Politik

Niederlande: Wer Steuer-Schulden nicht begleicht, darf nicht in den Urlaub fliegen

Lesezeit: 1 min
25.06.2013 09:29
Niederländer werden am Amsterdamer Flughafen bei der Passkontrolle auf Steuerschulden überprüft. Wer unbeglichene Steuerschulden hat, muss an Ort und Stelle zahlen. Sonst wird ihm die Ausreise nicht gestattet. Zudem drohen ihm sofort sieben Tage Haft.
Niederlande: Wer Steuer-Schulden nicht begleicht, darf nicht in den Urlaub fliegen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die niederländische Polizei, das Finanzministerium und die Bußgeldbehörde machen gemeinsam Jagd auf Steuersünder. Wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen will, steht vor der Wahl: Entweder er zahlt seine Steuern nach oder er muss zuhause bleiben.

Niederländischen Fluggästen werden bei der Passkontrolle mit der nationalen Verkehrs- und Steuersünderkartei überprüft, berichtet Die Presse. Wenn dabei festgestellt wird, dass jemand unbeglichene Steuerschulden hat, dann muss er diese an Ort und Stelle bezahlen. Sonst wird ihm der Flug in den Urlaub verwehrt.

Dasselbe gilt für Verkehrssünder mit offenen Strafzetteln. Wenn sie nicht sofort das Bußgeld entrichten, wird ihnen die Ausreise nicht gestattet. „Die meisten bezahlen dann sofort. Schließlich wollen sie in den Urlaub fliegen“, sagt Jos Pieters, Kommandant der Grenzpolizei.

Manche Niederländer müssten „nur kleine Beträge, so zwischen 100 und 300 Euro, begleichen“, sagte Pieters. Doch auch Leute, deren Steuerschuld bei 10.000 Euro liegt, müssen auf der Stelle den gesamten Betrag bezahlen, oder ihr Flugzeug hebt ohne sie ab.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat der niederländische Staat circa eine halbe Million Euro auf dem Flughafen abkassiert. „Das ist rund ein Viertel mehr als zur gleichen Zeit im vorigen Jahr“, so Steuereintreiber Pieters. Im vergangenen Jahr habe man 1,2 Millionen Euro von Steuer- und Bußgeldsündern auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol eingetrieben.

Im letzten Jahr mussten circa 700 Niederländer auf ihren Urlaub verzichten, weil sie die noch ausstehenden Steuerschulden oder Bußgeldbescheide bei der Ausreise nicht sofort bezahlen konnten. Dieses Jahr werden es deutlich mehr sein. Denn das Kontrollsystem wurde perfektioniert und aktualisiert, sodass auch ganz aktuelle Bußgeldbescheide schon erfasst werden können.

Die Flucht vor dem niederländischen Fiskus mit dem Flugzeug ist nicht mehr möglich. Es kann sogar passieren, dass man direkt auf dem Amsterdamer Flughafen verhaftet wird. Denn aufgrund einer Gesetzesänderung darf die Grenzpolizei säumige Steuer- oder Bußgeldbezahler bis zu sieben Tage lang festhalten, wenn diese nicht bezahlen wollen oder können.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld boomt: Die Federal Reserve überschwemmt die Welt mit Dollar-Banknoten

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht derzeit weltweit spürbar an – ein Beleg für die Flucht der Bürger in den sicheren Hafen...

DWN
Politik
Politik Italien: Ein Land kann seinen größten Trumpf nicht nutzen

In der elften Folge der großen geopolitischen DWN-Serie zeigt Moritz Enders auf, warum Italien sein Potential als Regionalmacht nicht...

DWN
Politik
Politik Südostasiens Drahtseilakt zwischen den Giganten: Wo führt China, wo die USA? - Teil 2

Wie tief und verlässlich die bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten und Chinas zu ihren Partnern in Südostasien sind, lässt...

DWN
Finanzen
Finanzen Es ist noch nicht zu spät: Warum Immobilien auf dem Land eine Chance sind

Trotz der sinkenden Lebensqualität in den Städten infolge von Corona kann das Statistische Bundesamt noch immer keine Flucht aufs Land...

DWN
Politik
Politik Die Politik beschließt Corona-Maßnahmen nach dem Mephisto-Prinzip

DWN-Kolumnist Christian Kreiß wendet zur Beurteilung der Corona-Maßnahmen ein neues Verfahren an. Die Ergebnisse sind verblüffend.

DWN
Politik
Politik „Trump ist der Anführer der konservativen Bewegung“

Der republikanische Kongressabgeordnete Jim Jordan sieht den früheren US-Präsidenten Donald Trump auch nach dessen Wahlniederlage an der...

DWN
Politik
Politik Sozialismus, Rassenhass, Korruption: Südafrika steht am Abgrund

Fast 25 Jahre hat Sebastiaan Biehl in Südafrika gelebt. Im großen DWN-Interview erläutert der Politikwissenschaftler und Journalist, wie...

DWN
Politik
Politik Nordspanien: Impfverweigerern drohen bis zu 60.000 Euro Strafe

Die Regionalregierung von Galicien plant, ein Gesetz zu verabschieden, wonach Impfverweigerer in Bezug auf die aktuelle Corona-Impfung und...

DWN
Politik
Politik Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die Ziele im Rahmen des „Great Reset“ und der Pandemie bedrohen vor allem den deutschen Mittelstand. Über 99 Prozent aller Unternehmen...

DWN
Politik
Politik Ägypten: Die Tage des Merkel-Schützlings al-Sisi sind gezählt

Es gibt ernsthafte Hinweise dafür, dass der ägyptische Präsident Abdul Fattah al-Sisi bald gestürzt werden könnte. Internationale...

DWN
Politik
Politik Armin Laschet meint: Jens Spahn macht einen guten Job

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet meint, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Verlauf der Pandemie einen guten Job machen. Zuvor...

DWN
Politik
Politik Corona-Kontrolle in Stuttgart: Hunderte Jugendliche mit verbalen Attacken, Flaschenwürfen und Sprechchören gegen Polizei

Zu einem größeren Polizeieinsatz kam es am Samstagabend in der Stuttgarter Innenstadt. Mehrere Hundert, überwiegend junge Menschen,...

DWN
Politik
Politik Weltwirtschaftsforum feiert Lockdown auf Twitter – und zieht Tweet nach Protesten wieder zurück

Das Weltwirtschaftsforum hat die Lockdown-Politik in einem Tweet hochgelobt, um nach Tausenden von Protesten den Tweet zurückzuziehen....

DWN
Politik
Politik Anti-Lockdown-Proteste in Irland eskalieren – Dominoeffekt in Europa?

Hunderte Menschen haben am Samstag in der irischen Hauptstadt Dublin gegen die Lockdown-Maßnahmen in dem Land demonstriert. Die Situation...