Politik

Vom Handelsstreit zum Handelskrieg: Trump erhöht Zölle auf Waren aus China drastisch

Lesezeit: 3 min
10.05.2019 12:38
Donald Trump geht aufs Ganze: Der US-Präsident ließ die Zölle auf eine ganze Reihe von chinesischen Produkten von 10 auf 25 Prozent erhöhen. Waren im Wert von über 200 Milliarden Dollar sind betroffen. Jetzt könnte es zu einem echten Handelskrieg zwischen den USA und China kommen - ein unheilvolles Szenario, von dem auch die deutsche Wirtschaft betroffen wäre, und zwar massiv.
Vom Handelsstreit zum Handelskrieg: Trump erhöht Zölle auf Waren aus China drastisch

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
China  
USA  
Handel  
Strafzölle  

US-Präsident Donald Trump hat den Handelskrieg mit China drastisch verschärft. Ungeachtet der laufenden Gespräche mit China erhöhten die USA die geltenden Sonderzölle auf Einfuhren aus dem Reich der Mitte in der Nacht zum Freitag um mehr als das Doppelte. China kündigte «notwendige Gegenmaßnahmen» an. Trotz der Eskalation des seit Monaten andauernden Handelskrieges zwischen den zwei größten Volkswirtschaften wollen beide Seiten ihre zweitägigen Verhandlungen in Washington am Freitag aber fortsetzen.

Bei der ersten Runde am Donnerstag konnte kein Durchbruch erzielt werden, obwohl Chinas Unterhändler einen «wunderschönen Brief», so Trump, von Staats- und Parteichef Xi Jinping mitgebracht hatten. Kurz nach Mitternacht Ortszeit in Washington trat die Anhebung der Sonderabgaben auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden Dollar in Kraft. Die Zölle stiegen von bisher zehn auf 25 Prozent. Davon ist jetzt die Hälfte aller chinesischen Exporte in die USA betroffen.

Chinas Chefunterhändler Liu He kritisierte das US-Vorgehen. In der gegenwärtigen Situation zusätzliche Zölle zu verhängen, sei «keine gute Lösung für das Problem», sagte der Vizepremier dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV. «Es ist nicht gut für China, nicht gut für die USA und für den Rest der Welt», sagte Liu He in der US-Hauptstadt.

Trotzdem äußerte er sich zuversichtlich. «Wir wollen einige der Differenzen ehrlich, zuversichtlich und rational lösen», sagte Liu He. «Ich denke, es gibt Hoffnung.» Die beiden Volkswirtschaften der USA und China seien in gewissem Sinne Teil einer vollständigen industriellen Kette, sagte der Vizepremier. «Und jedem wird geschadet.» Auch wenn es jetzt Probleme in den Verhandlungen gebe, sollten «nicht unschuldige Menschen darunter leiden».

Die Eskalation verunsichert seit Tagen die Finanzmärkte und wird auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. Besonders deutsche Autobauer wie BMW und Daimler, die von ihren Werken in den USA im großen Stil nach China liefern, wären von chinesischen «Gegenzöllen» betroffen. Da die gegenseitigen Sonderabgaben die chinesische Wirtschaft bremsen, wird auch die deutsche Exportindustrie leiden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in der Verschärfung des Konflikts eine «Bedrohung für die Weltwirtschaft».

Der sich verschärfende Konflikt treffe auch Europas Maschinenbau, warnte der Verband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Die Verunsicherung werde nicht nur in China, sondern auch bei Handelspartnern steigen. Die Gefahr bestehe, dass sich chinesische Unternehmen noch stärker als bisher mit Investitionen in Maschinen und Anlagern zurückhalten.

«Durch diese weitere Zoll-Eskalation verlieren beide Seiten, die USA und China», sagte Ulrich Ackermann vom VDMA. «Leidtragende der Zusatzzölle sind die Verbraucher, die höhere Preise für die Importprodukte zahlen müssen. US-Präsident Trump liegt falsch, wenn er glaubt, dass Handelskriege leicht zu gewinnen sind.»

Die US-Handelskammer in China zeigte sich nach der Zollerhöhung «enttäuscht, dass der Einsatz erhöht wurde». Doch unterstützte die Kammer die Bemühungen beider Seiten, ein «starkes und durchsetzbares Abkommen zu erreichen, das die grundsätzlichen, strukturellen Probleme löst, vor denen unsere Mitglieder in China stehen». So fordert Trump unter anderem mehr Marktzugang, einen besseren Schutz von Urheberrechten oder auch stärkere Bemühungen Chinas, um zwangsweisen Technologietransfer zu verhindern.

«China bedauert zutiefst, dass es notwendige Gegenmaßnahmen ergreifen muss», sagte in Peking der Sprecher des Handelsministeriums. Er nannte aber keine Einzelheiten. Da die USA gar nicht so viel nach China exportieren wie umgekehrt, kann Peking nicht vergleichbar Vergeltung üben. Die USA exportierten 2018 Waren im Wert von 120 Milliarden US-Dollar nach China, die heute schon mit «Gegenzöllen» belegt sind. China lieferte für 539 Milliarden US-Dollar in die USA.

