Finanzen

Sechs Fallstudien: Geld-Drucken führt immer zur Inflation

Lesezeit: 3 min
01.08.2013 02:29
Der US-Ökonom Steve Hanke hat die Inflation in sechs Ländern untersucht, die ihre Währungen besonders schnell ruiniert haben. Das Rezept zur Geldentwertung ist stets dasselbe: Massives Gelddrucken, Festpreise und Kapitalkontrollen.
Sechs Fallstudien: Geld-Drucken führt immer zur Inflation

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die offiziellen Daten zur Inflation sind oft reine Fiktion. Steve Hanke von der Johns Hopkins University stellt in einer Studie des Cato Institutes stellten fest, dass die Inflationsdaten in sechs Ländern besonders unrealistisch sind: Iran, Argentinien, Venezuela, Ägypten, Syrien und Nordkorea.

Da die Währungen dieser Länder nicht frei gehandelt werden können, werden sie auf dem Schwarzmarkt getauscht. Die Forscher verglichen die Schwarzmarkt-Wechselkurse mit den offiziellen Kursen. Auch wenn die publizierten Teuerungsraten meist recht stabil aussahen, stieg die tatsächliche Inflation auf dem Schwarzmarkt mitunter extrem an. Die Bürger der sechs Länder haben das Vertrauen in die offiziellen Währungen verloren. Zwar hält die politische Führung die offiziellen Wechselkurse weitgehend stabil. Doch die Währungskrise treibt die Inflation an, das Vertrauen in die Währung wird weiter erschüttert. Folglich geht der Wechselkurs am Schwarzmarkt auf Talfahrt.

Die Idee für das Projekt wurde im Zuge der iranischen Inflationskrise im Herbst 2012 geboren. Die Sanktionen des Westens wirkten verheerend auf die iranische Volkswirtschaft. Laut Ökonom Steve Hanke war der Unterschied zwischen dem offiziellen Rial-Dollar-Wechselkurs und dem Kurs auf dem Schwarzmarkt im Juli 2010 vernachlässigbar. Doch seither haben sich die offiziellen und die Schwarzmarkt-Wechselkurse immer weiter voneinander entfernt. Schließlich kam es sogar zu einer Hyperinflation mit monatlichen Teuerungsraten von über 50 Prozent. Obwohl sich der Rial mittlerweile etwas stabilisiert hat, bleibt die Inflation nach Schwarzmarkt-Wechselkursen mit 74,2 Prozent enorm.

Auch wenn Nordkorea von seiner kommunistischen Regierung stark abschottet wird, wächst der Schwarzhandel zwischen Nordkorea und China. Die nordkoreanische Währung, der Won, spielt dabei zumindest bei inoffiziellen Geschäften kaum noch eine Rolle. Die Nordkoreaner nutzen vorzugsweise den chinesischen Yuan und den US-Dollar. Das Misstrauen gegenüber dem Won hat mit einer Währungsreform im Jahr 2009 zu tun. Damals wurde eine „neue“ Währung eingeführt, ein neuer Won, bei dem einfach zwei Nullen weggestrichen wurden. Die Bürger konnten aber nur einen Teil der alten Währung in die neue umtauschen. Das löste eine Panik aus, die Nachfrage nach Devisen erhöhte sich, die Nachfrage nach dem Won brach ein.

Die Inflation ist in Argentinien zum Alltag geworden. Das Land steht derzeit am Rande einer neuen Währungskrise. Kapitalkontrollen und eine sich verschlechternde Leistungsbilanz in Kombination mit einer wirtschaftsfeindlichen Politik setzen den Peso unter Druck. Johns Hopkins-Professor Hanke sagt:

„Aktuell erhält man auf dem Schwarzmarkt 8,2 Peso für einen Dollar, womit der Wert der argentinischen Währung 34 Prozent niedriger ist als offiziell vermeldet. Das bedeutet eine aufs Jahr hochgerechnete Inflationsrate von 24,8 Prozent.

Zwar wurden die Auswirkungen der hohen Inflationsrate bislang durch massive Preiskontrollen vertuscht. Doch dies kann auf Dauer nicht gut gehen.

Auch Venezuela hat versucht, das Problem mit der Inflation durch Preiskontrollen zu lösen und ist dabei spektakulär gescheitert. „Um die massiven Sozialausgaben der Chavez-Ära zu finanzieren, reichten die Devisen aus dem Öl nicht aus“, so Hanke. Die Zentralbank habe daraufhin die Druckerpresse angeworfen, was zum Verfall des Bolivar geführt habe. Auf dem Schwarzmarkt liegt der Wert des Bolivar mehr als 80 Prozent unter dem offiziellen Wechselkurs. Daraus ergibt sich eine aufs Jahr hochgerechnete Inflationsrate von 249 Prozent.

In Ägypten haben Preis- und Kapitalkontrollen unter Mohammed Mursi einen Verfall des ägyptischen Pfund ausgelöst. „Die Ägypter durften zusehen, wie als Konsequenz die Inflation ihren Lebensstandard zerstörte“, sagt Hanke. Die offiziellen Preis- und Inflationsstatistiken seien bald meilenweit von der Realität entfernt gewesen. Laut Hanke lag die Inflationsrate basierend auf Schwarzmarkt-Wechselkursen Anfang Juli bei 27 Prozent und somit dreimal so hoch wie die offizielle Inflationsrate.

