Politik

Investoren buhlen um Milliarden aus Saudi-Arabien

Lesezeit: 5 min
25.10.2018 00:51
Unternehmen und Politiker aus Russland, Asien und den USA sind zu einer umstrittenen Investorenkonferenz nach Saudi-Arabien gereist. Deutschland hält sich dagegen zurück.
Investoren buhlen um Milliarden aus Saudi-Arabien

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Saudi-Arabien hat am Dienstag auf der in Riad stattfindenden Konferenz Future Investment Initiative (FII) 25 Absichtserklärungen (MoUs) im Wert von 50 Milliarden Dollar abgeschlossen. Unter den Vertragspartnern befinden sich nach Angaben der Khaleej Times Unternehmen wie Trafigura, Total, Hyundai, Norinco, Schlumberger, Halliburton und Baker Hughes.

Das japanische Unternehmen Sumitomo Chemical unterzeichnete am Dienstag mit der saudi-arabischen staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco eine Absichtserklärung. Der NIKKEI Asian Review führt aus: "Die südkoreanische Firma Hyundai Heavy Industries unterzeichnete eine Vereinbarung über eine mögliche Investition in den internationalen Marinekomplex für Industrie und Dienstleistungen, eine Werft in Ras Al Khair, die nach Fertigstellung voraussichtlich die größte der Welt sein wird. Der französische Energiekonzern Total und der in den USA ansässige Baker Hughes, Teil der General Electric Gruppe, gehörten zu den anderen Unterzeichnern."

34 Milliarden Dollar der insgesamt 50 Milliarden Dollar entfallen nach einer Pressemitteilung von Saudi Aramco auf Absichtserklärungen mit Saudi Aramco. Die Vertragsunternehmen stammen aus Frankreich, China, den USA, Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Vereinigten Königreich, Südkorea und Indien.

Dazu gehört ein MoU mit Total um technische Studien zum Bau eines petrochemischen Komplexes in Jubail durchzuführen und eine Vereinbarung mit Total über die mögliche Einrichtung eines Tankstellennetzes. Weitere MoUs umfassen:

- Absichtserklärung mit Hyundai Heavy Industries über potenzielle am König Salman International Maritime Complex für Industrien und Dienstleistungen in Ras Al Khair

- Baker Hughes GE

- Vereinbarung mit Schlumberger

- Vereinbarung mit Halliburton

- Vereinbarung mit Oilfield Supply Center Limited

- Vereinbarung mit Flex-Steel, um in RTP-verstärkte thermoplastische Rohranlagen zu investieren

- Vereinbarung mit NPCC (National Petroleum Construction Company, Vereinigte Arabische Emirate), um in einen voll integrierten Fabrikationshof und eine Marinebasis zu investieren

- Vereinbarung mit SeAH Changwon integrierte Specialty Steel Co. Limited (Südkorea), um in Lokalisierung von Maschinenbau Stahl zu investieren

- Vereinbarung mit GumPro (Indien), um in eine Bohrchemieanlage zu investieren

- Vereinbarung mit Acwa Power (Saudi-Arabien) und Air Product (USA) über das Projekt zur Vergasung von Jazan-Raffinerie

- Vereinbarung mit Sumitomo (Japan) über mögliche Investitionen zur Modernisierung der PetroRabigh-Raffinerie

- Vereinbarung mit Norinco (China) über potenzielle Investitionen in Raffinerie- und Chemieprojekte

- Vereinbarung mit NOV (USA), um Investitionen in die Herstellung und Reparatur von Onshore-Anlagen und Ausrüstung zu tätigen

Der Chef des Russian Direct Investment Fund, Kirill Dimitriew, sagte Al Arabiya, warum 20 hochrangige Führungskräfte russischer Ölfirmen und Banken an der FII-Konferenz teilnehmen. "Wir glauben, dass wir zusammen mit unseren Partnern Milliarden und zig Milliarden Dollar in Saudi-Arabien investieren werden. Es gibt viele russische Unternehmen aus der petrochemischen Industrie und anderen Sektoren. Sie wollen in Saudi-Arabien investieren", zitiert die staatliche russischen Nachrichtenagentur TASS Dimitriew. Allerdings wurden zwischen Saudi-Arabien und Russland auf der FII-Konferenz noch keine konkreten Abkommen geschlossen. Die Weigerung des Siemens-Chefs Joe Kaeser, an der FII-Konferenz teilzunehmen, hat zur Verzögerung eines Vertragsabschlusses zwischen Siemens und Riad im Wert von 20 Milliarden Dollar geführt.

