Politik
Auf Deutschen folgt Amerikaner

Wechsel im Geheimdienst: Deutschland verliert an Einfluss in der Nato

Der US-Amerikaner David Cattler wird den deutschen Diplomaten Arndt Freytag von Loringhoven als Chef des Nato-Geheimdienstes im Herbst ablösen. Cattler ist bekannt als Nahost-Spezialist.
26.08.2019 11:52
Lesezeit: 1 min

Im Geheimdienst-Apparat der Nato wird es bald einen Wechsel geben. Der derzeit amtierende Chef des Geheimdiensts der Nato ist der deutsche Diplomat Arndt Freytag von Loringhoven, dessen Amtszeit im Herbst 2019 endet.

Ein Sprecher der Nato sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: “Nach dem Ende der Amtszeit von Arndt Freytag von Loringhoven als stellvertretender Generalsekretär für Nachrichtendienste und Sicherheit (Chef des Nato-Geheimdiensts, Anm. d. Red.) wird David Cattler voraussichtlich im Herbst das Amt antreten. Der stellvertretende Generalsekretär für Geheimdienste und Sicherheit ist verantwortlich für die nachrichtendienstliche Unterstützung des Nordatlantikrates und des Militärausschusses sowie für die Beratung des Generalsekretärs in Geheimdienst- und Sicherheitsfragen. Derzeit im Amt, ist Arndt Freytag von Loringhoven der erste stellvertretende Generalsekretär der Nato für Geheimdienste und Sicherheit. Er hatte seine Position im Dezember 2016 angetreten.”

David Cattler ist in Nachrichtendienstkreisen als Spezialist für den Nahen Osten und Nordafrika (MENA) bekannt. Er verfügt über Erfahrungen im Office of the Director of National Intelligence, beim National Security Council, bei der Defense Intelligence Agency, im Generalstab der USA und bei der US Navy. 

Am 13. März 2018 hielt er eine Rede auf einer Veranstaltung des Washington Institute for Near East Policy (Winep). Cattler sagte: “Obwohl der IS im Irak und in Syrien dezimiert wurde, findet seine Ideologie immer noch weltweite Resonanz, was schwerwiegende Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der USA hat. Während sich das Reisen als schwierig erwiesen hat, werden viele IS-Kämpfer wahrscheinlich versuchen, in ihre Herkunftsländer, einschließlich nach Europa und in die USA, zurückzukehren, um Angriffe durchzuführen (...) Die Mitgliedsorganisationen des IS außerhalb der Levante planen und führen weiterhin Angriffe durch. Und der IS wird wahrscheinlich seine Bemühungen verdoppeln, Anhänger dazu zu inspirieren, Angriffe dort zu verüben, wo sie sich gerade befinden.”

Doch für Cattler ist nicht der IS, sondern vor allem der Iran eine große Gefahr. Cattler wörtlich: “Wie in der von uns im letzten Monat veröffentlichten weltweiten Bedrohungsanalyse festgestellt, bleibt der Iran der bedeutendste staatliche Sponsor des Terrorismus und bemüht sich, seinen Einfluss in der gesamten Region auszudehnen. Dies steht im Einklang mit den Äußerungen des Präsidenten vom Oktober letzten Jahres, als er die Iran-Strategie ankündigte: ,Das [iranische] Regime bleibt der weltweit führende staatliche Sponsor des Terrorismus und leistet Unterstützung für Al-Qaida, die Taliban, die Hisbollah und die Hamas. und andere terroristische Netzwerke’.”

Es ist davon auszugehen, dass sich Cattler als Nachrichtendienst-Chef der Nato nicht nur der Bekämpfung des IS in Europa und im Nahen Osten, sondern vor allem der Eindämmung des Irans widmen wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Trumps Politik schwächt Dollar: US-Währung verliert an Einfluss weltweit
03.02.2026

Trumps Wirtschaftspolitik lässt den Dollar schwanken und bringt Anleger in Alarmbereitschaft. Die US-Währung hat seit seiner...

DWN
Politik
Politik Kevin Warsh als FED-Vorsitzender: Mehr Stabilität oder neue Unsicherheit?
03.02.2026

Die Nominierung von Kevin Warsh als Vorsitzenden der US-Notenbank verschiebt die Erwartungen an die künftige Geldpolitik und beeinflusst...

DWN
Panorama
Panorama Tanken in Deutschland: Spritpreise steigen wegen Rohöl und CO2-Preis
03.02.2026

Sprit wird teurer: Benziner und Diesel kosten im Januar deutlich mehr. Haupttreiber sind steigende Rohölpreise und die neue CO2-Abgabe.

DWN
Politik
Politik Nato-Generalsekretär Rutte zu Besuch in Kiew
03.02.2026

Russlands Angriffe auf die Ukraine treffen erneut die Energieinfrastruktur. Hunderttausende Menschen stehen ohne Heizung und Strom da....

DWN
Finanzen
Finanzen Zalando-Aktie bricht ein: TikTok-Konkurrenz verunsichert Anleger
03.02.2026

Ein einziger Analystenkommentar reicht – und schon rauscht die Zalando-Aktie in den Keller. Die Anleger fürchten, dass globale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilzeit boomt: Wie Unternehmen, Branchen und Demografie die Quote treiben
03.02.2026

Das Angebot an Teilzeitjobs wächst seit Jahren, damit auch die Anzahl an Beschäftigen in Teilzeit – freiwillig oder nicht. Warum die...

DWN
Finanzen
Finanzen PayPal-Aktie sackt ab: Anleger von PayPal-Quartalszahlen geschockt – was jetzt droht
03.02.2026

Die PayPal-Aktie erlebt einen dramatischen Absturz nach enttäuschenden Quartalszahlen und einem überraschenden Chefwechsel. Die Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entscheidungsautonomie: Warum Führungskräfte entscheiden dürfen, aber nichts bewirken
03.02.2026

Flache Hierarchien, Vertrauen und Agilität gelten als neue Leitbilder moderner Unternehmensführung. Doch hinter der Fassade...