Politik

Trump: Die Fed ist „verrückt geworden“

Lesezeit: 3 min
11.10.2018 00:35
Die US-Börsen sind am Mittwoch massiv eingebrochen. US-Präsident kritisierte die Federal Reserve wegen der Zinspolitik scharf.

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Nach den schweren Verlusten am US-Aktienmarkt hat Präsident Donald Trump erneut gegen die Notenbank Federal Reserve (Fed) ausgeteilt. «Ich denke, dass die Fed einen Fehler macht», sagte Trump am Mittwoch auf die Frage eines Journalisten nach dem heftigen Kursrückgang an der Wall Street. Die Notenbank fahre geldpolitisch einen zu straffen Kurs. «Ich denke, dass die Fed verrückt geworden ist», fügte der US-Präsident hinzu.

Trump hatte die US-Geldpolitik bereits zuvor wiederholt öffentlich kritisiert, was für US-Präsidenten ungewöhnlich ist. Ende September meldete er sich zu Wort, nachdem die Fed die Leitzinsen zum dritten Mal in diesem Jahr angehoben hatte: «Leider haben sie die Zinsen gerade wieder erhöht. Ich bin darüber nicht glücklich.»

Trump befürchtet, dass die Notenbank den US-Wirtschaftsboom abwürgen könnte. Fed-Chef Jerome Powell betonte aber jüngst die Unabhängigkeit der Notenbanker: «Wir berücksichtigen keine politischen Faktoren.»

Der New Yorker Aktienmarkt hat am Mittwoch einen seiner bisher schlimmsten Tage im Jahr 2018 hinter sich gebracht. Bei den Standardwerten und noch mehr im Technologiesektor standen die Zeichen auf Ausverkauf. Der sich fortsetzende Handelsstreit zwischen den USA und China und die Furcht vor weiter steigenden Zinsen am US-Anleihemarkt setzten den Kursen zur Wochenmitte erneut zu und verstärkten damit die seit einigen Tagen zu beobachtende Abwärtsdynamik.

So brach der technologielastige Nasdaq 100, der Anfang Oktober mit etwas über 7700 Punkten noch eine Bestmarke erreicht hatte, um 4,44 Prozent auf 7044,50 Punkte ein. Dies war der höchste Tagesverlust in diesem Jahr. Kaum besser erging es dem Nasdaq Composite mit minus 4,08 Prozent. Beide Indizes haben in diesem Jahr bisher wesentlich besser abgeschnitten als der Leitindex Dow Jones Industrial und der marktbreite S&P 500 - mit ein Grund für den sehr hohen Verkaufsdruck im Techsektor.

Aber auch der Dow erlebte am Mittwoch einen schwarzen Tag mit einem Verlust von 3,15 Prozent auf 25 598,74 Punkte. Allerdings hatte der Leitindex in diesem Jahr Anfang Februar mit einem Minus von mehr als viereinhalb Prozent an einem einzigen Tag noch stärker verloren. Auch der Dow war erst vor einer Woche bei knapp 26 952 Punkten auf ein Rekordhoch gestiegen. Der S&P 500 sackte am Mittwoch um 3,29 Prozent auf 2785,68 Punkte ab.

Konjunkturseitig kamen aus den USA die Erzeugerpreise, die im September um 2,6 Prozent zum Vorjahr gestiegen waren und damit etwas weniger als erwartet. Die Daten nehmen ein wenig den Druck von der US-Notenbank Fed, die Zinsen noch rascher als erwartet anzuheben. «Insgesamt stehen die Zahlen fortgesetzten, graduellen Zinserhöhungen der US-Notenbank aber nicht im Weg», kommentierte Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba.

Vor dem Treffen der G20-Finanzminister auf der indonesischen Insel Bali bahnt sich nun ein neuer Streit zwischen China und den USA an. US-Finanzminister Steven Mnuchin warnte Peking vor einer Abwertung der chinesischen Währung, um sich Handelsvorteile zu verschaffen. Daneben schwelt der Handelskonflikt beider Länder weiter. Laut US-Präsident Donald Trump ist die chinesische Regierung noch nicht bereit für eine Einigung, weshalb einige Treffen mit chinesischen Offiziellen abgesagt worden seien. Trump drohte erneut mit weiteren Sonderzöllen auf chinesische Waren im Wert von 267 Milliarden Dollar.

Im Techsektor verzeichneten die unter dem Akronym FAANG zusammengefassten Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und der Google-Mutter Alphabet herbe Verluste zwischen 4 und 9 Prozent.

Eine negative Einschätzung der Bank Morgan Stanley für den europäischen Luxusgütersektor hinterließ auch bei einigen Branchenwerten aus den USA ihre Spuren. So knickten die Papiere des Juwelenhändlers Tiffany um mehr als 10 Prozent ein. Die Anteile des Kosmetikherstellers Estee Lauder fielen um fast siebeneinhalb Prozent.

Im Dow waren die Papiere des Sportartikelherstellers Nike mit einem Minus von 6,81 Prozent auf dem letzten Platz. Gewinner gab es keine. McDonalds waren mit minus 0,86 Prozent an der Dow-Spitze. Home Depot landeten mit minus 1,05 Prozent ebenfalls im vorderen Feld. Händler sagten, die Baumarktkette könnte von Schäden durch Hurrikan Michael profitieren, der mittlerweile in Florida auf Land getroffen ist.

Der Tabakproduzent Altria erwägt einem Pressebericht zufolge den Einstieg in die Cannabis-Firma Aphria. Das sorgte für einen Kursrausch vor allem bei Aphria, deren Aktien um 14,13 Prozent hochsprangen. Altria legten zunächst ebenfalls zu, notierten am Ende des Tages aber 0,30 Prozent schwächer.

Im Fokus standen zudem mit Aetna und CVS Health zwei Werte aus dem Gesundheitssektor. Die Drogerie- und Apothekenkette CVS bekommt grünes Licht von der US-Kartellbehörde für die Übernahme des Krankenversicherers. Allerdings müssen Geschäftsteile verkauft werden, wie das Justizministerium in Washington mitteilte. Bei den Anlegern kamen die Nachrichten gut an: Sowohl CVS- als auch Aetna-Aktien standen lange Zeit im Plus, drehten dann aber im Zuge der Gesamtmarktschwäche ins Minus und verzeichneten zum Handelsschluss vergleichsweise moderate Verluste.

Kräftige Einbußen von mehr als 7 Prozent verbuchten schließlich die Papiere von Fastenal nach Umsatzzahlen. Am Markt wurde auf enttäuschende Bruttomargen des Herstellers von Verbindungsmitteln verwiesen.

Der Euro-Kurs legte zu. Im New Yorker Handel kostete die Gemeinschaftswährung zuletzt 1,1524 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1500 (Dienstag: 1,1435) US-Dollar festgelegt. Der Dollar hatte damit 0,8696 (0,8745) Euro gekostet. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen gewannen 10/32 Punkte auf 97 17/32 Punkte und rentierten mit 3,169 Prozent.



Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

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