Die syrische Volkswirtschaft ist durch Bürgerkrieg und Wirtschaftssanktionen massiv beeinträchtigt worden. In der Analyse von Hanke heißt es:

„In einem verzweifelten, fehlgeleiteten Versuch, die Währung vor dem Verfall zu schützen, führte das Assad-Regime massive Strafen gegen den Handel der Währung auf dem Schwarzmarkt ein. Schon im Oktober 2012 erwies sich diese Strategie als nutzlos, nämlich als sie der Iran einsetzte. Genauso wie es auch im Iran der Fall war, führten die Versuche, den Handel mit der Währung zu unterbinden, zu einer Panik – einem Abverkauf des syrischen Pfund.“

Mit dem Währungsverfall ging laut Hanke ein dramatischer Anstieg der Inflation einher. Per Ende Juli weist das Cato Institute eine Inflationsrate von 214 Prozent aus. Am 10. Juli 2013 erreichte das syrische Pfund auf dem Schwarzmarkt ein Allzeittief bei 265 Pfund je US-Dollar.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Finanzen
Finanzen Es wird knallen: In der Euro-Zone erhebt sich ein großer Berg aus faulen Krediten

In der Euro-Zone werden zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen aufgrund der Corona-Krise untergehen. Das Problem ist nur, dass...

DWN
Politik
Politik Corona-Lockdown: Wie aus einer angeblichen „Fake News“ bittere Realität wurde

Am 14. März 2020 teilte das Bundesgesundheitsministerium mit: „! Achtung Fake News ! Es wird behauptet und rasch verbreitet, das...

DWN
Deutschland
Deutschland Wirtschaftsweise: Gefahr von Insolvenzen mit Dominoeffekten ist groß

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht die Pläne der Bundesregierung kritisch, die Insolvenzmeldepflichten für coronageplagte Betriebe...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nicht normal: Am Tag des „Sturms auf das Kapitol“ gab es Kursgewinne an den US-Börsen

Wenn von einem „Sturm auf das Parlament“, einem „Sturm auf das Kapitol“ oder einem „Putschversuch“ die Rede ist, krachen die...

DWN
Finanzen
Finanzen „Jeder vierte Selbstständige von Berufsunfähigkeit betroffen“

Selbstständige müssen noch mehr als Angestellte eine Berufsunfähigkeit fürchten, da sie in der Regel wenig Anspruch auf staatliche...

DWN
Politik
Politik Ursprung des Corona-Virus: China zeigt mit dem Finger auf „Fort Detrick“ in den USA

Das chinesische Außenministerium fordert, dass das US-Biolabor „Fort Detrick“ geöffnet wird, um den Ursprung des Corona-Virus...

DWN
Technologie
Technologie Durchbruch: Uni Bayreuth entwickelt neue Theorie zur Entstehung des Sonnensystems

Forscher der Uni Bayreuth haben gemeinsamen mit Forschern der University of Oxford, der LMU München, der ETH und der Universität Zürich...

DWN
Politik
Politik Ost-Ukraine: Kriegsparteien werfen sich gegenseitig Bruch der Waffenruhe vor

Im Osten der Ukraine kommt es zum Bruch des Waffenstillstands. Die Ukraine und pro-russische Kräfte werfen sich gegenseitig vor, den...

DWN
Politik
Politik Russischer Sicherheitsdienst FSB verhindert Anschlag auf Polizeibeamte

Der russische Bundessicherheitsdienst (FSB) hat einen Terroranschlag auf Polizeibeamte vereitelt und einen russischen Staatsbürger...

DWN
Politik
Politik Handlanger fremder Interessen: Die Wissenschaften auf Irrwegen

Nicht nur die Geisteswissenschaften, sondern längst auch die Naturwissenschaften bringen der Menschheit keine Fortschritte mehr, sondern...

DWN
Technologie
Technologie Wissenschaftler von Elite-Uni warnen vor Lockdown: Massive Folgeschäden wahrscheinlich - doch Studie wird ignoriert

Eine Gruppe von Professoren einer der weltbesten Universitäten kommt in einer am 5. Januar dieses Jahres veröffentlichten Studie zu dem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Großkonzerne profitieren von Corona-Krise, während der Mittelstand ausblutet

Während der Mittelstand in Deutschland vor dem Aus steht, haben Großkonzerne während der Corona-Krise sogar profitiert.

DWN
Deutschland
Deutschland Chaos am BER: Angestellte bekommen seit Wochen Stromschläge

Drei Monate nach der Eröffnung des Chaos-Flughafens wird von sonderbaren Defekten berichtet.

DWN
Politik
Politik Jetzt geht's wieder los: Syrien-Krieg nimmt an Fahrt auf

In Syrien kommt es erneut zu beunruhigenden Entwicklungen. Die Terror-Milizen IS und HTS sind wieder zurück. Die Lage in Idlib steht vor...