Trafigura hat einen Vertrag zur Entwicklung eines Schmelz- und Raffineriekomplexes unterzeichnet, so CPI Financial.

Pakistan erhält Kredit von Saudi-Arabien

Pakistan und Saudi-Arabien haben sich auf der Konferenz auf ein Kreditpaket in Höhe von sechs Milliarden Dollar geeinigt. Saudi-Arabien wird drei Milliarden Dollar direkt an Pakistan als "Zahlungsbilanzhilfe" zahlen, während eine weitere einjährige Zahlungsfrist von bis zu drei Milliarden Dollar für Ölimporte vereinbart wurden. "Diese Vereinbarung wird für drei Jahre gelten, die danach überprüft wird", zitiert Bloomberg das pakistanische Finanzministerium aus einer Erklärung. Pakistans Hauptindex stieg am Mittwoch um 3,8 Prozent und die Rupie gewann gegenüber dem Dollar sogar ein Prozent an Wert.

Deals hinter den Kulissen

Während zahlreiche Top-Banker ihre Teilnahme abgesagt haben, werden laut Bloomberg hinter den Kulissen weiter Deals vorbereitet. Führende Investmentbanker der HSBC Holdings Plc, der Societe Generale SA und der Credit Suisse Group AG sind nach Saudi-Arabien gereist. Wall Street-Firmen wie Morgan Stanley und Citigroup Inc., die ihre Absichten noch nicht öffentlich angekündigt haben, haben ebenfalls Führungskräfte geschickt.

Die Business Times analysiert:

"Da sich westliche Unternehmen über das Risiko für ihre Reputation, Geschäfte zu tätigen, und mögliche Sanktionen gegen den Fall Khashoggi Sorgen machen, dürften sie in Saudi-Arabien vorerst viel Neugeschäft zurückhalten. Das Einfrieren kann sowohl für neue westliche Verträge oder Investitionen in Saudi-Arabien gelten als auch für das eigene Programm der saudischen Regierung, Unternehmensvermögen im Ausland über ihren öffentlichen Investmentfonds (PIF) in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar zu kaufen. "Die meisten westlichen Unternehmen werden angesichts der Khashoggi-Affäre unter Druck geraten, ihre Präsenz in Saudi-Arabien zu überdenken" sagte Ayham Kamel, Leiter der Praxis für politische Risikoberatung Eurasia Group im Nahen Osten.

Aber das Einfrieren neuer Deals könnte innerhalb weniger Monate nachlassen. Für viele westliche Firmen stehen zu viel auf dem Spiel, um die größte Wirtschaft im Nahen Osten aufzugeben. Privat sagten einige zu Reuters, sie würden untergeordnete Führungskräfte zur Konferenz schicken. Larry Fink, der Chef des US-Investmentmanagers BlackRock, sagte, er würde an der Konferenz nicht teilnehmen, aber die Beziehungen zu Saudi-Arabien nicht abbrechen, weil er "die Beziehungen, für die wir so lange gearbeitet hatten, bewahren"; wollte.

Unternehmen in China und Japan haben wenig oder gar keine Veranlassung, sich von der Veranstaltung zurückzuziehen, so dass amerikanische und europäische Firmen möglicherweise ihre Geschäfte verlieren, wenn sie zu lange in Richtung Riad abblocken. "Im neuen Jahr könnte sich der Einfluss abschwächen, zumal die USA Saudi-Arabien dabei helfen könnten, den Vorfall unter den Teppich zu kehren", sagte Jason Tuvey, leitender Emerging Markets-Ökonom bei Capital Economics."

Saudi-Arabien sagte am Mittwoch laut Reuters, es würde ausländische Banken, die dsas Forum boykottieren, nicht bestrafen. Der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) des Königreichs wird auf dem Treffen der internationalen Investoren sprechen.

Der Chef der saudischen Zentralbank sagte, die ausländischen Banken, die der Veranstaltung fernblieben, würden nicht bestraft und könnten Lizenzen beantragen, um im Golfstaat, der größten Volkswirtschaft des Nahen Ostens, zu operieren. "Wir bei der Zentralbank verhandeln professionell und professionell, ob mit lokalen oder internationalen Banken", sagte Ahmed al-Kholifey dem saudischen Fernsehsender Al Arabiya.

