Gemischtes

Neuer Porsche Taycan: Angriff auf Tesla hat begonnen

Lesezeit: 2 min
26.01.2019 20:17
Porsche wird die ersten Modelle seines Elektroautos „Taycan“ Ende dieses Jahres auf den Markt bringen. Derzeit läuft die Produktion auf Hochtouren – und zwar nicht am Band, sondern mit Hilfe von autonom fahrenden Transport-Fahrzeugen („Flexi-Linie“). Die Nachfrage ist riesig – die Kunden leisten bereits Vorauszahlungen.

Mehr zum Thema:  
Auto >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Auto  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Vor vier Jahren stellte Porsche sein Konzept-Fahrzeug „Mission E“ auf der IAA in Frankfurt vor. Im November oder Dezember 2019 sollen die ersten Modelle des „Taycan“, der auf dem „Mission E“ beruht, auf dem Markt kommen. Ein Porsche-Sprecher sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, dass bereits jetzt eine „sehr hohe Nachfrage“ herrsche. Im Rahmen des sogenannten „Depositor Programs“ können Kaufinteressenten sich bei einem Porsche-Händler registrieren lassen und anschließend 2.500 Euro (beziehungsweise in Nicht-Euro-Ländern eine Summe dieser Höhe in ihrer jeweiligen Landeswährung) hinterlegen, um als Käufer vorgemerkt zu werden. Eine Garantie, sofort einen Taycan zu bekommen, ist mit der Anzahlung allerdings nicht verbunden – der Händler entscheidet über die Reihenfolge der Ausgabe. Mit der Anzahlung geht der Kunde keine Kaufverpflichtung ein, er kann jederzeit von seinem Gesuch zurücktreten und erhält das Geld zurück.

„Die meisten Vorbestellungen haben wir in den USA, an zweiter Stelle kommt China, an dritter Deutschland, an vierter Norwegen“, sagte der Porsche-Sprecher den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. In dem skandinavischen Land, in dem prozentual weltweit die meisten E-Autos verkauft werden (2018 betrug der Marktanteil der Stromer über 50 Prozent), seien bereits 3.000 Vorbestellungen zu verzeichnen. „Normalerweise setzten wir in Norwegen 600 Fahrzeuge ab – im Jahr“, so der Sprecher. Nicht bestätigen wollte er, dass Porsche die jährlichen Produktionskapazitäten für den Taycan von 20.000 auf 40.000 verdoppeln wolle. Das hatte die Branchenzeitung „Automobilwoche“ gemeldet.

Der Taycan (zu Deutsch: lebhaftes junges Pferd) verfügt als einziges E-Auto weltweit über eine 800-Volt-Architektur und ist über 600 PS stark, die für eine Spitzengeschwindigkeit von über 250 Stundenkilometern sorgen, welche der Wagen durchgehend einhalten kann. Auf 100 beschleunigen wird der Taycan laut des Porsche-Sprechers in „deutlich unter 3,5 Sekunden“. Die Reichweite des Stromers soll bei 500 Kilometer liegen. Der Porsche-Sprecher: "Es handelt sich um das sportlichste Elektro-Auto weltweit." Der Preis soll zwischen 90.000 und 100.000 Euro betragen. Das Fachmagazin „auto, motor und sport“ erwartet allerdings einen Einstiegspreis von „knapp 150.000 Euro“.

„Auto, motor und sport“ weist auch darauf hin, dass derzeit noch keine Lade-Infrastruktur für die 800-Volt-Architektur existiert. Dem Fachmagazin sagte Porsche-Vorstandsvorsitzender Oliver Blume: „Der Staat möchte Elektromobilität fördern und wird deshalb Investitionen in die Infrastruktur tätigen müssen. Aber als Hersteller haben wir auch ein großes Interesse an einem schnellen Ausbau des Ladenetzes. Wichtig ist, dass ein solches Netz nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern schnell entsteht. Für uns liegt die Priorität dabei auf einem flächendeckenden Schnellladenetz mit einer Leistung von über 150 kW pro Ladestation.“ Derzeit baut das Joint-Venture-Unternehmen „Ionity“ (BMW, Daimler, Ford, Audi, Porsche, VW) 400 Schnelllade-Stationen entlang europäischer Autobahnen. Der Leiter des Bereichs Hochvoltsysteme bei Porsche Engineering, Michael Kiefer, sagte „auto, motor und sport“, dass ein Auflade-Vorgang an einer der Ladestationen „pauschal acht Euro“ koste.

