Deutschland

Ohne Energie-Importe aus dem Ausland läuft in Deutschland nichts

Lesezeit: 3 min
17.04.2019 15:28
Knapp zwei Drittel des deutschen Verbrauchs an Öl, Erdgas und Kohle müssen importiert werden. Zwar ist Deutschland beim Strom derzeit noch Netto-Exporteur. Doch Atom- und Kohleausstieg werden dies voraussichtlich umkehren.
Ohne Energie-Importe aus dem Ausland läuft in Deutschland nichts

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Den größten Anteil am deutschen Energiemix hat weiterhin Erdöl. Im Jahr 2017 war Öl für 34,5 Prozent des Energieverbrauchs hierzulande verantwortlich. Russland hat hier mit 36 Prozent der Importe den größten Anteil. Es folgen Norwegen mit 12 Prozent sowie Libyen, Kasachstan und Großbritannien mit je 8 Prozent.

Russisches Öl erreicht Deutschland über die landbasierte sogenannte Freundschafts-Pipeline, die  von den östlichen russischen Ölfeldern durch Weißrussland und Polen bis nach Rostock und Leipzig reicht. Andere Ausläufer dieses weltgrößten Pipeline-Netzes gelangen über die Ukraine, die Slowakei, Österreich und Tschechien bis nach Karlsruhe.

Der zweitwichtigste Energieträger für Deutschland ist das Erdgas, aus dem 23,7 Prozent der hierzulande verbrauchten Energie kam. Hier kommen 93 Prozent aus dem Ausland, wobei nur drei Länder eine größere Rolle spielen. Russland mit 34 Prozent der Importe, Norwegen mit 34 Prozent und die Niederlande mit 29 Prozent.

Diese letzten Zahlen stammen allerdings aus dem Jahr 2015, weil das Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) seit 2016 die Importe nicht mehr nach Ländern differenziert, wie Focus berichtet.

Neben den Unterwasser-Pipelines Nordstream I und II gibt es für russisches Erdgas auch landbasierte Pipelines, welche über die Ukraine und Polen laufen. Weil beide Länder dafür Transitgebühren erheben können, sind sie gegen die Ostseepipelines, durch die sie jährliche Einnahmen in Milliardenhöhe verlieren würden.

Erdgas aus Norwegen stammt meistens aus der Nordsee und fließt von dort über Unterwasser-Pipelines nach Ostfriesland und in die Nähe von Emden. Niederländisches Erdgas erreicht Deutschland über landbasierte Pipelines, ebenso wie der geringe Anteil von britischem Erdgas, das ebenfalls in der Nordsee gefördert wird.

Russland ist im Energiebereich der wichtigste deutsche Handelspartner. Denn da Deutschland nur wenige eigene Ressourcen hat, muss es 64 Prozent seiner Primärenergieträger wie Öl, Kohle, Erdgas und Uran aus dem Ausland beziehen. Innerhalb der EU ist das ein überdurchschnittlich hoher Wert.

Zudem soll der Bau von Nordstream 2 bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein. Die Ostseepipeline soll dann von russischen Gasfeldern in der Barentssee durch die Ostsee nach Greifswald transportieren. Mit einer Liefermenge von jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas schafft sie genau so viel wie die Pipeline Nordstream 1.

Doch die Abhängigkeit von Russland ist beiderseitig. Denn Deutschland ist andererseits der wichtigste Kunde für russisches Erdgas. Zuletzt machten die deutschen Importe etwa 10 Prozent der russischen Exporte aus. Gleiches gilt für Rohöl, wo wir hinter den Niederlanden der zweitwichtigste Abnehmer Russlands sind.

Den größten Anteil an den deutschen Importen haben die Russen derzeit aber bei der Steinkohle. Aus Russland bezog Deutschland im Jahr 2017 rund 19,7 Millionen Tonnen, was 38 Prozent unserer gesamten Steinkohleimporte ausmachte. Es folgen die USA (18 Prozent), Kolumbien (13 Prozent) und Australien (11 Prozent).

Allerdings spielt die Steinkohle in Deutschland keine so große Rolle mehr. Im Jahr 2017 machte Kohle laut Bundeswirtschaftsministerium nur rund elf Prozent des deutschen Energieverbrauchs aus. Und mit dem für 2038 beschlossenen Kohleausstieg sollen Kohleimporte ohnehin bald eingestellt werden.

Der einzige Bereich, wo Deutschland seit 2002 mehr Energie exportiert als importiert ist der Strom. Im letzten Jahr flossen nach Angaben der Bundesnetzagentur netto etwa 51,5 Terawattstunden ins Ausland. Das entspricht rund zehn Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung.

Dass Deutschland deutlich mehr Strom produziert, als hierzulande verbraucht wird, liegt am Ausbau der erneuerbaren Energien und am gleichzeitigen Fortbestand vieler alter Atom- und Kohlekraftwerke.

Dass Deutschland trotz seines Überschusses überhaupt Strom importieren muss, liegt daran, dass Strom aus erneuerbaren Energien nicht immer nach Bedarf produziert werden kann. Die erneuerbarer Energien haben seit 1990 ihren Anteil am Strommix mehr als versechsfacht. Zuletzt machten sie 12,1 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus.

Daher reicht die deutsche Produktion in Spitzenzeiten nicht aus, wenn viele Stromfresser am Netz hängen. Dann muss Strom aus dem Ausland zugekauft werden. Und weil Kernenergie und Kohle bis 2022 beziehungsweise 2038 komplett entfallen, könnte Deutschland bald zum Nettoimporteur werden.

Mit Abstand am meisten Strom importiert Deutschland derzeit aus Frankreich, dem einzigen Land, das mehr Strom nach Deutschland liefert als umgekehrt. Der französische Strom stammt vor allem aus Atomkraftwerken, die im Jahr 2016 rund 72 Prozent des in Frankreich produzierten Stroms produzierten.

Hinter Frankreich, das 10,1 Terawattstunden nach Deutschland lieferte, folgen Dänemark mit 3,9 Terawattstunden (vor allem Wind- und Sonnenenergie), Tschechien mit 2,4 Terawattstunden (vor allem Braunkohle und Kernenergie) und die Schweiz mit 2,1 Terawattstunden (vor allem Wasserkraft).

In Zukunft könnte die Bedeutung der Energieimporte zurückgehen. Denn laut Bundeswirtschaftsministerium ist der Verbrauch von Öl, Gas und Kohle in Deutschland seit den frühen 90er Jahren um rund 10 Prozent gesunken, der gesamte Energieverbrauch um etwa 7 Prozent.

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