Google greift Apple auf dem Smartphone-Markt an

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
14.02.2019 17:25
Google bringt erstmals ein eigenes preiswerteres Smartphone auf den Markt. Das US-Unternehmen will dem Konkurrenten Apple die Kunden, die Fachleute und die Zulieferer wegschnappen.
Google greift Apple auf dem Smartphone-Markt an

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Noch dieses Jahr bringt Google erstmals ein preiswerteres Smartphone auf den Markt, um mehr Nutzer in sein Ökosystem bringen. Das neue Telefon ist die Speerspitze bei Googles Bemühungen, die Verwendung seiner Betriebssysteme zu erweitern.

Dabei macht sich der amerikanische Internet-Riese die Probleme des Konkurrenten Apple zunutze, der zuletzt enttäuschende Umsätze beim Premium-iPhone verzeichnete. Die Verbraucher bevorzugen zunehmend billigere Modelle, und der Verkauf von Smartphones sinkt weltweit.

Das neue Smartphone ist Googles erstes preiswerteres Modell und richtet sich unter anderem an die Schwellenländer. Sein Preis soll niedriger sein, als das billigste iPhone, das XR, das bei 749 Dollar beginnt.

Zu den für dieses Jahr geplanten neuen Produkten gehören außerdem intelligente Lautsprecher, Wearables und Webkameras, sagten Personen, die mit den Plänen des Unternehmens vertraut sind, zu Nikkei Asian Review. Zudem plant Google, wie gehabt ein neues Premium-Handy der Produktlinie Pixel auf den Markt zu bringen.

Um seine Hardware-Pläne voranzutreiben, wirbt Google talentierte Mitarbeiter von Apple ab und baut seine Produktionspartnerschaften in Asien aus. In den letzten zwei Jahren hat Google Hunderte von Hardware-Ingenieuren und Lieferketten-Spezialisten von Apple eingestellt. Zudem hat Google allein im Jahr 2017 rund 2.000 Ingenieure von Taiwans Smartphone-Hersteller HTC übernommen.

Google ist im globalen Smartphone-Markt bisher nur wenig präsent, zeigen Daten des Forschungsunternehmens IDC. Demnach lagen die Lieferungen der Pixel-Produktlinie im Jahr 2018 bei etwa 4,68 Millionen Einheiten. Das sind nur rund 0,33 Prozent des Gesamtmarktes.

Googles Hardware-Expansion werde es dem US-amerikanischen Technologieriesen ermöglichen, mehr Nutzer zu seinen Diensten zu bringen, sagen Analysten. "Google sieht es als direkten Weg, um Benutzerdaten zu sammeln und die Flaggschiff-Software und Internetdienste zu einem größeren und festeren Bestandteil des täglichen Lebens der Menschen zu machen", sagte Joey Yen, Analyst bei IDC.

"Googles Hardware-Bemühungen werden es den Menschen schwer machen, ohne die Dienste und das Ökosystem von Google zu leben ... Das ist das große Ganze, das der Internet-Riese immer im Sinn hat."

Eine Person, die über die Angelegenheit direkt Bescheid wusste, sagte zu Nikkei, dass Google voraussichtlich noch in diesem Jahr eine neue Überwachungskamera auf den Markt bringen wird, nachdem das Team von Nest Labs integriert wurde, das im Jahr 2014 erworbene Tech-Startup. Seit 2015 baut Nest Labs Überwachungskameras für den privaten Gebrauch.

Das Unternehmen wird in diesem Jahr außerdem eine aktualisierte Version seines Smart-Home-Lautsprechers  Google Home sowie eine neue Smartwatch einführen, um mit der Apple Watch zu konkurrieren.

Daten zeigen, dass Google schnell zum Marktführer Amazon aufholt. Google erzielte von Juli bis September 29,8 Prozent des Weltmarktes, als es laut Angaben der Marktberatung Canalys rund 5,9 Millionen intelligente Lautsprecher verkaufte, ein Plus von 187 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegt es nur noch knapp hinter Amazons 31,9 Prozent.

Die Zulieferbetriebe hoffen, dass die Hardware-Ambitionen von Google die Schwierigkeiten ausgleichen werden, die sich aus den Problemen bei Apple ergeben. Die weltweit führenden Elektronik-Hersteller, darunter die wichtigsten iPhone-Hersteller Foxconn und Pegatron sowie der MacBook-Hersteller Quanta Computer, wurden hart getroffen, da Apple mit einer Abkühlung in China und dem ersten Rückgang der iPhone-Lieferungen zu kämpfen hat.

Die Foxconn-Einheit FIH Mobile, die Android-Handys einschließlich dem Pixel herstellt, hat die Produktionslinien für Google-Produkte erhöht, sagte eine Quelle zu Nikkei. Das Team von FIH Mobile, das für die Geschäfte mit Google zuständig ist, erhält aufgrund des gesünderen Wachstums des US-Unternehmens auch höhere Boni als andere Android-Teams, beispielsweise Xiaomi.

Der iPhone-Hersteller Pegatron hat im vergangenen Jahr Aufträge für den Bau des Google Home Hub erhalten und arbeitet seit langem mit dem Google-Startup Nest Labs zusammen, das Überwachungskameras für den privaten Gebrauch produziert.