Die erste Runde der Handelsgespräche endete am Donnerstagabend, ohne dass Details bekannt wurden. Man habe sich darauf geeinigt, die Verhandlungen am Freitag fortzusetzen, teilte das Weiße Haus mit. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und US-Finanzminister Steven Mnuchin hätten sich am Abend mit US-Präsident Donald Trump über den Verlauf beraten. Danach seien Lighthizer und Mnuchin zu einem Arbeitsessen mit dem chinesischen Unterhändler zusammengekommen.

Trump wirft China einen Bruch von Vereinbarungen vor, die in den monatelangen Verhandlungen bereits getroffen worden waren. China habe Zusagen zurückgezogen und wolle nachverhandeln. Deswegen hatte sich Trump am Sonntag entschieden, ungeachtet der noch laufenden Gespräche die Zölle zu erhöhen. Auch hatte er damit gedroht, die 25-prozentigen Sonderabgaben bald sogar auch auf alle Importe aus China auszuweiten.

Der US-Präsident äußerte sich aber positiv über das Schreiben von Xi Jinping, der ihn darin zur Zusammenarbeit aufgefordert habe. Eine Einigung sei diese Woche weiter möglich. Er werde voraussichtlich mit ihm telefonieren. Trump kritisierte aber erneut, die chinesische Seite habe Zusagen wieder zurücknehmen wollen. «Sie haben den Deal neu verhandelt», sagte der US-Präsident. Dabei sei es um «viele, viele Teile» des geplanten Abkommens gegangen, unter anderem um das Thema Diebstahl geistigen Eigentums. «Das kann man nicht tun.»

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik „Great Reset“: Wie das Weltwirtschaftsforum China seit Jahren hofiert und lobt

Seit Jahren bauen das Weltwirtschaftsforum unter Klaus Schwab und China ihre Beziehungen aus. Das Forum hat eine eindeutig positive...

DWN
Finanzen
Finanzen Großinvestoren schichten von Gold nach Bitcoin um

Daten aus den vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass Privatinvestoren im großen Stil von Gold nach Bitcoin umschichten. Der aktuelle...

DWN
Finanzen
Finanzen Mehrere Zahlungsausfälle erschüttern Chinas Anleihemarkt

In den vergangenen Tagen konnten mehrere staatlich kontrollierte Unternehmen ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen. Ausländische...

DWN
Politik
Politik Klare Botschaft an alle: USA entsenden Langstrecken-Bomber in den Nahen Osten

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, haben die USA Langstrecken-Bomber in den Nahen Osten entsendet. Die Mission sollte als...

DWN
Politik
Politik Das große Geschäft mit den Impfstoffen hat begonnen

Die EU einigt sich mit dem US-Hersteller Moderna, Bill Gates‘ Impfallianz erhält hunderte Millionen Dosen des Herstellers AstraZeneca...

DWN
Finanzen
Finanzen Jetzt ist es soweit: Bundesregierung erwägt Einführung eines Corona-Soli

Medienberichten zufolge erwägt die Bundesregierung, einen Corona-Soli einzuführen, um den wirtschaftlichen Schaden der Corona-Krise...

DWN
Politik
Politik Corona-Ticker: Auf diese Maßnahmen haben sich die Bundesländer für Weihnachten und Silvester geeinigt

Die Bundesländer haben sich auf zahlreiche Maßnahmen für den Dezember geeinigt. Lesen Sie alle Einzelheiten im Liveticker.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Ifo-Index zum Geschäftsklima sinkt deutlich

Die deutschen Unternehmen blicken im November branchenübergreifend skeptisch in die Zukunft.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sahra Wagenknecht: „Altmaier und Laschet müssen den Ausverkauf von Thyssenkrupp stoppen“

Die Links-Politikerin Sahra Wagenknecht fordert Wirtschaftsminister Peter Altmaier und den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet auf, den...

DWN
Finanzen
Finanzen So erfüllt sich Ihr Traum vom Eigenheim

Das Eigenheim als Altersvorsorge? Viele Deutsche träumen davon. Doch nur wenige besitzen hierzulande tatsächlich die Immobilie, die sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen RWE will in den Niederlanden Wasserstoff aus Reststoffen erzeugen

RWE ist bisher gut durch die Pandemie gekommen. Jetzt setzt das Unternehmen ein lukratives neues Projekt um.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Eskalation bei Daimler: Betriebsrat ruft alle 170.000 Mitarbeiter zum Widerstand gegen Stellenabbau auf

Die politisch geforderte Wende zur Elektromobilität wird bei Daimler zehntausende Stellen kosten. Nun hat die Auslagerung der...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Börse stellt neue Regeln für den Dax vor: Ethische Fragen werden ausgeklammert

Die Deutsche Börse hat heute neue Regeln für die deutschen Aktienindizes vorgestellt. Der Leitindex Dax umfasst nun 40 Titel, zudem...

DWN
Politik
Politik Erdogan fordert „Ehrlichkeit“ von der EU im Umgang mit der Türkei

Der türkische Präsident Erdogan hat sich am vergangenen Sonntag positiv über die EU geäußert. Die Türkei habe sich immer als ein Teil...