Finanzen

Staatsanwaltschaft überprüft Kurs-Einbruch bei Wirecard

Lesezeit: 2 min
31.01.2019 11:49
Die deutsche Finanzaufsicht und die Staatsanwaltschaft untersucht den schweren Kurseinbruch bei Aktien des deutschen Technologieunternehmens Wirecard vom Mittwoch.
Staatsanwaltschaft überprüft Kurs-Einbruch bei Wirecard

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Der spektakuläre Kurseinbruch beim Zahlungsabwickler Wirecard wird ein Fall für die Staatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht. Wie die Strafverfolger in München und die Bafin in Bonn am Donnerstag mitteilten, gehen Ermittler beider Behörden der Frage nach, ob der Kurs bewusst manipuliert wurde. Nach einem Zeitungsbericht über Betrugsvorwürfe gegen Wirecard war die Aktie am Mittwoch um fast 25 Prozent abgesackt, binnen Minuten wurde ein Börsenwert von mehr als 2,7 Milliarden Euro vernichtet. In der Vergangenheit gab es wiederholt Vorwürfe gegen Wirecard, denen Aktienkurseinbrüche und Ermittlungen wegen Marktmanipulation folgten. Anhaltspunkte für Betrugsvorwürfe gegen das Unternehmen selbst sieht die Münchner Staatsanwaltschaft dagegen nicht.

Die "Financial Times" hatte am Mittwoch berichtet, ein Wirecard-Manager in Singapur sei im vergangenen Jahr verdächtigt worden, gegen örtliche Gesetze verstoßen zu haben. In einer firmeninternen Präsentation sei von Dokumentenfälschung und Geldwäsche die Rede. Der Manager arbeite weiterhin bei Wirecard. In diesen Vorwürfen selbst sehe die Staatsanwaltschaft München keine Anhaltspunkte für Straftaten nach deutschem Recht, sagte die Behördensprecherin. Wirecard habe sich bereits am Mittwoch mit der Bitte um Aufklärung an die Ermittlungsbehörde gewandt und arbeite mit dieser zusammen. Der Dax-Konzern aus Aschheim bei München wies den Bericht als "falsch, ungenau, irreführend und diffamierend" zurück. Er entbehre jeder Substanz.

Von Kursabstürzen nach ähnlichen Veröffentlichungen profitierten in der Vergangenheit Investoren, die erst geliehene Aktien verkauft hatten und diese dann billiger zurückkaufen konnten, um die Papiere schließlich an ihre Inhaber zurückzugeben. Diese so genannten Leerverkäufe sind zwar legal und an der Börse üblich. Wegen der vorherigen Anschuldigungen ermittelten aber die Bafin und die Staatsanwaltschaft wegen Markmanipulation. Vor einigen Jahren wurden deswegen Führungskräfte der Aktionärsvereinigung SdK verurteilt. Gegen den Herausgeber eines Börsenbriefs ist in München ein Strafbefehlsverfahren anhängig.

Die Finanzaufsicht Bafin prüft den Handel mit Wirecard-Aktien auf mögliche Marktmanipulation, wie eine Sprecherin bestätigte. Findet die Bonner Behörde dafür Anhaltspunkte, teilt sie ihre Erkenntnisse mit den Strafverfolgern, die dann über eine Anklage entscheiden müssen. Bei vorsätzlicher Marktmanipulation drohen einem Täter nach dem Wertpapierhandelsgesetz bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Handelt er gewerbsmäßig oder bandenmäßig, sind sogar bis zu zehn Jahre Haft möglich. Zudem drohen Schadenersatzforderungen von Anlegern, die wegen des Kursverfalls Verluste erlitten haben.

Am Donnerstag erholte sich die Wirecard-Aktien etwas von den Kursverlusten am Vortag. Die Papiere legten bis zu 5,2 Prozent auf 152,70 Euro zu und waren größter Dax-Gewinner. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser sahen in dem Kursabsturz eine Kaufgelegenheit. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass die Führungsriege von Wirecard die in dem Artikel beschriebenen Praktiken dulden würde. "Wichtig ist auch, dass Wirecard in den vergangenen Jahren wiederholt von Leerverkäufer-Attacken betroffen gewesen ist und im Zuge dieser Vorwürfe Transparenz geschaffen hat, zum Beispiel, indem die Bücher für externe Prüfer geöffnet wurden", erklärten die Analysten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Politik
Politik Super League und „Great Reset“: Ein Schlag gegen den Mittelstand im europäischen Fußball

Die Gründung einer Super League im europäischen Fußball harmoniert mit der „Great Reset“-Initiative. Die Reichen und Mächtigen...

DWN
Politik
Politik Söder zieht Kanzlerkandidatur zurück, Laschet bedankt sich

CSU-Chef Markus Söder hat das Votum des CDU-Bundesvorstands akzeptiert und will Armin Laschet unterstützen. Dieser bedankte sich für den...

DWN
Finanzen
Finanzen China und Indien forcieren Gold-Importe

Die chinesische Zentralbank hat die Höchstgrenzen für Gold-Importe für April und Mai deutlich angehoben.

DWN
Finanzen
Finanzen So profitieren Sie von Bitcoin, ohne direkt zu investieren

Bitcoin hat seit Beginn des Jahres eine beispiellose Ralley hingelegt. Doch die Kryptowährung ist extrem schwankungsanfällig und manchem...

DWN
Deutschland
Deutschland NRW: Obdachlose sollen zuerst mit Johnson & Johnson geimpft werden

In NRW sollen Obdachlose zuerst mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft werden. Zuvor hatte der Berliner Innensenat angekündigt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Mario Draghi will einen EU-Austritt Italiens mit allen Mitteln verhindern

Italiens Technokraten-Premier Mario Draghi hat einen schweren Stand. In Italien werfen ihm die „Italexit“-Befürworter vor, er sei in...

DWN
Politik
Politik Corona-App des Bundes wird zum Impfpass ausgebaut

Mit 27 Millionen Downloads ist die Corona-Warn-App die erfolgreichste Tracing-App in Europa. Nun sollen - noch vor Beginn der Sommerferien...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Unzufriedene Tesla-Kundin stürmt Schanghaier Auto-Messe

Eine unzufriedene Tesla-Kundin hat auf der Automesse in Schanghai für Furore gesorgt.