Syrien: Regierung und Söldner werfen sich gegenseitig Chlor-Angriff vor

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
27.11.2018 10:00
In Aleppo ist am Wochenende offenbar ein Chlor-Angriff erfolgt. Die syrische Regierung und Söldner machen jeweils die Gegenseite für den Angriff verantwortlich.
Syrien: Regierung und Söldner werfen sich gegenseitig Chlor-Angriff vor

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Söldner-Truppen, die im Westen der Stadt Aleppo positioniert sind, sollen am Wochenende die Stadtteile al-Khalidyia, al-Neel-Straße und Jamayat al-Zahra mit Granaten beschossen haben. Die Granaten sollen mit Chlor-Gas präpariert gewesen sein. Der Polizei-Chef von Aleppo, Issam al-Shilli, meldete zahlreiche Erstickungsanfälle. Die Opfer des Angriffs wurden im Al-Razi-Krankenhaus und im Universitätsklinikum behandelt. Bei den Betroffenen soll es sich um 50 Personen gehandelt haben, meldet die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA.

CBS News zufolge soll es sich bei den Opfern um etwa 100 Personen handeln. Jonathan Vigliotti, Korrespondent von CBS News, berichtet, dass sie wegen Atembeschwerden, Hautausschlägen und entzündeten Augen behandelt wurden, Symptome, von denen die Ärzte sagten, dass sie mit der chemischen Kriegsführung übereinstimmen. Nasr al-Hariri, der Chefunterhändler der syrischen Opposition in Genf, reagierte auf den Vorfall. Er teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: „Das Regime und seine Verbündeten nutzen diesen Vorfall als Vorwand, um im Norden Syriens eine Militäroperation durchzuführen.“ Die syrische Regierung habe diesen Vorfall inszeniert.

Die BBC führt aus: „Abdel-Salam Abdel-Razak, ein Vertreter der einflussreichen Dschihadistengruppe Nour al-Din al-Zinki in der Region, wies die Berichte als ,reine Lüge' zurück, meldete die Nachrichtenagentur Reuters.“

CNN zitiert die Vizedirektorin für den Nahen Osten und Afrika von Human Rights Watch: „Ernste Berichte über mutmaßliche Angriffe mit chemischen Waffen sollten nicht ohne Ermittlungen ignoriert werden. Alle Parteien, einschließlich der syrischen Regierung und Russland, sollten eine Untersuchung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen veranlassen.“

Im Westen von Aleppo und im Süden von Idlib befinden sich immer noch zahlreiche Söldner der al-Nusra-Front (heute Hayat Tahrir al-Scham - HTS), der Al-Izza-Brigaden, der Islamischen Partei Turkestan (TIP) und weiterer Verbände aus dem Kaukasus. Die Verbände der Söldner tummeln sich im Westen von Aleppo und im Grenzgebiet zwischen Idlib und Hama.

Als Reaktion auf den Vorfall in Aleppo hat die russische Luftwaffe Angriffe gegen Söldner-Stellungen im Westen Aleppos ausgeführt. Die BBC berichtet: „Am Sonntag meldete das russische Verteidigungsministerium, Kampfflugzeuge hätten Luftschläge gegen ,die identifizierten Positionen der terroristischen Artillerie in der Gegend, von der aus Zivilisten in der Stadt Aleppo beschossen wurden', am vergangenen Abend gestartet. Es fügte hinzu, dass alle ,militanten' Ziele ,zerstört' wurden.“

Nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA sollen „französische Experten“ Söldner-Truppen in Idlib ebenfalls mit giftigen Substanzen versorgt haben. Im Tal al-Sultan-Gebiet (Nord-Idlib) soll die tschetschenische Söldner-Truppe Ajnad al-Kavkaz zehn Chemiewaffen-Raketen erhalten haben. Die Truppen Jaish al-Izza in der Stadt Kafr Zita (38 Kilometer nordwestliche von Hama) und Hurras al-Deen in der Stadt Morek (30 Kilometer nördlich von Hama) sollen ebenfalls jeweils zehn Chemiewaffen-Raketen erhalten haben. Die TIP soll ebenfalls eine unbekannte Anzahl erhalten haben.

