadt, Bochum und Ludwigsburg. Zum anderen gilt die Empfehlung wahrscheinlich bald in weiteren Städten, in denen demnächst Fahrverbote kommen könnten, darunter Frankfurt am Main.

Im Detail sagten die deutschen Hersteller dem Bund laut dem Beschlusspapier zu, für Besitzer von Wagen der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 "ein Tauschprogramm mit attraktiven Umstiegsprämien oder Rabatten" anzubieten. Gekauft werden können Neuwagen und auch Gebrauchte.

Für Euro-5-Diesel soll als zweite Möglichkeit der Einbau zusätzlicher Abgasreinigungstechnik am Motor ermöglicht werden. Dabei macht die Regierung Druck auf die Hersteller, die vollen Kosten für Motor-Nachrüstungen zu übernehmen. Die Haftung sollen jedoch die Firmen übernehmen.

Daniel Saurenz von Feingold Research nannte die Einigung laut dpa etwas weich, allerdings könnten die Hersteller mit der Vereinbarung ganz passabel leben. So animiere die Umtauschprämie, weiter Kunde des jeweiligen Herstellers zu bleiben, und sei de facto nichts anderes als ein anders benannter Rabatt auf einen Neuwagen.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten:  „Alles ist sehr unkonkret und unübersichtlich. Allerdings ist es so gut wie sicher, dass die Hardware-Nachrüstung tot ist. Jetzt bleibt den Autofahrern nur, sich einen neuen Wagen zu kaufen. Das heißt, sie tragen die Kosten für die Diesel-Affäre. Die Autobauer dagegen profitieren – für sie ist das Ganze ein tolles Verkaufsprogramm. Eine Umtauschprämie hätten sie den Käufern doch eh gezahlt. Wahrscheinlich wäre die unter anderen Umständen etwas niedriger ausgefallen – aber die Konzerne verdienen auch so noch genug.“

Die Nachrüstung ist technisch nicht kalkulierbar und wird deshalb von den meisten Herstellern mit spitzen Fingern angefasst: BMW lehnt Hardware-Nachrüstungen auf Unternehmenskosten komplett ab. Daimler will sich zwar prinzipiell an einem Hardware-Nachrüstungsprogramm beteiligen. Die genauen Spezifikationen des Programms müssen noch geklärt werden. VW würde Hardware-Nachrüstungen akzeptieren, wenn die Bundesregierung sicherstellt, dass sich alle Hersteller beteiligen. Das ist unwahrscheinlich, weil die Hersteller den Standpunkt vertreten, dass sie sich an die Regeln gehalten hätten, die von der Politik gemacht wurden. In der Tat hat Deutschland jahrelang bei der EU Lobbyarbeit betrieben, um die Diesel-Tests zu minimieren.

Autofahrer, die kein Geld für einen Neukauf haben, und bei denen die Hersteller keine Nachrüstung zahlen wollen, haben unter Umständen den Schwarzen Peter gezogen.

Die Folge könnte jedoch auch sein, dass viele Autobesitzer auf das Angebot nicht einsteigen und einfach weiterfahren. So empfiehlt die Auto-Bild: "Wenn Sie einen Diesel fahren, der nicht die Euro-6-Norm erfüllt, fahren Sie ihn einfach weiter. In den meisten Regionen Deutschlands droht Ihnen nie ein Fahrverbot. Und wenn Sie soweit sind, entscheiden Sie sich für ein neues Auto. Ob jetzt oder später, ist Ihr Ding. Hohe Rabatte bekommen Sie auch ohne Koalitions-Beschluss."

Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler rechnet laut dpa damit, dass weit weniger als eine Million Kunden ihr Auto aufgrund der neuen Angebote verkaufen dürften.

Die Umtauschprämien sind im Grunde bescheidene Rabatte: BMW will Umtauschprämien in Höhe von 2.000 bis 6.000 Euro zahlen. VW will Umtauschprämien in Höhe von durchschnittlich 4.000 bis 5.000 Euro zahlen. Daimler will Umtauschprämien in Höhe von 2.000 bis 10.000 Euro zahlen.

Die Bedingungen, unter denen die Prämien gezahlt werden, variieren. Die Autofahrer müssen sich vom Hersteller beraten lassen. Die Übersicht zu behalten, ist kaum möglich.

Industrie hofft auf Neugeschäft

Der Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM, Bergisch Gladbach) geht davon aus, dass sich die Kosten für die Hersteller durch Umtauschprämien und – wenn es sie denn überhaupt geben wird – durch Hardware-Umrüstungen auf rund rund 12,5 Milliarden Euro summieren könnten. Darin sind die Gewinne durch Neuverkäufe von Fahrzeugen allerdings nicht mit eingerechnet.

Die Aktien von Daimler zogen als einer der Dax-Favoriten um zwei Prozent an. BMW legten um knapp ein Prozent zu. Und auch die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) gewannen trotz eines Absatzknicks in den USA leicht.

Ein BMW-Sprecher sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten:

"Die BMW Group begrüßt das Konzept für saubere Luft und die Sicherung der individuellen Mobilität in unseren Städten. Es ist eine Chance, die Diesel-Debatte zu versachlichen und die Zukunft dieser Antriebsform zu sichern.

Wir begrüßen auch, dass mit den heute vorgestellten technischen Regeländerungen bundesweite Rechtssicherheit und damit die Voraussetzung geschaffen werden soll, Fahrverbot zu vermeiden.

Als BMW Group setzen wir dabei voll auf die Flottenerneuerung durch die Umweltprämien und auf die Software Updates. Hardware Nachrüstungen sind dabei für uns nicht sinnvoll. Es geht jetzt in erster Linie darum, die Luftqualität schnell zu verbessern. Jegliche SCR-Hardware-Maßnahme würde den Kunden allenfalls ab 2021 zur Verfügung stehen und hat dabei negative Auswirkung auf Qualität, Gewicht, Verbrauch/Co2 Ausstoß und Leistung der Fahrzeuge.

Mit einer Umtauschprämie in Höhe von 6.000 Euro für Neufahrzeuge und 4.500 Euro für Junge Gebrauchte oder Vorführwagen bei Kauf oder Leasing bieten wir unseren Kunden in den vom Bund definierten Städten rückwirkend zum ersten Oktober ein äußerst attraktives Angebot, mit dem wir dort eine signifikante Beschleunigung der Flottenerneuerung von Diesel-Pkw Euro 4 und Euro 5 bewirken."

Ein VW-Sprecher sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten:

"VW unterstützt die Vorschläge der Bundesregierung für den Umtausch von Fahrzeugen. Uns ist es ein großes Anliegen, dass Einfahrverbote in den 14 fraglichen Städten in Deutschland verhindert werden und sind deshalb auch bereit, dafür für den Kunden umfassende Programme anzubieten.

Im Hinblick auf die Nachrüstung gehen wir davon aus, dass die Bundesregierung sicherstellt, dass sich alle Hersteller an den entsprechenden Maßnahmen beteiligen.

Die Umsetzung hängt von Lösungen von Nachrüstfirmen ab; diese Lösungen müssen vorliegen, zugelassen und dauerhaltbar sein und damit die Kunden überzeugen. Wir weisen darauf hin, dass mit einer Nachrüstlösung Mehrverbrauch und Komforteinbußen verbunden sind."


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