Der MacBook-Hersteller Quanta hilft Google bei der Herstellung eines Großteils seiner Smart-Home-Lautsprecher-Produkte und dient als wichtiger Server-Hersteller für Rechenzentren. Compal Electronics, ein iPad-Hersteller, führt gerade Gespräche mit Google, um intelligente Lautsprecher zu entwickeln.

Google sei auch eher bereit als Apple, die Produktion aus China zu verlagern, um den Handelskonflikt zwischen Washington und Peking zu vermeiden. So hat Pegatron vor kurzem dem Bau einer Anlage in Nordvietnam zugestimmt, wo 20.000 Arbeiter untergebracht werden könnten, die hauptsächlich Google-Produkte herstellen. Quanta hat sein Werk in der nordtaiwanesischen Stadt Taiyuan inzwischen für eine breite Palette von Cloud-Computing-Produkten erweitert, einschließlich der von Google.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland „Deutschland spürt das Ende der Behaglichkeit“ – Warum Sie jetzt die DWN zum Vorteilspreis abonnieren sollten

Unser Redaktion zeigt auf, warum Sie nicht auf ein DWN-Abonnement verzichten sollten. Für das erste Jahr wird Ihnen ein besonderes Paket...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft „Der Große Neustart“: Folgen der Pandemie sind vergleichbar mit denen eines Weltkriegs

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, sagt, dass die Folgen der Corona-Pandemie vergleichbar mit denen eines Weltkriegs...

DWN
Finanzen
Finanzen Abschwung im Welthandel: Supertanker fahren zu Niedrigstpreisen auf den Weltmeeren herum

Der Wirtschaftseinbruch trifft die Reeder schwer. Inzwischen müssen sie äußerst niedrige Frachtraten akzeptieren, um überhaupt noch...

DWN
Politik
Politik Neue strategische Allianz? Erdogan und Trump demonstrieren Einheit in Libyen

US-Präsident Trump und sein türkischer Amtskollege Erdoğan wollen in Libyen gemeinsam agieren. Das Weiße Haus hat erstmals die...

DWN
Politik
Politik DWN-SPEZIAL: Trump unterzeichnet scharfes Sanktions-Gesetz gegen China

US-Präsident Trump hat ein Anti-China-Gesetz unterzeichnet, um diejenigen zu bestrafen, „die Hongkongs Freiheit auslöschen“. Das neue...

DWN
Deutschland
Deutschland Bargeld-Vermögen der Deutschen in Corona-Krise gesunken

Das Geldvermögen der deutschen Privathaushalte ist im Verlauf der Corona-Krise drastisch zurückgegangen. Dazu gehören Bargeld,...

DWN
Finanzen
Finanzen Zum Auftakt der Weltwirtschaftskrise: Preis der CO2-Sondergebühren steigt massiv

Der Preis für CO2-Emissionsrechte hat ein Allzeithoch erreicht – pünktlich zum Beginn der neuen Weltwirtschaftskrise werden...

DWN
Deutschland
Deutschland Lockerung der Corona-Regeln: Das ist ab heute erlaubt

Die Bundesländer können im Kampf gegen die Corona-Pandemie weitgehend in eigener Verantwortung über die schrittweise Lockerung von...

DWN
Politik
Politik WHO: Corona-Krise kann „schlimmer und schlimmer und schlimmer werden“

Die WHO teilt mit, dass die Corona-Pandemie „schlimmer und schlimmer und schlimmer werden kann“. Das müsse aber nicht so kommen....

DWN
Deutschland
Deutschland Neuwagen-Absatz bricht ein: Immer mehr alte Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs

Der Neuwagen-Absatz ist im ersten Halbjahr 2020 massiv eingebrochen. Mittlerweile beträgt das durchschnittliche Alter eines Autos in...

DWN
Deutschland
Deutschland Wagenknecht: „Tönnies Schweinesystem hat die ganze Region in einen Lockdown gebracht“

Tönnies will sich die Lohnkosten vom Land NRW zurückholen. Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht findet diese Forderung dreist. Sie meint:...

DWN
Politik
Politik Razzia bei Islamisten-Szene in Berlin: 450 Polizisten im Einsatz

Die Polizei in Berlin ist am Mittwochmorgen mit 450 Beamten gegen Tatverdächtige aus der islamistischen Szene ausgerückt.

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Backwahn: Kunden kaufen ganze Kartons Würfelhefe

Hefe ist in zahlreichen Supermärkten immer noch Mangelware, weil die Menschen in Zeiten von Corona selbst backen. Dabei gibt es eigentlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Das wäre die beste Nachricht des Jahres: Wir befinden uns in einer Stagnation

DWN-Gastautor Andreas Kubin beschreibt mit einer gehörigen Prise Galgenhumor die wirtschaftlichen Aussichten, denen sich Europa...

DWN
Finanzen
Finanzen Massiver Anstieg der Sozialabgaben: Städte setzen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur aus

In vielen Städten sind die Sozialausgaben in den vergangenen Jahren explodiert – Investitionen in die öffentliche Infrastruktur fallen...

celtra_fin_Interscroller