Finanzen
Mehr Schulden als Obama

Trump-Regierung macht historisch hohe Schulden

Laut neuesten Schätzungen des US-Finanzministeriums macht die Regierung von Donald Trump im laufenden Jahr neue Schulden in Höhe von netto mehr als 1,61 Billion Dollar.
08.08.2019 17:27
Lesezeit: 2 min

Das US-Finanzministerium hat seine aktuellen Schätzungen zur Nettokreditaufnahme für das dritte und vierte Quartal veröffentlicht. Demnach haben die USA im zweiten Quartal netto 40 Milliarden Dollar aufgenommen und das Quartal mit einem Kassenbestand von 264 Milliarden Dollar beendet.

Das Ministerium erwartet, dass es im dritten Quartal netto 433 Milliarden Dollar Schulden aufnehmen wird. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die letzte Schätzung vom April. Für das vierte Quartal erwartet das US-Finanzministerium eine Nettokreditaufnahme in Höhe von 381 Milliarden Dollar.

Insgesamt würde die US-Regierung demnach im laufenden Jahr netto mehr als 1,61 Billion Dollar neue Schulden machen. Das wäre deutlich mehr als die Neuschulden von netto 1,34 Billionen Dollar im vergangenen Jahr und fast dreimal so viel wie noch im Jahr 2017.

Nicht einmal Trumps Vorgänger Barack Obama - in dessen achtjähriger Amtszeit sich die Schulden der Regierung von rund 10 Billionen Dollar auf 20 Billionen Dollar verdoppelt hatten - hat in einem Jahr 1,61 Billionen Dollar neue Schulden aufgenommen. Das Bruttoinlandsprodukt der USA wird für das laufende Jahr auf 21,3 Billionen Dollar geschätzt. Demnach entspricht die Nettoschuldenaufnahme einer Quote von hohen 7,6 Prozent des BIP.

Den extremen Anstieg der neuen Schulden im dritten Quartal begründet das US-Finanzministerium mit "Änderungen in den Annahmen zum Kassenbestand". Konkret soll der Kassenbestand nach dem Fall der Schuldengrenze wieder auf 350 Milliarden Dollar angehoben werden, um die Liquidität der US-Regierung sicherzustellen.

Republikaner und Demokraten haben sich gerade darauf geeinigt, die Schuldengrenze für zwei Jahre auszusetzen und damit den Weg für höhere Staatsausgaben frei gemacht. Weder US-Präsident Donald Trump noch seine demokratischen Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl 2020 zeigen eine Bereitschaft, die Staatsausgaben zu senken.

Trotz der schnell wachsenden Schulden liegt der Zinssatz für zehnjährige US-Staatsanleihen mit über 2,05 Prozent so niedrig wie zuletzt vor drei Jahren nahe an seinen Rekordtiefs. Ein Grund dafür ist die erwartete Zinssenkung durch die Federal Reserve in dieser Woche, von der die konkurrierende Anlageklasse der Aktien profitiert.

Das Haushaltsdefizit unter US-Präsident Trump steigt vor allem infolge der von ihm vorangetriebenen Steuersenkungen, von zusammen mit den Demokraten verabschiedeten höheren Staatsausgaben und wegen der wachsenden Kosten des Sozialversicherungssystems.

Wenn Trump weiter Defizite in dieser Höhe macht, wird er seinen Vorgänger Barack Obama als bisher größten Schuldenmacher im Amt überholen. Und die Ausgabenpläne der demokratischen Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr würden sogar noch höhere Defizite zur Folgen.

Besonders bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund die seit einigen Jahren zu beobachtende langsame Abwendung einiger wichtiger ausländischer Geldgeber wie China von den US-Finanzmärkten. Zuletzt hatten sich ausländische Investoren netto aus dem US-Aktienmarkt und den Anleihemärkten zurückgezogen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Ozempic und Mounjaro: Die gefährliche Wahrheit über den schnellen Gewichtsverlust
10.08.2026

Ozempic und Mounjaro lassen die Kilos purzeln und bringen selbst quälende Gedanken ans Essen zum Schweigen. Doch der schnelle Erfolg kann...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street gibt angesichts anhaltender Hormus-Unsicherheit leicht nach
10.08.2026

Erfahren Sie, welche geopolitischen Entwicklungen und Marktschwergewichte die Wall Street heute bewegen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Yen-Intervention erschüttert die EZB und stellt Europas Vertrauen auf die Probe
10.08.2026

Washington stützt den Yen und greift dafür ausgerechnet auf Euro zurück. Dass die EZB erst nach der Intervention informiert wurde,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa erhitzt sich: Wegen sinkender Flüsse werden Kraftwerke gestoppt
10.08.2026

Über Europa zieht bereits die vierte Hitzewelle dieses Jahres hinweg. Die Hitze wird nicht nur mit Tausenden zusätzlichen Todesfällen in...

DWN
Politik
Politik Rente, Haushalt, Wahlen - welche Probleme auf Merz warten 
10.08.2026

Das Regierungsviertel in Berlin döst noch vor sich hin. Doch ein stürmischer Herbst kündigt sich an: Auf den Kanzler warten nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenkrise Europa: Krieg wird zur größten Gefahr für das Finanzsystem
10.08.2026

Europas größte Banken halten militärische Konflikte inzwischen für die gefährlichste Bedrohung ihrer Bilanzen. Eine neue Untersuchung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Stihl vor Tarifrunde: 35-Stunden-Woche nicht mehr zeitgemäß
10.08.2026

Rückkehr zur 40-Stunden-Woche – für dasselbe Gehalt? Nikolas Stihl sieht die 35-Stunden-Woche als Luxus vergangener Tage. Wie seine...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmangel treibt Preise: Mieten in Deutschland steigen deutlich
10.08.2026

Für Mieter gibt es weiter kaum eine Atempause: Ihre Wohnkosten ziehen kräftig an. Auch bei den Immobilienpreisen geht es bergauf. Die...