Deutschland

Handwerk fordert Rückkehr zur Meister-Ausbildung

Lesezeit: 1 min
03.01.2019 17:25
Das deutsche Handwerk fordert eine Rückkehr zur Meisterpflicht in mehr als 50 Berufen.
Handwerk fordert Rückkehr zur Meister-Ausbildung

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer dringt auf eine Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen und warnt vor Marktverzerrungen. "Wir können nicht jeden wild drauflos arbeiten lassen", sagte Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in bisher zulassungsfreien Gewerken werde zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und fairen Marktbedingungen führen. Im Handwerk gebe es eine zunehmend Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen.

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. "Seit der Deregulierung braucht man als Rolladen- und Jalousienbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Gold- und Silberschmied, Orgelbauer oder Musikinstrumentenhersteller keinen Meisterbrief und keinen Qualifikationsnachweis mehr, um in diesen Gewerken selbstständig am Markt zu sein", sagte Wollseifer.

"Theoretisch kann jeder einfach einen Auftrag annehmen und machen. Für diese Tätigkeiten sollte man aber qualifiziert sein." Inzwischen seien Einige unterwegs, die sich zwar als Handwerker betitelten, aber gar nicht ausgebildet seien. "Und die liefern natürlich nicht immer die Qualität ab, die es sein sollte. Das schädigt den Ruf des Handwerks insgesamt."

Bei dem Thema bewege sich aber etwas, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerk. Er verwies darauf, dass die Koalition eine Arbeitsgruppe gebildet habe. Ein juristisches Gutachten im Auftrag des Handwerks besage, dass eine Rückkehr von Handwerkern in die Meisterpflicht unter Einhaltung bestimmter Kriterien verfassungs- und europarechtlich möglich sei.

Seit der Deregulierung seien im Handwerk Zigtausende Soloselbstständige dazugekommen. Es komme aber zu Verwerfungen am Markt und Wettbewerbsverzerrungen. "Viele Solo-Selbstständige geben an, dass sie weniger als 17 500 Euro Umsatz haben, damit müssen sie dann den Kunden gar keine Mehrwertsteuer in Rechnung stellen. Die können ihre Leistungen natürlich deutlich günstiger anbieten als seriös arbeitende Handwerksbetriebe, die die Mehrwertsteuer abrechnen", sagte Wollseifer. Diese Betriebe seien außerdem selten darauf angelegt, Personal aufzubauen und auszubilden.

Viele Solo-Selbstständige sorgten zudem nicht fürs Alter vor und zahlten keine Kranken- und Unfallversicherung. "Dadurch können sie ganz andere Preise kalkulieren und noch mal fast 40 Prozent günstiger anbieten. So kommt es, dass sie für die Stunde 25 Euro berechnen, und Betriebe, die ihre Sozialversicherungsabgaben leisten, 50 Euro berechnen. An vielen Stellen läuft es in die falsche Richtung. Das sollte begradigt werden."

Der 63-Jährige sagte weiter: "Wenn argumentiert wird, die damalige Deregulierung habe zu einem größeren Angebot an günstigen Handwerksleistungen geführt, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es die Meister-Handwerksbetriebe sind, die die Beiträge zur Arbeitslosen-, Renten- und Krankenversicherung zahlen. Das hat mit fairem Wettbewerb nichts mehr zu tun."

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Technologie
Technologie Ein nationaler Stromausfall rückt immer näher: Deutschland schaufelt sich mit seiner radikalen Energie-Politik sein eigenes Grab

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine brisante Analyse der fehlenden Energiesicherheit unseres Landes.

DWN
Politik
Politik Keine Masken, keine Polizei, keine Lockdowns: Wie DWN-Autor Christian Kreiß die Pandemie in Costa Rica erlebte

Um den Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland zu entfliehen, verbrachte Christian Kreiß drei Monate in Costa Rica. Der DWN-Autor liefert...

DWN
Finanzen
Finanzen Ökonom: Goldgedeckte Kryptowährungen könnten Fiat-Währungen ersetzen

Das internationale Währungssystem wird sich verändern. Das Fiat-Geldsystem befindet sich auf dem Rückzug. Stattdessen könnten nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues Währungssystem: IWF spricht von „Revolution“ beim digitalem Zentralbankgeld

Der IWF predigt eine regelrechte „Revolution“ bei digitalen Zentralbankwährungen. Als positives Beispiel wird die Einführung einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Darum sollten Sie Ihren Nachlass rechtzeitig regeln

Niemand denkt gerne an den eigenen Tod. Und doch ereilt er uns irgendwann alle. Vor allem, wenn man selbst Kinder hat, sollte man früh...

DWN
Politik
Politik Deutschland steuert mit voller Wucht auf Rot-Rot-Grün zu

Die Grünen und ihre politischen Ziele passen in das Konzept des Weltwirtschaftsforums. Das gilt auch für die SPD und die aktuelle Gestalt...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdogan verbietet Zahlungen mit Kryptowährungen, Bitcoin-Kurs fällt um drei Prozent

Die Türkei hat Zahlungen mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen verboten.

DWN
Politik
Politik Bis zu 15 Jahre Haft drohen: Gericht startet Prozess gegen Salvini wegen Boots-Flüchtlingen

Ein Gericht auf Sizilien hat die Eröffnung eines Prozesses gegen den Chef der Lega-Partei, Matteo Salvini, wegen seiner...