Gefertigt wird der Taycan in einem „Werk im Werk“, so der Porsche-Sprecher. Das heißt, es wurde kein neues Produktions-Gebäude errichtet. Stattdessen wurden die neuen Fertigungs-Anlagen in ein bereits bestehendes Werk integriert, in dem auch der 911er, der Boxster und der Cayman gefertigt werden. Das zukünftige Taycan-Werk befindet sich derzeit im Bau. Dort soll die Produktion mehrgeschossig, auf einer Höhe von 20 bis 25 Meter, stattfinden. Bisher hat Porsche für die Fertigung des Taycan rund 1.500 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Für die Fertigung ihres Stromers haben die Zuffenhausener ein neues System entwickelt, bei dem auf Fließbänder völlig verzichtet wird. Bei der sogenannten „Flexi-Linie“-Methode befördern autonom fahrende Transportsysteme die einzelnen Autos von einer Montage-Gruppe zur nächsten. Die Transportsysteme bewegen sich mit Schrittgeschwindigkeit völlig autonom fort, sind beispielsweise in der Lage, selbständig anzuhalten, wenn sie Hindernisse erkennen.

Porsche plant, ab dem Jahr 2025 die Hälfte seines Umsatzes mit E-Autos zu erwirtschaften. Bis 2022 will der Autobauer in die Entwicklung der E-Mobilität sechs Milliarden Euro investieren.

Weitere Meldungen aus dem Tech-Report der DWN finden Sie hier.


Mehr zum Thema:  
Auto >

DWN
Politik
Politik „Anarchokapitalist“ Milei trifft Scholz in Berlin: Viel Konsens, Streitpunkt Wirtschaftsreformen
24.06.2024

Nur 60 Minuten dauerte der Antrittsbesuch von Argentiniens exzentrischem Präsidenten bei Olaf Scholz in Berlin. Bei den Themen Ukraine und...

DWN
Politik
Politik Reservisten-Präsident und Militärexperte Patrick Sensburg: „Die Ukraine braucht Langstreckenwaffen“
23.06.2024

Seit Ende Mai ist es der Ukraine erlaubt, mit westlichen Waffen Ziele in Russland zu beschießen. Im DWN-Interview erklärt Patrick...

DWN
Finanzen
Finanzen Sterben der Bankfilialen: Ein stiller Vorbote für das Ende des Bargelds?
23.06.2024

In Deutschland schrumpft das Netz der Bankfilialen dramatisch. Diese Entwicklung wirft nicht nur Fragen zur Zukunft des Bargelds auf,...

DWN
Immobilien
Immobilien Berlin wächst: Neue Hochhäuser am Gleisdreieck erweitern City am Potsdamer Platz
23.06.2024

Über Jahrzehnte lag das Gleisdreieck im städtischen Niemandsland von West-Berlin. Mit dem Fall der Mauer und der Bebauung des...

DWN
Technologie
Technologie Der Europäische Erdgasmarkt bleibt volatil – auch wegen neuer Abhängigkeiten
23.06.2024

Europa hat sich von Russlands Energiemonopol gelöst und Versorgungsalternativen gefunden. Auch deshalb bleibt die heimische Gasversorgung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Energiewende: Deutsche Wirtschaft durch Regularien und Bürokratie ausgebremst
23.06.2024

Bürokratie und ständig wechselnde Regularien erschweren deutschen Unternehmern die Energiewende im eigenen Betrieb – insbesondere die...

DWN
Politik
Politik Israel und Hisbollah: Ein größerer Krieg und seine möglichen Konsequenzen
23.06.2024

Der letzte große Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah liegt mittlerweile 18 Jahre zurück. Doch die aktuellen Grenzscharmützel, die...

DWN
Politik
Politik Appell an Scholz: Gewerkschaften und Sozialverbände fordern Milliardeninvestitionen
23.06.2024

Wohlfahrts- und Sozialverbände, die Gewerkschaft Verdi und das Kampagnennetzwerk Campact fordern den Bund zu Milliardeninvestitionen in...