Das russische Verteidigungsministerium meldete zuvor in einer Mitteilung vom 29. Oktober 2018: „Das russische Versöhnungszentrum erhielt von den Bewohnern der Provinz Aleppo Informationen, dass Militante illegaler bewaffneter Formationen sich auf neue Provokationen mit chemischen Kampfstoffen vorbereiten. Dadurch sollen die Regierungstruppen beschuldigt werden, dass sie chemische Waffen gegen Zivilisten einsetzen. Für die Umsetzung kamen einige Dutzend Mitglieder der Organisation White Helmets in den Siedlungen Azaz, Marea und Chobanbey in der Provinz Aleppo an. Zuvor wurden Container mit giftigen Substanzen, vermutlich mit Chlor, in geschlossenen Siedlungen aus der Stadt Dschisr al-Schughur in Lastwagen geliefert. Gegenwärtig führen die Mitglieder der White Helmets Dreharbeiten unter Beteiligung von Zivilisten durch, die den Anwohnern unbekannt sind.“

Von unabhängiger Seite kann die Urheberschaft des Chemiewaffen-Angriffs auf Aleppo nicht ermittelt werden.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik „Westlessness“, oder: Der Traum von der guten alten Zeit, die es nie gab

"Westlessness" hieß das Schlagwort auf der diesjährigen, vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Münchener Sicherheitskonferenz. Es drückt...

DWN
Politik
Politik Südamerika: Ein Kontinent steht in Flammen

Das neue Jahrhundert sollte eine Zeit der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Aufschwungs für Südamerika werden. Doch die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Tesla - der Usain Bolt unter den E-Autoherstellern

Kein Hersteller ist so eng mit der E-Mobilität verbunden wie Tesla: Das Unternehmen hat seine Umsätze innerhalb nur weniger Jahre weit...

DWN
Finanzen
Finanzen Noch mehr Enteignung? Spar-Zinsen in der Eurozone könnten weiter gesenkt werden

Die Bestrebungen der EZB, den Einlagensatz von aktuell minus 0,5 Prozent weiter in den negativen Bereich zu senken, treffen auf heftigen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft China: Einkaufsmanager-Index stürzt wegen Corona-Virus auf Rekord-Tief

Die Investmentbank Nomura erwartet einen Absturz des chinesischen Einkaufsmanager-Index für Februar auf unter 40 Punkte.

DWN
Deutschland
Deutschland Einkommen und Hausbau: Eine Ausbildung lohnt sich mehr als ein Studium

Einer Studie zufolge haben Menschen mit Ausbildungen in der Lebensphase, in der die Familiengründung und der Hausbau erfolgt, die Nase...

DWN
Politik
Politik Völker, hört die Signale: Kamerad Trump

Mr. President war einmal. Jetzt heißt es: Kamerad Trump. Nina L. Chruschtschowa, Politikwissenschaftlerin und Enkelin von Nikita...

DWN
Politik
Politik Teurer „Green Deal“: Tiefe Gräben zwischen Nettozahlern und Kommission um künftige EU-Beiträge

In den Verhandlungen um die künftigen EU-Beiträge sind die Fronten verhärtet. Auf der einen Seite stehen die Nettozahler wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank: Immobilienpreise in Deutschland werden hoch bleiben

Der Bundesbank zufolge wird es in naher Zukunft keine Entwarnung in Bezug auf die Immobilienpreise geben. Das Preisniveau werde weiterhin...

DWN
Panorama
Panorama Polizeigewerkschaft: Aggressivität im Straßenverkehr massiv gestiegen

Der Deutschen Polizeigewerkschaft zufolge gibt es einen signifikanten Anstieg beim aggressiven Verhalten im Straßenverkehr. Diese...

DWN
Politik
Politik Erdgas-Streit mit der Türkei: Frankreich entsendet Flugzeugträger nach Zypern

Im Streit zwischen der Türkei einerseits und Zypern und der EU andererseits um Erdgasvorkommen vor der Mittelmeerinsel spitzt sich die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Damit das Corona-Virus nicht nach Deutschland kommt: Sofortige Abschottung gegen China?

Noch sei das Corona-Virus ein begrenztes Problem, schreibt der China-Experte Prof. Dr. Helmut Wagner von der Fern-Uni Hagen. Doch eine...

DWN
Politik
Politik Rentenversicherung schreibt Brandbrief: Einführung der Grundrente ab 2021 ist technisch gar nicht machbar

Die von der Bundesregierung anvisierte Einführung der Grundrente ist aus Sicht der Rentenversicherung technisch überhaupt nicht möglich,...

DWN
Politik
Politik DWN AKTUELL: Russland entsendet militärischen Nachschub nach Syrien

Russland hat mit Flugzeugen des Typs Tu-154M militärischen Nachschub nach Syrien entsandt.

celtra_fin_Interscroller