Wirtschaft
Preiseinbruch um 30 Prozent

Lithium-Produzenten warten sehnsüchtig auf den E-Auto-Boom

Die Lithiumproduzenten leiden unter einem Preiseinbruch um 30 Prozent. Sie hoffen darauf, dass Elektroautos endlich zum Alltag werden. Doch der Durchbruch lässt auf sich warten.
11.08.2019 17:45
Lesezeit: 2 min

Die Lithiumproduzenten hoffen auf eine florierende Zukunft, falls Elektroautos zum Alltag werden sollten. Denn das weiche, silberweiße Metall ist entscheidend bei der Herstellung wiederaufladbarer Batterien. Doch zuletzt ist der Lithiumpreis um 30 Prozent eingebrochen.

Zwischen Mitte 2015 und Mitte 2018, als die Zahl der Elektrofahrzeuge weltweit die 5-Millionen-Marke überstieg und die Automobilindustrie sich verstärkt mit dem Rohstoff beschäftigen musste, hatte der Lithiumpreis sich fast verdreifacht. Daher nahmen in Australien seit 2017 sechs Lithium-Minen den Betrieb auf.

Doch der erwartete Boom ist noch nicht da. Die Verkaufszahlen in China, dem größten Markt für Elektrofahrzeuge, wachsen nicht mehr so schnell. In der Folge ist der Lithiumpreis um 30 Prozent abgestürzt. Dies hat nun in der Branche die Sorge ausgelöst, dass der Preis noch tiefer fallen könnte.

Neben dem Überangebot an Lithium ist nun auch die Nachfrage ein Problem, heißt es in einem Bericht von Macquarie Capital . "Das Hauptinteresse der Investoren sollte darauf liegen, [welche Produzenten] wahrscheinlich überleben", zitiert Bloomberg aus dem Bericht.

Im ersten Quartal 2019 wuchs der Absatz von Elektrofahrzeugen in China im Vergleich zum Vorjahr um rund 90 Prozent. Das klingt zwar beeindruckend, ist aber nur halb so viel wie zwischen den Jahren 2017 und 2018.

In Australien, dem weltweit führenden Herstellerland, wird die Lithiumproduktion in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich um 23 Prozent steigen. Der zweitgrößte Produzent Chile will laut Aussagen seines Bergbauministers Baldo Prokurica vom vergangenen Monat die Produktion innerhalb der nächsten vier Jahre sogar verdoppeln.

Der Preisverfall ist auch deshalb ein Problem, da das heute geförderte Erz sich zunehmend schwieriger in Lithium-Materialien umzuwandeln lässt.

Einige Weiterverarbeiter in China berichten von einer verzögerten Expansion aufgrund aggressiver Projekttermine, längerer Zeiträume für die Inbetriebnahme ihrer Anlagen und wegen verschärfter Kreditanforderungen, so ein Bericht von Orocobre vom Juli. Als Reaktion auf die Verzögerungen bei den chinesischen Weiterverarbeitern sagte der in Perth ansässige Lithiumproduzent Pilbara Minerals im Juni, dass er das Tempo der Produktion vorübergehend verlangsamen will.

Einige Produzenten haben ihre kurzfristigen Gewinnprognosen gesenkt. Anfang des Jahres senkte Belgiens Umicore, der weltweit größte Hersteller von Lithium-Ionen-Kathoden, seine Gewinnprognose bis Ende 2019 und verwies auf die schwächere Nachfrage und die Abschaltung von Energiespeichersystemen in Südkorea.

Zwar erwartet Umicore "ein signifikantes Wachstum von Umsatz und Ertrag im Jahr 2020". Doch frühere Prognosen von 100.000 Tonnen Kathodenmaterialumsatz im Jahr 2019 und 175.000 Tonnen bis Ende 2021 würden sich um 12 bis 18 Monate verzögern.

Die Top-Lithium-Miner Albemarle und Livent nannten ebenfalls eine nachlassende Nachfrage und niedrige Preise als Ursache für Produktionsverzögerungen.

Die Lithiumproduzenten "sehen, dass Elektrofahrzeuge in einigen Jahren abheben werden, und sie wollen die dominanten Akteure in den Jahren 2023, 2025, 2030 sein", sagte Joel Jackson, Analyst bei BMO Capital Markets, zu Bloomberg. Daher würden sie jetzt Produktionskapazitäten aufbauen,  um die erwartete steigende Lithiumnachfrage zu bedienen.

Bis 2025 könnte der Markt für Lithium-Rohstoffe aus dem Bergbau einen Wert von 20 Milliarden Dollar erreichen, verglichen mit 43 Milliarden Dollar für veredelte Produkte und 424 Milliarden Dollar für Batteriezellen, so ein Basisszenario in einer Studie der Association of Mining and Exploration Companies aus dem Jahr 2018.

Bis 2030 muss das Angebot an Lithium-Ionen-Batterien um mehr als das Zehnfache steigen, prognostiziert BloombergNEF, wobei Elektrofahrzeuge mehr als 70 Prozent dieses Bedarfs ausmachen würden.

Morgan Stanley prognostizierte Anfang Juli, dass die Lithiumcarbonatpreise aus Südamerika unter 10.000 Dollar pro Tonne fallen. Verschiedene Formen von Lithium, die in verschiedenen Regionen produziert werden, würden sich bis zum Jahr 2025 zwischen 7.000 und 8.100 Dollar pro Tonne einpendeln.

Die Hersteller produzieren Lithium mit spezifischen chemischen Eigenschaften, die auf die Bedürfnisse der einzelnen Käufer zugeschnitten sind. "Mit der E-Auto-Industrie haben sich die Anforderungen an Batterien im Hinblick auf Sicherheit, Reichweite und Energiedichte erhöht", zitiert Bloomberg Javier Martinez de Olcoz.

Die wachsenden Anforderungen haben nach Ansicht des Morgan-Stanley-Analysten Fragen aufgeworfen, was die Fähigkeit der Lithiumproduzenten angeht, mit dem sich schnell ändernden Nachfrageprofil Schritt zu halten. Produzenten, die sich schneller anpassen, würden im Wettlauf um die Marktbeherrschung wahrscheinlich gewinnen.

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