Nach Angaben der Zeitung The Daily Sabah hatten zuvor folgende Top-Manager und Politiker ihre Teilnahme an der FII abgesagt:

US-Finanzminister Steven Mnuchin, JPMorgan Chase-Chef Jamie Dimon, Blackrock-Chef Larry Fink, MasterCard-Chef Ajay Banga, HSBC-Chef John Flint, Standard Chartered-Chef William Winters, Der Chef der Londoner Börse, David Schwimmer, Ford-Chef Bill Ford, UBER-Chef Dara Khosrowshahi, der Besitzer der L.A. Times, Patrick Soon-Shiong, New York Times-Kolumnist Andrew Ross Sorkin, Google Cloud-Chefin Diane Greene, der ehemalige AOL-Chef Steve Case, IWF-Chefin Christine Lagarde, der Gründer der Virgin Group, Richard Branson, Thrive-Chefin Arianna Huffington, der Präsident der Weltbank, Jim Yong Kim, der französische Finanzminister Bruno Le Maire, der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra, der britische Handelsminister Liam Fox, der Chief Operating Officer der Softbank, Marcelo Claure, die New York Times, die Financial Times, die CNN und Bloomberg.

Dem Blatt zufolge werden die US-Lobbyfirmen The Glover Park Group und The Harbour Group Saudi-Arabien in Washington nicht mehr vertreten. Das Middle East Institute in Washington wird künftig keine saudischen Spenden mehr annehmen.

Weitere Personen, die ihre Teilnahme abgesagt hatten, sind Sinovation Ventures-Chef Kai Fu-Lee, TPG Capital-Vorsitzender David Bonderman, Präsident der New York Stock Exchange, Stacey Cunningham, Uptake Technologies-Chef Brad Keywell, der Milliardär Vinod Khosla, Mitbegründer von Android, Andy Rubin, Mitgründer von Fifty Years, Seth Bannon, Goldman-Sachs-Vertreterin Dina Powell, der Co-Vorsitzende von Warburg Pincus, Joe Landy, der ehemalige United States Solicitor General, Ted Olson, der Vorsitzende des KKR Global Institute, David Petraeus und Virgin Hyperloop One's-Chef Rob Lloyd.

Dem Guardian zufolge sagte neben Siemens-Chef Kaeser der Vorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing und der ABB-Vorsitzende Ulrich Spiesshofer ihre Teilnahme abgesagt. Außerdem sagten Charles-Edouard Bouée, Chef von Roland Berger, und Credit Suisse ab.

Doch mehrere internationale Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, darunter Deloitte, EY und PricewaterhouseCoopers, sind als Sponsoren der Veranstaltung aufgeführt. Hinzu kommen McKinsey, Bain & Company und BCG, berichtet die BBC.

Kanada und Deutschland im Dilemma wegen Rüstungsexporten

Der kanadische Premier Justin Trudeau hat mittlerweile darauf hingewiesen, dass eine Reduzierung der Handelsbeziehungen mit Kanada zu massiven Einbußen führen könnte, deren Last die kanadischen Steuerzahler tragen müssten, berichtet BNN Bloomberg. Die Annullierung von Panzerexporten nach Saudi-Arabien würde zu Einbußen von einer Milliarde Dollar führen. Deshalb könne Kanada Saudi-Arabien nur eingeschränkt sanktionieren. Die Panzer werden von General Dynamics Land Systems in London, Ontario gebaut. Es ist der bisher größte Waffen-Deal der kanadischen Geschichte.

Der vorläufige Stopp der Rüstungsexporte an Saudi-Arabien stürzt die auch die Bundesregierung in ein Dilemma: Die Entscheidung könnte dem Verhältnis Deutschlands zu seinen engsten europäischen Partnern am Ende womöglich ebenso schaden wie den gerade erst geflickten Beziehungen zu Saudi-Arabien, so Reuters.

Denn der Großteil deutscher Rüstungsgüter gelangt nach Angaben aus Industriekreisen nicht auf direktem Wege nach Saudi-Arabien, sondern in Form von Zulieferungen an Rüstungskonzerne im europäischen Ausland. So stammten etwa ein Drittel der Bauteile für die 48 Eurofighter, die Großbritannien demnächst für viele Milliarden an die Saudis exportieren will, aus Deutschland. Sollte die Bundesregierung diese Zulieferungen entgegen der Absprachen für das Gemeinschaftsprojekt kappen, dürfte sie sich Ärger einhandeln.

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