Politik
Konkurrenten im Mittleren Osten

Geheimbericht: Saudi-Arabien will Erdogan stürzen

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman will angeblich Erdogan stürzen. Das soll aus einem Geheimdienstbericht hervorgehen. Der Kronprinz soll bereits einen Plan ausgearbeitet haben.
09.08.2019 15:56
Lesezeit: 2 min

Einem Geheimdienstbericht des Emirates Policy Centre (EPC) zufolge will der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS) den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stürzen. Der Bericht des EPC mit dem Titel “Monthly Report on Saudi Arabia, Issue 24, May 2019”, der für die oberste Führung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bestimmt ist, wurde dem Middle East Eye (MEE) zugespielt.

Demnach soll Saudi-Arabien im Mai 2019 einen strategischen Plan entworfen haben, um die Türkei zu destabilisieren. Ziel des Plans sei es, „alle möglichen Mittel einzusetzen, um Erdogans Regierung unter Druck zu setzen, ihn zu schwächen und mit innenpolitischen Fragen zu beschäftigen -  in der Hoffnung, dass er von der Opposition gestürzt wird.”

Riad plane, den Einfluss der Türkei in der Region einzudämmen. “Das Königreich würde anfangen, auf die türkische Wirtschaft abzuzielen, auf die schrittweise Beendigung der saudischen Investitionen in der Türkei zu drängen, die Zahl der saudischen Touristen, die die Türkei besuchen, zu verringern, während alternative Reiseziele für sie geschaffen werden”, heißt es in dem Bericht. Zudem sollen die Importe türkischer Waren verringert werden. MbS habe diesen Entschluss nach dem Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Kashoggi getroffen.

Kashoggi wurde im Oktober 2018 höchstwahrscheinlich im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens ermordet. Erdogan forderte daraufhin Konsequenzen für MbS. Die CIA kam damals zu dem Schluss, dass MbS den Mordauftrag abgesegnet hatte. Die Menschenrechtsforscherin der Vereinten Nationen, Agnes Callamard, kam ebenfalls zu diesem Ergebnis. 

In der vergangenen Woche wurde erstmals deutlich, dass der Inhalt des Geheimdienstberichts des EPC offenbar der Wahrheit entspricht. Die saudischen Behörden hatten Ende Juli 2019 80 türkische Lastwagen, die Textilprodukte und Chemikalien transportieren, daran gehindert, das Königreich über den Hafen von Duba zu betreten. Ein türkischer Beamter sagte dem MEE unter der Bedingung der Anonymität, dass sich auch 300 Container mit Obst und Gemüse aus der Türkei im Hafen von Jeddah befanden. Die türkischen Unternehmen sind überzeugt davon, dass es sich um eine vorsätzliche Blockade mit einem Embargo-Charakter handelt, berichtet CNN Türk.

Die Zahl der saudischen Touristen, die die Türkei besuchen, ging im ersten Halbjahr 2019 um 15 Prozent - von 276.000 auf 234.000 - zurück. Dies geht aus offiziellen Daten des türkischen Tourismusministeriums hervor. Die saudischen Direktinvestitionen in der Türkei belaufen sich auf etwa zwei Milliarden US-Dollar.

Aus dem Geheimdienstbericht geht zudem hervor, dass MbS Erdogan im Zusammenhang mit dem Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Mekka in die Liste der “Ausgeschlossenen” gesetzt hatte. In der Liste befinden sich auch der syrische Präsident Baschar al-Assad und der iranische Präsident Hassan Rouhani. Das Treffen fand Ende Mai 2019 statt, berichtet Al Arabiya.

Ein hochrangiger anonymer türkischer Beamter sagte dem MEE, die Türkei sei sich über den Vorstoß von MbS bewusst. Schließlich lasse sich das auch in den Social Media-Kanälen der Saudis und in den von Saudi-Arabien kontrollierten Nachrichtensendern beobachten. Allerdings beruhe der Plan von MbS, Erdogan zu stürzen teilweise auf einem Wunschdenken. “Istanbul zum Beispiel ist immer noch voller saudischer Touristen. Saudische Beamte sollten die Umfrage der BBC zur Popularität von Erdogan im Nahen Osten überprüfen. Dann werden sie feststellen, dass sie versagen”, so der Beamte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Kurzlaufende Staatsanleihen sind nach dem Zinsanstieg für Sparer attraktiver
06.09.2026

Kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Rendite von nahe drei Prozent sind ein Grund, das Wissen aufzufrischen: Wie können Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Von Titan bis Neodym: So abhängig ist Europas Rüstungsindustrie von Russland und China
06.09.2026

Flugzeugstrukturen, Triebwerke und Raketenkörper brauchen hochreinen Titanschwamm, und die Hälfte davon stammt aus China und Russland....

DWN
Finanzen
Finanzen Die serbische Börse ist die rentabelste der Welt? Das muss ein Fehler sein
06.09.2026

Der serbische Aktienindex Belex15 soll laut Bloomberg seit Jahresbeginn mehr als 515.000 Prozent Gesamtrendite erzielt haben. Doch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Projekte scheitern – und wie Sie den Kollaps verhindern
06.09.2026

Stuttgart 21 als Warnung für den Mittelstand: Atreus-Experte Thomas Gläßer erklärt, warum Projekte scheitern, welche Ursachen...

DWN
Politik
Politik Dexit: Was von Europa ohne Deutschland bliebe
06.09.2026

Ein Dexit galt lange als politisches Randthema. Doch wenn die AfD weiter zulegt, wird der Austritt Deutschlands aus EU, Euro und Schengen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ratan Tata im Porträt: Das Auto war zu billig, um ein Erfolg zu werden
06.09.2026

Ratan Tata wollte indischen Familien ein sicheres und bezahlbares Auto geben. Der Tata Nano wurde als billigstes Auto der Welt gefeiert,...

DWN
Technologie
Technologie Elektroschrott in Europa: Milliardenwerte bleiben ungenutzt
06.09.2026

Europas Elektroschrott enthält Rohstoffe im Wert von Milliarden Euro, doch ein Großteil bleibt ungenutzt. Eine neue Studie zeigt, wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billigimporte aus China: Die EU zieht die Zollmauer hoch
06.09.2026

Die EU verschärft ihre Zollregeln gegen die Flut kleiner Pakete aus China. Nach dem festen Drei-Euro-Zoll kommt ab November eine...