Deutschland

US-Börsenaufsicht leitet nächsten Angriff auf Volkswagen ein

Lesezeit: 2 min
15.03.2019 10:04
Volkswagen wird erneut Ziel einer juristischen Attacke aus den USA.
US-Börsenaufsicht leitet nächsten Angriff auf Volkswagen ein

Auch dreieinhalb Jahre nach Bekanntwerden lässt der Dieselskandal Volkswagen nicht los: Nun hat auch die US-Börsenaufsicht Anklage gegen den Konzern und seinen ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn erhoben. Die Securities and Exchange Commission (SEC) beschuldigt den Wolfsburger Autobauer und den früheren Konzernchef, Anleger in den USA betrogen zu haben.

VW habe dort von April 2014 bis Mai 2015 Unternehmensanleihen und verbriefte Wertpapiere in Höhe von über 13 Milliarden Dollar ausgegeben, als Top-Manager des Konzerns bereits von den Abgasmanipulationen gewusst hätten. Der Konzern habe "die Hunderte von Millionen Dollar" nie zurückgezahlt, die er bei den Wertpapiergeschäften "auf betrügerische Weise eingenommen" habe. Winterkorns Anwalt war am Freitag zunächst nicht zu erreichen. Sein Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab und verwies für Anfragen an VW.

Volkswagen erklärte, der Konzern werde sich energisch gegen die beispiellose Klage zur Wehr setzen. Sie weise erhebliche juristische und inhaltliche Mängel auf. Dabei gehe es um Wertpapiere, die nur erfahrenen Großanlegern verkauft worden seien. Die Investoren seien nicht geschädigt worden und hätten sämtliche mit den Papieren verbundenen Zahlungen vollständig und pünktlich erhalten.

"Die SEC erhebt ausdrücklich nicht die Anschuldigung, dass irgendeiner der in die Ausgabe der Anleihen involvierten Personen Kenntnis davon hatte, dass Dieselfahrzeuge von Volkswagen die US-Emissionsvorschriften nicht erfüllten", erklärte der Konzern. Stattdessen wiederhole die Behörde lediglich "unbewiesene Anschuldigungen gegen den damaligen Vorstandsvorsitzenden", der in die Verkäufe der Anleihen nicht involviert gewesen sei.

Volkswagen erinnerte an den vor gut zwei Jahren mit dem US-Justizministerium, fast allen US-Bundesstaaten und rund einer halben Million Verbrauchern in den USA geschlossenen Vergleich, der den Konzern mehr als 25 Milliarden Dollar gekostet hatte.

"Bedauerlicherweise versucht die SEC nun, noch einmal draufzusatteln."

Das Unternehmen hatte bereits in seinem am Dienstag vorgestellten Geschäftsbericht für das Jahr 2018 darauf hingewiesen, dass die SEC Auskunft wegen möglicher Verletzungen von Wertpapiergesetzen verlangt habe.

Der Dieselskandal war am 18. September 2015 bekanntgeworden. Wenige Tage später trat Winterkorn zurück. Der Konzern bekannte sich schließlich in den USA schuldig, Abgaswerte manipuliert und dies vor den Behörden verschleiert zu haben, und stimmte einer Strafe von 4,3 Milliarden Dollar zu. Insgesamt wurden in den USA 13 Personen angeklagt, darunter Winterkorn und vier Audi-Manager. Gegen Winterkorn erließ die US-Justiz auch einen Haftbefehl. Die US-Staatsanwaltschaft wirft dem 71-Jährigen Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei den Abgasmanipulationen vor.

Einschließlich Bußgeldern gegen VW und die Tochter Audi in Deutschland und weiteren Ausgaben türmen sich die Kosten für die Wiedergutmachung des Dieselskandals inzwischen auf 29,0 Milliarden Euro. In Deutschland ist Volkswagen zudem mit Tausenden Klagen von Verbrauchern und Anlegern konfrontiert. Alleine bei einer Musterklage der Fondsgesellschaft Deka Investment wegen erlittener Kursverluste vor dem Oberlandesgericht Braunschweig geht es um insgesamt neun Milliarden Euro.

DWN
Politik
Politik Staatsakt: Steinmeier erwartet "härtere Jahre" - werden Bewährung bestehen
23.05.2024

Mehr politische Prominenz geht kaum: Zur Feier des Grundgesetzes versammelt sich die Spitze des Staates. Der Bundespräsident beschwört...

DWN
Politik
Politik Mobilfunkanbieter erwägen Klage bei Huawei-Verbot für 5G-Netz
23.05.2024

Das 5G-Netz soll das Internet in Deutschland auf Trab bringen - und damit viele Lebensbereiche digitaler machen. Welche Rolle soll dabei...

DWN
Finanzen
Finanzen Silberpreis erreicht Jahreshoch und knackt Marke von 30 Dollar
23.05.2024

Der Silberpreis legt im Fahrwasser der Goldpreis-Rekorde massiv zu und erreichte nun ein neues Jahreshoch. Was sind die Gründe und wie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Flüchtlingswelle 2015: Drei Viertel der Zugezogenen in Arbeitsmarkt integriert
23.05.2024

Arbeitsmarktexperte bringt mit der Initiative „Job-Turbo“ Geflüchtete schneller in Arbeit: Die Erwerbstätigenquote der 2015 nach...

DWN
Politik
Politik Wahlbetrug bei EU-Wahl: Präparierte Stimmzettel in Bayern aufgetaucht!
23.05.2024

Handelt es sich um einen Wahlfälschungsversuch? In der Stadt Bad Reichenhall ist es zu Unregelmäßigkeiten bei Briefwahlunterlagen für...

DWN
Politik
Politik Der Fall Kirch war sein Verhängnis: Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer gestorben
23.05.2024

Er prägte über Jahre den Finanzplatz Frankfurt und die Deutsche Bank. Ein Satz kam ihn und seinen damaligen Arbeitgeber teuer zu stehen....

DWN
Technologie
Technologie IW-Regionalranking 2024: Landkreise sind Vorreiter der Energiewende
23.05.2024

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) spielen ländliche Regionen eine zentrale Rolle in der Energiewende...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Handelskonflikt mit USA und EU heizt sich auf: China erwägt höhere Import-Zölle auf Verbrenner
23.05.2024

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert weiter und erfasst nun auch europäische Autobauer, die gar keine E-Autos...