Politik

Frankreich verweigert Reform des maroden Renten-Systems

Lesezeit: 1 min
28.08.2013 12:03
Aus Angst vor sozialen Unruhen hat sich die französische Regierung entschieden, das wackelige Rentensystem nicht wirklich zu reformieren. Statt das Renteneintrittsalter von 62 Jahren wie erwartet zu erhöhen, wurden die Rentenbeiträge leicht angehoben. Damit kann jedoch das Finanzloch des Rentensystems in Höhe von bald über 20 Milliarden Euro 2020 nicht geschlossen werden.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Seit längerer Zeit drängt die EU-kommission Hollande und seine Regierung zu einer umfangreichen Reform des Rentensystems. Doch Frankreichs Regierung kann sich nicht dazu durchringen, dass marode System tatsächlich zu reformieren. Vielmehr werden kleine Details geändert, ohne dass dadurch aber das drohende Defizit beseitigt werden kann.

Ein wirklich entscheidender Schritt wäre der EU-Kommission zufolge eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Mit 62 Jahren liegt Frankreich weit unter dem durchschnittlichen Renteneintrittsalter in der EU. Doch die Regierung um Hollande fürchtet, dass eine solche Anhebung zu sozialen Unruhen führen könnte. Die Regierung steht seit Monaten in der Kritik und in den sozialen Brennpunkten ist die Wut der Menschen schon aufgeflammt (hier).

Das Finanzloch des französischen Rentensystems wird bis 2020 auf etwa 20,7 Milliarden Euro steigen. Um dem wenigstens ein bisschen entgegen zu wirken, hat die Regierung nun angekündigt, die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber anzuheben. Bis 2017 sollen diese um 0,3 Prozentpunkte angehoben werden, so die FT.

Ein weiterer Schritt ist die Verlängerung der Einzahlungsdauer ins Rentensystem. Von 2020 bis 2035 wird die Einzahlungsdauer dann schrittweise von 41,5 Jahre auf 43 Jahre angehoben. Damit vermeidet die Regierung zwar offiziell eine Anhebung des Renteneintrittsalters. Aber de facto, werden viele Französen länger als bis zum 62. Lebensjahr arbeiten müssen, um lange genug eingezahlt zu haben.

Im kommenden Jahr sollen dann noch weitere Maßnahmen folgen. Man wolle sicherstellen, dass beispielsweise die Erhöhung der Rentenbeiträge nicht zu einer Netto-Zunahme der  Lohnkosten der Arbeitgeber führt. Auch eine so genannte Not-Rente  ist ab 2015 geplant und eine mögliche Angleichung der Renten von Männern und Frauen, so die Regierung.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Wendejahr 2020: China zieht erstmals die höchsten Direktinvestitionen an

Zum ersten Mal in der neueren Geschichte konnte China so viele ausländische Direktinvestitionen anziehen wie kein anderes Land der Welt...

DWN
Politik
Politik In Europas Metropolen beginnen Corona-Unruhen

In den Niederlanden, Dänemark und Spanien fanden am Wochenende gewaltsame Anti-Corona-Proteste statt. Besonders große Unruhen fanden in...

DWN
Deutschland
Deutschland Schock-Umfrage: 175.000 Unternehmen sehen sich von Insolvenz bedroht

Zahlreiche deutsche Unternehmen stehen nach eigenen Angaben vor dem Aus. Das geht aus einer aktuellen DIHK-Umfrage hervor.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB betritt gefährliches Neuland: Manipulation der Renditespannen

Die EZB eskaliert die Manipulation des Anleihemarktes. Mit verstärkten Wertpapierkäufen will sie die Renditen zwischen guten und...

DWN
Finanzen
Finanzen Konkurrenz zum Bargeld: EU-Pläne zu digitalem Euro werden konkret

Die EU-Kommission unterstützt die Pläne der Europäischen Zentralbank zur Einführung eines digitalen Euros. Wirtschaft und Finanzwesen...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung erneut im Panikmodus: „Ausbreitung von gefährlichen Corona-Varianten“

Noch steht sie am Anfang - doch die Ausbreitung der hochansteckenden Corona-Varianten in Deutschland droht sich rasant zu beschleunigen,...

DWN
Politik
Politik EU legt Sanktionspläne gegen Türkei auf Eis

Die geplanten neuen EU-Sanktionen gegen die Türkei werden zunächst nicht verhängt. Hintergrund sind die aktuellen Bemühungen um eine...

DWN
Politik
Politik Die Corona-Krise führt zum Zusammenbruch der Nationalstaaten

Die Corona-Maßnahmen haben die Staatsschulden der Nationen und die Schulden der Unternehmen in astronomische Höhen schnellen lassen. Die...

DWN
Politik
Politik Am 20. März 2021: Reichsbürger oder Provokateure planen neue Aktion vor dem Reichstag

Aus Social Media-Recherchen der DWN geht hervor, dass Reichsbürger oder Provokateure am 20. März 2021 zu einer neuen Kundgebung vor dem...

DWN
Deutschland
Deutschland Regierung: Bürger können bald Corona-Tests für zuhause kaufen

Die Deutschen sollen bald Zugang zu Heimtests bekommen. Das Bundesgesundheitsministerium plant eine entsprechende Änderung der...

DWN
Politik
Politik Italien: Die eigenen Abgeordneten rufen Premier Conte zum Rücktritt auf

Medienberichten zufolge könnte Ministerpräsident Conte bereits am Dienstag seinen Rücktritt einreichen, um in der Folge eine neue...

DWN
Politik
Politik Medienberichte: Frankreich droht ein dritter Lockdown

Präsident Emmanuel Macron könnte noch in dieser Woche landesweite Ausgangsbeschränkungen verkünden, berichten französische Medien....

DWN
Finanzen
Finanzen Ausgabe "grüner" Anleihen erreicht neues Rekordniveau

Grüne Anleihen sind gefragt wie nie. Nach der Rekordemission im letzten Jahr wird auch für 2021 ein neuer Rekord erwartet.

DWN
Politik
Politik US-Flugzeugträger sorgt für neue Spannungen mit China

China hat die Entsendung des US-Flugzeugträgers «USS Theodore Roosevelt» in das umstrittene Südchinesische Meer kritisiert. Doch auch...