Deutschland

Mittelstand hat Probleme bei der Generationen-Nachfolge

Lesezeit: 2 min
26.05.2019 11:03
Bis zum Jahr 2022 müssen 150.000 bis 500.000 deutsche mittelständische Unternehmen ihre Nachfolge regeln. Doch das bereitet den meisten Firmen große Probleme.
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Nach einer Recherche des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn) und der KfW-Research müssen bis zum Jahr 2022 zwischen 150.000 und einer halben Million kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ihre Nachfolge regeln. Das geht aus einer Mitteilung des Deutschen Mittelstands-Bundes (DMB) hervor, die den Deutschen Wirtschaftsnachrichten vorliegt.

“Die zunehmende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bei Unternehmensübergaben ist bedenklich. Stilllegungen gefährden Arbeitsplätze, belasten die wirtschaftliche Dynamik und nicht zuletzt die Zukunft unserer sozialen Sicherungssysteme – KMU sind der Top-Arbeitgeber der Bundesrepublik”, so Marc S. Tenbieg, geschäftsführender Vorstand des DMB.

Aus diesem Grund hat der DMB am 23. Mai 2019 im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Turmgespräch des Mittelstands” ein Treffen mit Politikern, Unternehmern und Experten durchgeführt. Das Treffen fand in Düsseldorf statt. Karl Schiewerling, Co-Vorsitzender der Rentenkommission wies auf das Demografieproblem hin. Ihm zufolge schwebe  die Demografie wie eine drohende Wolke über der Rente, den Unternehmen, den Familien und der Sozialpolitik.

Kaufpreis-Problem bei Unternehmensnachfolge

Eine der schwierigsten Hürden für das Gelingen einer Unternehmensnachfolge ist dabei das Finden eines für Verkäufer und Käufer gleichermaßen akzeptablen Kaufpreises. KfW Research hat nun erstmalig repräsentativ auf Basis des KfW-Mittelstandspanels ermittelt, wie die Preiserwartungen von Unternehmern, die ihre Firma binnen fünf Jahren in die Hände eines Nachfolgers geben wollen, aussehen.

Der durchschnittliche geschätzte Kaufpreis eines Unternehmens liegt im Jahr 2018 bei 351.000 Euro, wenn die Unternehmensnachfolge innerhalb der kommenden fünf Jahre vollzogen werden soll. Die überwiegende Anzahl der Firmen im deutschen Mittelstand ist allerdings sehr klein, acht von zehn Mittelständlern sind Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Demzufolge erwartet die Hälfte aller Mittelständler einen Kaufpreis von maximal 175.000 Euro. Jeder fünfte Inhaber beurteilt den Wert des Unternehmens sogar mit maximal 50.000 Euro. Die geschätzten Kaufpreise sind im Jahresvergleich weitgehend stabil. Die Durchschnittsbewertung der Kaufpreise ist von 2017 auf 2018 um lediglich zwei Prozent gestiegen.

Werteinschätzung entspricht knapp dem Jahresumsatz

Im Durchschnitt über alle Nachfolgeplaner zeigt sich: Die Werteinschätzung der Inhaber entspricht knapp dem einfachen Jahresumsatz des zur Übergabe anstehenden Unternehmens, so die dpa. Die Nachfolgeplaner setzen im Durchschnitt etwa 90 Prozent des Umsatzes als Kaufpreis an. “Die deutschen Mittelständler schätzen den Wert ihrer Unternehmen realistisch ein, es gibt kaum Anzeichen für eine systematische Überbewertung. Häufig wird vermutet, dass Alteigentümer Emotionen und die Anstrengungen des Unternehmensaufbaus mit einpreisen. Diese sogenannte 'Herzblutrendite' lässt sich in der Breite aber nicht nachweisen”, sagt Dr. Michael Schwartz, Mittelstandsexperte bei KfW Research.

Ein Blick über diese aggregierten Angaben hinweg zeigt eine große Spannbreite der angesetzten Kaufpreise, je nach Unternehmensgröße und Branche. Kleinstunternehmen weisen unterdurchschnittliche Kaufpreise auf. 43 Prozent der Inhaber in diesem Segment beziffern den derzeitigen Kaufpreis mit maximal 100.000 Euro. Ein deutlich anderes Bild ergibt sich für Mittelständler der größten Größenklasse (50 und mehr Beschäftigte). 81 Prozent von ihnen setzen den Kaufpreis aktuell mit mindestens eine Million Euro an. Das ist nachvollziehbar, da in der Regel mit der Unternehmensgröße die Vermögenswerte eines Unternehmens ansteigen (Immobilien, Grundstücke, Maschinen, Fuhrpark, immaterielle Vermögenswerte, etc.).

In der Branchensicht sticht das FuE-intensive Verarbeitende Gewerbe hervor. Auch dort sind die Kaufpreise deutlich in Richtung der höheren Klassen verschoben, ein Drittel der Unternehmer erwartet sich Kaufpreise von einer Million Euro oder mehr. Dagegen sind die Preise für Unternehmen des Baugewerbes im Durchschnitt am niedrigsten angesetzt, fast die Hälfte der Inhaber dieser Firmen bewertet den Kaufpreis mit maximal 100.000 Euro. Dies liegt vor allem an der im Vergleich geringen Unternehmensgröße und damit niedrigeren Vermögenswerten.

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